Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1848)
- Date
- 1848-07-15
- Page
- Seite 225 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Neunter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhw. Man abonnirt bei allen lobl. Posta'm'crn und allen sclid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. J«li«s Fürst. Von dieser Zeitschrist erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechner, zwei Bogen,, und zwar an jedem Dienstag regelmäßigeipzig, den 15. Juli Inhall. Die Juden in Oesterreich. XVI XVii. — D e u 1 sch! a n d. Leipzig. Vermischtes. Frankfurt a. M. Die Konstituirende Versammlung ^Breslau. Parteiwefen. Verfall des religiösen Lebens. Fortschritt. L.eipzig. Der kirchliche Verein. Anclcrm. Eine Aopfgeschichle. Frankfurt a. M. Die Grundrechte des deutschen Volkes. D r e s d e n. Wählbarkeit der Juden. — Oesterrei ch. Wien. Kandidaten zur Neichsversammlung. — Personalchronik und Miscellen. Wien. Frankfurt a. M. Berlin. Leipzig. Die Asche Börnes. — LB. d Or Dis Juden in LZesterreich. XVI. - Während wir diese Zeilen niederschrcibcn ist die konstituirende ReichSvcrsammlmtg in Wien wahrscheinlich bereits eröffnet. Noch sind uns die Elemente unbekannt, aus denen er zusammengesetzt ist. So diel ist aber gewiß , daß viele Bauern unter den Gesetzgebern sttzen werden» Auch die Juden werden ein kleines Kontingent stellen. Die Gleichstellung der Inder: wird natürlich auch einen Gegenstand der Berathung bilden. In welchen Reihen haben wir die Gegner der Juden zu suchen? In den höhern Regionen der Regierung durchaus nicht. Sie sieht, welches schaffende und zerstörende Element die Inden jetzt bilden , wie sie oft'das Schiff im Sturm der Bewegung fetten auch sind auö allen bekannten Schritten derselben die sichersten Judieien zu schöpfendaß sie den goldenen Spruch der Neuzeit: „Alle Bürger sind gleich vor und in dem Gesetze" -zu ihrer Loosung wählen werde. Der Minister Pillersdorf war noch unter dem menschenfeindlichen Regimente Metternichs ein warmer Vertheidiger der Juden , was uns von zuverlässigen Männern mitgethcilt wurde. Werden die Bauern ihr bäuerliches Veto entlegen? Auch dieses können wir nicht bejahen. Der Bauer in Böhmen, Mähren und Galizien lebt in der Regel in Eintracht und Frieden mit dem Juden; er kennt weder die vergilbten Bücher, aus denen Ghillauy und Konsorten die Waffen holen, um dem Rechte ins Gesicht zu schlagen, noch besitzt er die Dialektik eines Bruno Bauer, um zu beweisen, daß der Christ auch noch nicht emaneipirtist. Bleibt der Bauer seinem natürlichen Gefühle überlassen, so wird er als Naturmensch für die Gleichheit stimmen. Allein die Bauern werden wahrscheinlich die Garde verschiedener Parteichefs bilden. Diese werden aus den Gelehrten, den Bürgern und dem Adel hervorgchen. Die Gelehrten sind die hartnäckigsten Gegner, wenn sich eilt verjährtes Vorurtheil bei ihnen eingenistet hat. Der Abgott des Spießbürgers ist sein Privileginm, sein Vortheil. Der Adel ist der älteste Ahnherr von Vorrechten. Die Möglichkeit, daß sich ans diesen drei Klassen der Gesellschaft eine Coalition gegen die Juden bilde, ist vorhanden. Aber nur die Möglichkeit. Siegt das demokratische Prinzip,.— was nach dem 15). Mai bereits eine historische Thatsache zu sein scheint — so ist die Gleichstellung der J,rden gesichert. Trägt das abstrakt konstitutionelle den Preis davon, so wird der Bürger und Gelehrte, dem Adel gegenüber, für die Inden stimmen muffen, damit die Opposition gegen den Adel an Zuwachs gewinne. Jedenfalls wird die Zukunft der österreichischen Juden eine erfreuliche. Der Himmel ihrer Geschichte wird heiter und die Sonne der Freiheit wird auch denen leuchten, die bisher im Finstern wandelten. 26