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Der Orient · 1848-07-22 · Heft 30 (22.7.1848) · p. Seite 237

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 30 (22.7.1848)
Date
1848-07-22
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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- 237 - nächsten Landtage kaum zur Sprache kommen, weil unser freisinniges (?) Ministerium, meintman Wichtigeres zu thun hat — und werden im ministeriellen Blatte Közlölty die Inden von der Pachtung der Karr rera lg nt er auögcschlosserr. Die Herrn waren wohl liberal insolange sie den Hirtenstab suchten. Unter solchen Verhältnissen denkt fast niemand an eine vernünftige Reform in der Synagoge und. absorbirt die Politik , alle merksaurkeit, die Alter: klammern sich um so inniger an die herkömmliche Werkheiligkeit und gedenken der entfchwrrndcnen ruhigen Zeit und wünschen dcrr alten Zustand herbei. So erpreßte mir neulich die Aenßerung Jemandes „Glauben Sie mir, seitdem roir die Freiheit haben) träne ich mich auf keine Gasse" Wehmüth, —- und könnte man ähnliches oft hören. In St.. Weißenbrlrg ließ man derr bereits in Angriff genommenen Tempelban wieder fallen,- weil solches von der christlichen Bevölkerung mißliebig ausgenommen wird, doch haben sie in ihrem bisherigen engen Betlekal einen Choral- Gottesdienst eingeführt und die, Regina beim Lesen der Tora abgeschast, so wie überhaupt der dortige Nabbine durch seine geistreichen Predigten den freisinnigsten Ideen Eingang verschafft. Hier (in Pesth) war zu Anfang des v. M. ein Zusammentritt mchrer Jude::gelneiuden- Abgeordueteu zur Besprechilng des zum. allgemeinen Besten beim nächsten Landtage Zuunternehmenden, weil er aber nur unvollständig zu Stande kam, wurde ein neuerlicher auf den' 4.*x. ausgeschrieben mit dem Bedeuten, man möge bei der Wahl der Deputaten auf Intelligenz sehen. Herr Rabbiner Lou vertrat seüw Gemeinde Papa, trug auf die Verbesserung unserer inner» Angelegenheiten an, waö ihm als das vorzüglichste unbeweisbare Interesse gilt. Doch griff sein Vorschlag nicht durch, weil er vereinzelt da stand, und unser stmges Israel meint, cs müsse Alles, was ein Rabbiner anträgt, von.sich weisen. Die Gemeinde zu Palota fängt bereits an cinznsehen, daß ihr Rabbi für die Alten zu jung und für die Jungen zu alt sei; er hat tu neuer Zeit die Semmelbrösel verboten. — In Weßprim ist das Embryo des Reformvereins bereits den Weg altes Fleisches gegangen, um so besser gedeiht er in Arad, wo ihm das Klima zuträglicher ist.' Ad yoceni Reformverern. Ein vaterländisches Blatt perstftirtdiesen wie folgt: „Eine Reformgesttlschast sieht sich benöthigt, ihre sämmtlichen Vorräthe an ehrwürdigen (?) Satzungen, Geboten, Gesetzen und Gebräuchen, um den billigsten Preis loszusch lagen und behält nichts als die Firmatafel zurück, die aber nach der Hand gegcn vorlheilhafte Befugnisse hintangegeben wird." Aus Mä'-hreN/ I.Juli. Der heitere Demokrit, Herr Rabbin'er Sch m i e d l, nrächt stch m Nr. 24 Ihres allgemein beliebten Blattes über den schlichten Famitianten ■ lustig, greift ihn „in offenem Bisir und eirrgelegter Lanze" stichfcrtig an, ob des Witzes und Hohnes dessensteh dieser gegen Mähren bedient haben soll z kämpfet gewaltig gegen innere'.und äußere Feinde, gebährdet stch als^ stünde Hanibal vor den Thoren und doch-sind dies nur Ausgeburten seiner lebhaften Fantasie, ein Kampf gegen Windmühlen,'da wir bloö in der friedlichsten Absicht die Mißstände und das unsäglichste Leid so uns niedcrbengt, der Wahrheit treu geschildert, um die Fähigen zu einer ernsten Thätigkeit aufzurufeu, in welcher Beziehung bis dahin nur wenig geschehen. Auch jetzt wissen wir blos von der Adresse an Dr. Giskra, was wohl etwas'aber noch nicht alles ist. Oder ist wirklich die Schuld nur an uns, daß wir so düster schauen und ist der mährische Himmel, seitdem Sterne erster Größe au ihm prangen, wirklich nicht so trübe'mehr, seine Bet- und Lehrhäuser hellerleuchtet und vom Kehricht gereinigt? Giebts keine* 40 Jahr alte Pensions-Kandidaten und Kandidatinnen mehr? Werden die Emigranten nicht wie das Wild gehetzt, von Weib und Kind gejagt,.--wenn sie einer fremden Gemeinde angehörig; nennt man ihre Ehe, die vor Gott nach seinem Gesetze-geschlossen, keine wilde-mehr, und sind urplötzlich aus seinen Ungarischen — lauter Priv'ilegirte, i. e. Familiautcn' geworden? Wir fönntcn die traurigsten Beweise deS Gegentheiles bringen, ja aus der nächste:: Nähe de§ H. Sch. daß z. B. in' Gcwitfch, junge (?) Leute auf Erlangung eines Heirathsprivilegiums 'oder zur Lcgiümirung ihrer Ehe tlltd leiblichen ehelichen Kinder Tausende geopfert, bis sie endlich nach Jahren den Bescheid von der Allerhöchsten Stelle — gicbt's doch auch einen allerhöchsten Ahriman — erhielten: Kompetent t'vird — lediglich abgnvicscn, und geschehen solche erbauliche Histörchen auch in unserer Zeit nicht selten.. Doch wollen wir dem Herrn Naticnalgarden seine freundlichen Illusionen nicht rauben, sie ermuthigen ihn zum" Kampfe, unS regt die Wahrheit mehr alt und auf, er giebt uns Spaß für Kost; wenn das so seilte Art seiner Gemeinde gegenüber, wird er sie kann: sättigen. — —, Daß wir ihn schwach genannt, haben wir wahrlich' nicht so arg gemeint, als er's in seiner Kampfbegeisterung aufnimmt rntd bedienten, wir uns keines Feuergewehres, wo eine Windbüchse schon genügt, schwebte uns vielmehr damals die Aenßerung Davids vor: *jbo mwci Drn *o.3N, darum wir ihrn lveniger Kraft als Muth zugetraut ■— und sein Schwager Ncuda ist der nicht wirklich krank? Wir äußerten dieses mnt B.tdauern und mit umserer innigen Theilnahmc, dieweil er stets einen biedern Charakter bcihätiget, der Erste, der hierarchischen Uebergriffen widerstrebt, ja der Einzige der' offen und ohne Furcht der Berufung „des edlm Hirschen mit hohem Geweih" sich widersetzt hatte, selbst auf die Gefahr hin, die Gönnerschaft Mannheimers, dein er doch Alles verdanket, zu verlieren und datier sich auch seine Krankheit, wie utänniglich /bekannt, von der Wahlstätte ~~ her, wir achten den Neuda. -Der'Dr. Duschak

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