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Der Orient · 1848-07-15 · Heft 29 (15.7.1848) · p. Seite 227

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 29 (15.7.1848)
Date
1848-07-15
Page
Seite 227 (sequence 5)
Language
German
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dem Vatcrlandedas dich nun. ausgenommen! Seit deiner traurigen Wanderung ..nach Deutschland mit den römischen Legionen, seit 18 Jahrhunderten hat dir eine so schöne Stunde nicht geschlagen! Breslau, 25. Juni. Wenn auch jetzt die Lobenden Fluchen der Weltbegebenheiten die Besprechung des religiösen Lebens überrauschen, wenn auch das Niederstürzen aller Dämme und Riegel, das Zusammensinken aller durch den scharfen Zahn der'Zeit morsch gewordenen Scheidewände sowohl auf dem weltlichen Gebiete des Lebens als auch auf den: geistigen des Denkens und des religiösen Bekenntnisses , alles Besondere und Eigenthümliche vor dem großen Ganzen immer mehr in den Hintergrund tritt; so wird doch jeder Vernünftige, Besonnene, der cs ciusieht, daß das Ganze immer aus von einander verschiedenen Theilen besteht, daß die Menschheit immer ans verschiedenen Völkern von scheidender Denkungsart, und eigenthümlich aus ausgebitdeteu Sitten- und Religionsbekenntttissen zusammengesetzt ist, von Zeitzu Zeit auch jedes Einzelne in seiner eigenthümlichen Acußenmg im Leben austnerksam betrachten, um im Einzelnen das Ganze und im Ganzen das Einzelne zu erkennen. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, werden es wohl Ihre Leser nicht übel nehmen, wenn ich ihnen hier etwas Einzelnes über das religiöse Leben der hiesigen jüdischen Gemeinde berichte. Daß die beiden Parteien sich noch immer nicht geeinigt haben, das werden Sie wissen, daß aber noch eine dritte Partei in der letzten Zeit hervorgetancht ist, welche an Zahl den beiden ersten weit überlegen ist, verdient wohl erwähnt zu werden. Es ftub nämlich solche^ die sich weder um Geiger noch um Tik'tin, weder um Talmud noch um Bibel kümmern. Und da die meisten Juden als Wehrmänner gerade am Sonnabend Morgen tüchtig excrciren, so ist es natürlich, daß auch der schöne Chor des Herrn Deutsch nur tauben Wänden singt, als auch, daß Dr. Geiger nur leeren Stellen predigt. Deshalb ist auch der' Ehorgesang sogar während des Wochenfestes, längere Zeit ausgeblieben; aber auf Verwendung des Dr. Geiger wieder eingeführt. Einen Beweis der Achtung und Tüchtigkeit der hiesigen jüdischen Bevölkerung liefert die unlängst hier stattgefundene Wahl von 15 Mitgliedern unter den Kaufleuten erster Klasse zur Handelskammer. Es wurden nämlich 8 jüdische und 7 christliche Kaufleute zu diesen wuchtigen Stellen gewählt. Es haben jedoch zwei von den Ge- , wählten von selbst zu Gunsten der christlichen Bevölkerung, daß sie nach Verhältnis ihres numerischen Uebergewichtö auch, in der Handelskammer angemessen auö /ihrer Mitte vertreten sein, auf ihre Wahl verzichtet, was alS' sehr bescheiden ausgenommen wurde. WaS ich Ihnen jedoch hauptsächlich berichte): will ist, daß der rühmlich bekannte Dr. M e r i tz L ö w em t h a l, welcher irr Stockholm, Berlin, Dessau, Posen, Lissa sich als tüchtiger Kanzctredner ausgezeichnet hat , auch hier in der großer: Synagoge mit großem Beifall gepredigt hat. Derselbe hat schon früher in der Gesellschaft der Freunde einen höchst gediegenen populären Vortrag über ,,den praktischen Einfluß der^ philosophischen Bücher d er Bib el" gehalten. Vergangenen Sabbat sprach er über ,,d i e donnernden S t i m m e n der G e g e n w a r t". Wenn auch der Redner unwohl war und nicht nach seiner Gewohnheit von der Kanzel donnern konnte; so hat doch der Inhalt seiner Predigt allgemein gefallen. Er sprach zuerst im Allgemeinen über »>cii heilsamen Einfluß der stürmisch eil Bewegung, dann insbesondere auf das religiöse Bewußtsein. Da gewiß beide Verträge ans Verlangen im Drucke erscheinen werden, so enthalte ich mich Ihnen hier einzelne Bruchstücke zu liefern. .X. Leipzig, 1. Juli. In der gestrigen Sitzung de§ K i r ch l: chen Vereins fü r a t l e R e lig.ro U sbeke u ii hu s s e erfolgte zunächst die Mittheitung > daß der definitive Ausschuß und Vorstand des Vereins gewählt sei und ans folgenden Männern bestehe: Dr. Zille, erster Vorsitzender; Prof. Dr. Theile, zweiter Vorsitzerider; Advokat Simon, erster Schriftführer; Dr. Zeftermann, zweiter Schriftführer; Prof. Schleiter, provisorischer Kassner; Pfarrer Ranch, Prediger Jellinek, Dr. Fricke, Rektor Ketl, Dr. Haltaus, Pros. Erdmann, Hosrath Jörg. Mit besonderer Theilnahme vernahm man nun, daß sich auch in Dresden nach dem Vorgänge Leipzigs ein Bruderverein unter dem Namen ,Kirchlicher Verein in Dresden" begründet habe, und daß Eduard Duller in. Darmstadt ebenfalls auf Begründung eines Vereins zu gleichen Zwecken hmarbeite. Zwar wurde in Bezug auf den dresdner Verein von zwei Gliedern der Versammlung die Befürchtung ausgesprochen , daß, weil er im §. 2 seiner Statuten nicht, wie der leipziger Verein, Verwirklichung der Selbstständigkeit und Gleichstellung aller Konfessionen sowie Beseitigung der konfessionellen MiShelligkeitm und Misverständnissc unter seine Zwecke ausgenommen habe und sich in Förderung kirchlicher Reformen zunächst nur' auf die evangelisch-lutherische Kirche.beschränken wolle, derselbe' nicht auf demselben Prinzipe stehe wie der leipziger. ES wurde diese Befürchtung aber von vielen Seiten dadurch widerlegt, daß das Streben nach religiöser und kirchlicher Fort- und Durchbildung und die Aufnahme 'jedes unbescholtenen Mannes, welchem Religionsbekenntniß er immerhin angehören möge, den kirchlichen Verein in Dresden ,,dem Wesen nach Eins mit dem leipziger Verein" erscheinen lasse, und daß nur ,,die Berücksichtigung lokaler und sonstiger Verhältnisse" , um die .Erreichung des Zweckes zu ermöglichen, zunächst eine Beschränkung dieses Zwecks geboten habe.* Hierauf betrat *) Dieser Bericht ist entstellt. Wir werden auf den Gegenstand zurückkommen. D. Eins» 29*

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