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Der Orient · 1848-07-15 · Heft 29 (15.7.1848) · p. Seite 226

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 29 (15.7.1848)
Date
1848-07-15
Page
Seite 226 (sequence 3)
Language
German
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XVII. Sind die Inden auf das neue politische und staätsbürgertiche Leben vorbereitet? Nein, weil es- bis jetzt unmöglich war, sie mit dem Katechismus der politischen Freiheit vertraut zu machen. Wir meinen hier nicht die gebildeten Juden, die, wie es sichherausgcstellt hat, ihren christlichen Brüdern vorangehen, sondern die untern Schichten des Volkes. Die Freiheit ist zwar mit dem Bewußtsein eines Jeglichen innig verbunden; das Gefühl für dieselbe bringt der Mensch zur Welt mit; allein wie sie gehandhabt, gewahrt, geschützt, gestärkt werde, wie sie die Bedingung eines hoher« Geisteslebens ist, liegt nicht Jedermann so nahe. PolitischeBildung, politische Aufklärung konnte bis jetzt keinen Boden finden, wo blos der Acker des Druckes bestellt wurde. Diesem Mangel muß abgehotfen werden. In jeder Gemeinde Oesterreichs müssen Versammlungen stattfinden, wo die ungebildete Volksklasse über das Wesen ihrer Ansprüche und ihrer Rechte aufgeklärt, ihr Bewußtsein geläutert, ihre Begriffe erweitert und ihr Sinn für die hohen Güter der Freiheit geweckt werden. Und hierin können die jünger» Rabbiner segensreich und fikbemb wirken. Statt des ,,Orach Chajan" zeige man-dem Volke den wahren Weg zum Leben. Die jungem Rabbiner mögen das 'junge Kind der Freiheit im Schooße ihrer Gemeinden hegen und pflegen, damit es Allen zum Segen gedeihe. Solche Gemeindeversammlungen werden tüchtige' Vorschulen zum Eintritt in's staatsbürgerliche Leben bilden. In den Jugendschulen muß aber jetzt schon aus diesen wichtigen LcbenSpnnkt Rücksicht genommen werden. Der Knechtssinn werde entfernt, und die Freiheit befestige sich in der Brust der Jugend. Der Vollgenuß der Freiheit darf der Jugend nicht verkümmert werden. Ad. Jellinek. Deutschland. Leipzig, 4. Juli. Die Rabbiner MarchandEnnery und Isidor in Paris haben dem Erzbischof vor' seinem Hinschcidm einen Besuch abgestattet. So leben die höchsten geistlichen Würdenträger in Paris einig und friedlich zusammen. — Der protestantische Superintendent Großmann, dessen Steckenpferd die Verunglimpfung der Katholiken ist, würde schon bei dem Gedanken an eine Verbrüderung mit Juden zurück'schreck'en. — Der Vicepräfident der Berliner Natiouat-Versanuulung ist Dr. Kosp, der, wenn wir nicht irren, ein Jude ist. — Prediger Mannheimer in Wien ist in den österreichischen Reichstag gewählt worden. —-. Während des Prager Aufstandes haben sich viele christliche Arbeiter vor den Eingängen zur Judenstadt postirt, unb zwar zum Schutze der Inden. Sie .sagten, den Juden, durch' welche sie ihren Lebensunterhalt verdienten, dürfe nichts zu Leide gethan werden. — Gondcheau.r ist unter dem Ministerium" Cavaignae zum Minister der Finanzen ernannt worden. Seine finanzielle Einsicht wird von den französischen Journalen-sehr gerühmt. Frmrkfnrt rr. M., 3. Juli. Die Erlösungs- Stunde der Jöraelitem Deutschlands eilt, der Freiheits- . ruf rückt immer näher und näher, die Fesseln lösen sich und der verjährte Zauber der Knechtschaft weicht. Man muß in die alten Blätter der Geschichte geblickt und die blutigen Buchstaben derselben gelesen haben, um die Freudenschauer zu begreifen, die uns bei dem heute in der constituirenden Nationalversammlung vorgelegten Entwurf über die Grundrechte des deutschen Volkes durchzuckten. Welch eine riesige Todsünde der Geschichte wird hier gebüßt, welch ein Niesenkerker geöffnet! Das deutsche Volk giebt. sich selbst seine Grundrechte, feine Vertreter verkünden die Grundrechte des deutschen Volks, und diese Rechte, die so edel und erhaben, so hochherzig und freisinnig, die den Deutschen zum freiesten, würdigsten Ebenbilde Gottes machen, in denen ein heiliger Geist der Erleuchtung wohnt, diese großartigen Grundrechte für alle Volksstämme Deutschlands , welche keine Verfassung oder Gesetzgebung eines deutschen Einzelstaats je aufheben oder beschränken kann, diese Rechte sind auch für dich Israel in Deutschlands Mitte! Jeder Deutsche hat das allgemeine deutsche Staatsbürgerrecht, dieses Recht kann er in jedem deutschen ^Lande. ausüben, er kann wohnen, wo er will, kann Gmudeigenthum erwerben, Kunst und Gewerbe treiben wo er will und bei öffentlichen Aemtern, in der Wehrpflicht in der Religionsfreiheit sind Alle gleich. In §. 13 des 3. Artikel's heißt es: durch das religiöse B e k e n n t n i ß w i rd d e r Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt. Kurz der Jude Deutschlands ist vollständig emaneipirt, die gemischten Ehen sind gestattet. Erhebend ist der Schtußparagraph der Grundrechte: Jeder deutsche Staatsbürger in bce | Fremde steht unter dem Schlitze der deutschen Nation. Ihr edlen Kämpfer und Sprecher für die Freiheit Js-i raels, die ,Jhr in den Journalen und in eigenen Schrisjj kn unsere heiligen Rechte verfochten, Ihr habt jetzt eine! andere Mission, die Mission nämlich, für die nun ausl gesprochenen Rechte zu wachen, daß sie eine Wahrheit Z werden, daß nicht hie und da der Eiuzelstaat, oder eine | einzelne Stadt diese heiligen Rechte verkümmere. Jedem 1 Juden steht nun das Recht zu, über Vorenthaltnng | oder Verkümmerung der Rechte Klage zu führen bei der Reichs-Versammlung, wenn feine Beschwerden daheim | nichts helfen. Sei muthig itnb entschlossen Israel! I kämpfe für Deutschlands Wohl, für Dentschlaild's Größe - und Ruhm, weihe deine Kraft, die dir Gott gegeben/

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