Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1848)
- Date
- 1848-07-15
- Page
- Seite 228 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Fricke die Rednerbnhne und hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über Glauben mit Wissen auf religiösem Gebiete mit Beziehung auf einen Aufsatz des Prof. Jörg ähnlichen Inhalts in den Blättern für christliche Erbauung, in welchem er ansführte, daß auf christlich-religiösem Gebiete zwischen Glauben und Wissen kein Widerspruch stattfi'nde, und daß die unbedingte Rationalität dem Christenthume nicht widerspreche. ' Das Anerbieten voll Seiten des Redners, eine Debatte über diesen Gegenstand cinzuleiten, wurde für die nächste Sitzung dankbar angenommen und hierauf die Sitzung geschlossen. (D. A. Z.) Anclnm, 27< Juni. Motto: O Zopf o Iopf, wann wirft du weichen, ' Wann wird die Scheere dich erreichen! Als ein Gegenstück zu dem neulich Berichteten (s. Nr. 23 d. Bl.) senden wir Ihnen, geehrter Herr Redakteur, einen kleinen Aufsatz, den wir vor Kurzem in einem der hiesigen Blätter abdrncken ließen und haben wir znm bessern Verständnis; desselben noch folgendes zu bemerken: In Demmin, einem Städtchen in unserer Nähe, soll sich ein jüdischer Lehrer, der an der Spitze de§ dortigen konstitutionellen Klubs steht, in einer Rede etwas „zu fm" ausgesprochen haben; in Folge dessen erhob sich eine Partei, der solche Bestrebungen eilt Dorn im Auge sind, ein Zeter, das sich in einigen nichtssagenden Aufsätzen, die gebührend zurecht gesetzt wurden, Lust machte. Hinterher kam noch ein vom echtesten Krämergeiste beseelter Zopfi an er, schimpfte auf die Bestrebungen des erwähnten Lehrers und der ihm Gleichgesinnten und nur seiner Liebenswürdigkeit die Krone anfznsetzen, fügte er noch die Bemerkung hinzu, „daß die Juden am allerwenigsten Grund hätten, mit der bisherigen Negierung unzufrieden zu fein". Es lohnt sich zwar nicht sehr, auf das Geschwätz der Thoren zu achten; denn die Sklavenketten unserer so unaufhörlich vom Vorrrrtheil und Fanatismus verfolgten Glaubensgenossen sind gebrochen; die Zeit, wo Pfaffenhaß und Ministerwahn mi.t ihrem d ä m o n i f et; c m Gewebe d i e Throne u m g a r rite n , ist dahin; — und wurden alle diese lieblosen Aeußernngen, alle die auf Vorurtheil und Wahn bast'rten superklugen Bemerkurrgen von der Donnerstimme des 19. Jahrhnnderts, die Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ruft, übertönt und zum Schweigen gebracht. Aber hier zu Lande/ wo auch dort, wo der Zopf bereits geschoren, immer noch wem'gstens einige Haare zum Vorschein kommen;'wo die -Stimmung deshalb auch nicht allgemein für die Inden ist, weil man sie und ihre Religion noch nicht genug kennt, ist cs n o th wendig, so viel wie möglich dazu beizutragen, daß die, in vielen deutschen Blättern, leider noch immer vorkommmden Auswüchse des Meuschenodcr möchte ich lieber sagen des Krämergeistes ins rechte Licht gestellt und richtige Ansichten verbreitet werden. Namentlich könnte dies durch die j ü d i sch e n Zeitblätter geschehen, und wäre es wünschenswerth, wenn dieselben auch von gebildeten Christen gelesen werden möchten, wie dies schon an vielen Orten, z. B. in Nell-Stettin geschieht; das hat großen Nutzen. — Der erwähnte Allssatz lalltet also: „In Nr. 48 des Poiumerfchen Volksurrd Anzeigeblattes macht ein Herr Anonymus mit der Ueberschrift ,,i2'# die Bemerkung, daß man fetzt „die tollsten Schlvitldelgeister unter den gwßtentheils (?) jungern Jugerldtehrern findet" sodann bezieht er diese Bemerkung noch besonders auf einen jüdischen Lehrer „in kleinern Orten", als ob dieser nicht schon unter dem Ausdrucke „Jngendlehrcr" mitbegrissen wäre, und endlich macht er sich das Vergnügen, dem Ganzen noch ein Z vp schell anzubinden. Denn wie paßt sonst der Schluß „Wahrlich die Juden (und zwar die Gesetz und Friedell so sehr liebenden Juden, wie Hr. A. in Nr. 49 des genannten Bl. nachträglich bemerkt), haben am allerwelligsten Grund mit der bisherigen Regierung unzufrieden zu sein" zu dem Vorhergehenden? Oder ist es recht, den Juden im Allgemeinen Unzufriedenheit vorzuwerftn, wenn, was übrigens noch gar nicht erwiesen, ein jüdischer Lehrer in einem kleinen Orte als „Ultrademagoge" anftritt? Ob aber die Juden überhaupt Ursache hatten, mit der bisherigen Regierung unzufrieden.zu sein, ist eine Frage, die wohl von Jedem, der von dem Standpilukte des Rechts und der Wahrheit allsgeht, bejaht werden dürste. — Denn bisher waren die Juden — das ist genugsam bekannt — mit vielen Ausuahmsgesetzen belastet, und welchen Grllnd hatte man hierzu? — Welchen Grund hatte man sie als Ausnahmen zu betrachten? Sind sie nicht Ebenbilder GotteS? Oder ist's ein Verbrechen, sich zu der Religion ,zu bekennen, aus der die andern herrschenden Religionen hervorgegangen? — Ist's ein Verbrechen der angestammten väterlichen Religion trotz der damit verbundenen Beschränkungen treu zu bleiben? Man sagt freilich, die Juden wären in frühern Zeiten noch beschränkter, noch bedrückter gewesen; sind die Fesseln, mit denen man sie umgab, aber dadurch auch nur ein klein wenig gerechtfertigt? Mit Nichten. Und dennoch waren die Juden stets. Gesetz imb Frieden liebende Unterthanen und sagt ein Schriftsteller neuerer Zeit (Krämer: die Juden uild ihre Ansprüche an die christlichen Staaten) : „Er (der Jude) ist ein friedlicher und ruhiger Bürger und bekrittelt nicht die Verfassiulgen und Einrichtungen der Staaterl. . . . Treten arldere Bedürfnisse für den Staat ein, so ist der Jllde der dankbare Bürger auf dessen Beistand man sich verlassen kann". — Die Inden sagten nicht: ul)i Lene ibi patria; fle kämpften mit aller! Kräften für ein Vaterland, das sie nicht als seine rechten Külder