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Der Orient · 1848-07-22 · Heft 30 (22.7.1848) · p. Seite 240

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 30 (22.7.1848)
Date
1848-07-22
Page
Seite 240 (sequence 15)
Language
German
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- 240 - Mein der Ausschuß hielt sich nun vielmehr ver-.j 'pflichtet, die beantragte religiöse Füer g a uz a u fz u g e- > L erz. Zunächst war die Sache durch die Verhandlungen so weit hinausgezogen/ daß der freie frische rellii g i ö se Eindruck, bcn die Feier früher ge-wiß gemacht hätte, nun nrn so mehr erschwert war, je mehr sich das nichts weniger als religiöse Gefühl, doch Recht-behalten zu haben, eindrängen mußte: Dann war aber auch .ein Werk, daß ein religiöses Frieden sw erk hatte sein sollen, durch die Wendung der Dinge zu einer Parteisache geworden.. Der Verein, dessen letztes Zül ist , unter den verschiedenen Religionsbekenntnissen Frieden zu stiften 'und Mißhelligkeiten mtb Mißverständnisse zu heben, mußte einen Gegenstand fallen lassen, der — wenü auch ohne, seine Schuld — zu einem Stoffe konfessioneller Zwietracht und Erbitterung geworden war. V Wenn ich mit voller Zuversicht die Erwartung ausspreche, daß die giehrtc Versammlung diese Ansicht ihres Ausschusses zu der ihrigen machen wird, so kann ich ebensowenig unterlassen / mit voller Entschiedenheit mein Bedauern auszusprechen, daß cs so gekommen ist. Die beantragte Feier wäre aller Wahrscheinlichkeit nach eine im hoher:. Grade ergreifende und erbauliche gewunden, für welche die inzwischen abgehattene offieielle Kirchenfeicr wahrlich wenig Ersatz geboten hatl Auch bei einer so außerordentlichen und großartigen-Begebenheit hat sich die KstchenprariS in demgewöhnlichen Geschäftsgänge halten zu dürfen oder zu müssen geglaubt. Statt den n ä ch st cn Sonntag ohne weiteres für die beschlossene kirchliche Fürbitte anzuordnen und die Formulirnng derselben dem religiösen und christlichen Gefühle der Geistlichen zu überlassen , hat sie im Namen der Kirche eme .Formel verfaßt und der: Geistlichen zum Ablesen zugehen lassen. ' Wird hier der /'Eindruck, auch noch dadurch geschwächt, daß die Feier eine Woche verschoben werden mußte: so. reicht die Anweisung, auch in der Predigt Beziehung auf die große TageSsrage zu nehmen, um so weniger aus, 'wenn - das alles der großen Mehrzahl der Kirchenglieder e r st i n d e r K i r ch e b e k a n u t wird! Auch in unserem Leipzig, wo doch sonst auf-dem Küchenzettel die Feste namhaft gemacht zit werdet! pflegen, fehlte' für den Sonntag Rogate alle unb jede Andeutung l — — ' Die'Bestrebungen des ,,kirchlichen Vereins für alle Religionsbekenntnisse" sind in der Gegenwart ganz gewiß berechtigt und zeitgemäß. Das gleiche politische Recht ist ein offenbares Unrecht, wenn es auf bestimmte durch bestinunte -Rechtssatznng.cnanerkannte Konfessionen beschränkt wird. Das gleiche politische Recht ist, selbst auf alle Konfessionen ausgedehnt, in seinem tiefsten Grunde nicht minder ein Unrecht, wenn cs nur als Zwang äußerer Nöthignng gewährt wird. Solche ,,Parität" ist keine Wahrheit, iiud wenn sie auch in den Urkunden der Verfassungen verzeichnet stände. 'Die Wahrheit ruht nur ans einem innen:, geistigen, sittlich-religiösen Grunde. Sind die verschiedenen Religionsbekenntnisse, in Wahrheit gleich berechtigt, so sind sie'S nur auf demselben allgemeinen Grunde der Religion und Sittlichkeit. .Diesen tiefsten Grund herausznstetten, ' Ahn ttachzuwcisen und geltend zu machenals dasjenige, "was allein alle Formen und Formeln der Religion zur Wahrheit und zur lebendige!: Berechtigung zu erheben vermag: das ist die Aufgabe des kirchliche!: Vereins. Ueberzeugt, daß die kirchlichen: Formen und Formeln weder je ganz entbehrt noch je zur Einheit gebracht Werder: können, daß sie aber auch mehr nicht sind, als Formen und Formeln, als blose Mittel zun: Zweck, die nie stabil werden dürfen: suchen wir ihnen ihr Rech t zu sichern, indem ' wir ihnei: ihr U n r e ch t, die ewige Seligkeit m: sich zu knüpfen, nehmen.' An einer Möglichkeit, entweder die andern alle-zu der eignen Konfession zu bekehren, oder alle zu einer neuen Konfession zu vereinigen/können wir, nachdem eine Geschichte von fast zwei Jahrtausenden hinter uns liegt, mich: mehr denken. Nur den Glauben können und dürfen wir nicht anfgeben, daß es möglich sein werde, die verschiedenen geistigen Einwohnerschaften dahin zu bringen, daß sie die auf demselben Felsengruude crnfgesührten verschieden gestaltete!: mchx oder weniger zweckmäßig eingerichteten Gebäude bereitwillig gewähren lassen , und daß sie sich der wirklichen oder vermeintliche!: Vorzüge ihres Baues erfreuen, ohne dem Nachbar den sinnigen verleiden zu wollen l — Dr. T h e i l e. Personalchronik und Miseellen. Krakau. Aus Krakau haben wir durch Ressende'vernommen, daß die dortigen Juden die Abschaffung der Fleischpachtsteuer durchgesetzt, wobei der Gemeindevorsteher L. L., der sich dieser Abschaffung mit aller Gewalt widerfthte, öffentliche Beschimpfungen und Katzenmusiken zu erdulden hatte. Der Rabbiner Messels soll sich sehr gemein bei den dortigen Wahlen zum wiener Reichstag benommen haben, und setzte er alle mögliche Machinationen in Bewegung um seine Wahl zu befördern, was ihm aber mislang, indem *bie jüd. Gemeinde eher den Dr. Jacobowsky (beiläufig gesagt, ein getaufter Jude) als ihren Rabbiner wählten;' die Schafe brauchen keinen Hirten, und die Volkssouveränität steht über ivrcn Fürsten J * * Brody. In Brody wurde Mannheimer gewählt. Lemberg. 'In Lemberg soll es. bei den Wahlen zu Schlägereien gekommen und Dr. Abraham Kohn soll dem on dit zu folge von den Orthodoxen tüchtig durchgeprügelt worden sein , wogegen die Anhänger des Predigers an einem Kandidaten der Orthodoxen Repressalien übten. O tempora o ntores!’ — Vertag von C. L« Fritzsche. Druck - von I. H. Nag e!.

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