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Der Orient · 1848-07-08 · 28 (8.7.1848) · p. Spalte 445-446

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
28 (8.7.1848)
Date
1848-07-08
Page
Spalte 445-446 (sequence 7)
Language
German
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445 Studien. Strauß über Judenverfolgungen und Judenemancipation. 446 solchen Separatorganismus in. dem seinigen nun kann der Staat, will er nicht sich selbst wehe thun, ohnebesondere Vorkehrungen nicht bestehen lassen. Innerhalb seiner muß Alles flüssig sein. Er duldet keine geschlossenen Kasten, keinen Sonderbund, kein Volk im Volke. So lange also die Juden dieses sind, ist es nicht religiöse Intoleranz, sondern politische Weisheit, ihnen die staatsbürgerlichen Rechte nur mtt bestimmten Einschränkungen zu gewähren. — Wie gesagt, dieses schien mirnicht nur damals gründlich gesprochen zu sein, sondern bis heute habe ich nichts vernommen, wodurch ich es widerlegt achten müßte. Nun ist aber das Festhalten der Juden an ihrer nationalen Besonderheit zum Theil eben in ihrer Religion und deren Einrichtungen begründet. Die Grundvorschriften des mosaischen Gesetzes, die Beschneidung, die Speiseverbote, sind auf jene Absonderung des Volkes Gottes von allen Indern als unreinen Horden ausdrücklich berechnet; die jüdische Sabbatfeier in ihrem Zusammenbestehen mit. dem christlichen Sonntag wirkt in derselben Richtung, und durch die messianischen Weissagungen der Propheten, in dem ausschließlich nationalen Sinn , wie die Juden sie verstehen, ist im Geiste des Volkes jene Trennung auch für alle Zukunft festgestellt. Läge es hiernach nicht nahe, unserer jüdischen Miteinwohner politisch bedenklichen'Sondergeist eben an seiner religiösen Wurzel angreifen zu wollen? Erscheinen von hier aus die Missionen zur Bekehrung der Juden nicht der Begünstigung des Staates werlh? In der That, ein untrüglicheres Zeichm, daß unser ganzer Standpunkt in der Iudenfrage nichts tauge, könnte nicht gefunden werden, als wenn von ihm aus der moderne Staat in den grellen Widerspruch mit sich selbst verwickelt würde, wahrend er sich gegen die Verschiedenheit der religiösen Bekenntnisse indifferent erklärt, zugleich selbst den Bekehrer machen zu muffen. Dessen nicht zu gedenken, daß so Stirn gegen Stirn eine Religionsgesellschast der andern nur unterganz besondern Umständen (daß die eine im ersten Iugendfeucr mit einer alten und abgelebten zusammentriffc) elwas Erklekliches beizubringen pflegt; wie denn auch die Ergebnisse allerneueren Iudennnssionen nur schmählich, und lächerlich gewesen sind.. Es wird sich indessen zeigen, daß dasjenige, was wir von unserem Standpunkte aus verlangen, vielmehr ganz auf dem Wege der religiösen Indifferenz liegt, den wir dem modernen Staate vorzeichnen. Ein Volk im Volke, sagten wir, seien die Juden unter uns, und dem abzuhelfen müsse Anstalt getroffen werden, ehe wir ihnen ohne Gefahr den vollen Mitgenuß bürgerlicher und politischer Rechte einräumcn können. Abgeholsin aber kann ihm von oben her, von Seiten der Religion nicht werden, weil dies eben so inkonsequent vom jetzigen Staate wäre, als es sich erfolglos zeigt. Es bliebe also der Versuch von unten her, von der physischen Seite statt der meta- und hyperphysischen , Abhütfe zu versuchen. Wie unpraktisch wir Christen doch geworden sind! Vor lauter Uebernätürlichkeit nehmen wir das Natürliche nicht wahr, was' uns vor den Füßen liegt. Da wußten die alten Heiden geschickter den rechten Fleck zu treffen. Als in Nom sich das Bedürfniß zeigte, die Kluft zwischen Patriciern und Plebejern auszufüllen, welche aus den Bewohnern derselben Stadt zwei feindliche Völker zu macken drohte, da trugen verständige/Männer darauf an, daß das Gesetz, welches gegenseitige Heirathen zwischen beiden verbot, außer Wirkung gesetzt werde. Zwar wehrte sich das Patriciat aus allen Kräften gegen eine Neuerung, durch , welche, wie die Konsuln sich ausdrückten, und wie in Betreff judenchristlicher Mischehen auch unsere Prälaten und Consisterwn sich ausdrücken würden*,' alle göttlichen und menschlichen Satzungen gestört, Stämme und Religionen vermengt, die Ehe zur thierischen Vermischung herabgewürdfgt würde: aber der energische Tribun und die Zeitgemäßheit seines Eintrags drangen dennoch durch, und erst jetzt, urtheilte er, seien die beiden Stände in Ein Volk zusammengewachsen. Wo auch hinfort die Römer eine Stadt oder Völkerschaft sich besonders innig verbinden wollten, da pflegten sie ihr das connubium zu e.rtheilen« — Bei uns hatte.man in manchen Landern den Juden nach einander fast alle übrigen Rechte bereitwillig einaeraumt, ohne daran zu denken, diejenige Schranke aufzuheben, deren Fortbestand sie nöthigen würde, auch ferner wenigstens physisch ein von uns getrennter Stamm zu 1>leiben. Statt daß naturgemäß vielmehr die Heirathsfreiheic zwischen Christen und Juden das Erste war, was der Staat hatte gestatten müssen, um zu versuchen, ob sich nicht von dieser Seite eine allmälige Ver-' schmelzung, oder einstweilen wenigstens eine Auflockerung der enggeschlossenen jüdischen Nationalität einleiren ließe. Daß, wenn von dieser Freiheit ein umfassender Gebrauch gemacht würde, dadurch der Weg gebahnt wäre, mit der-Absonderung überhaupt zugleich einige der nationalen Fehler zu heilen, durch welche die Juden unserer bürgerlichen Gesellschaft bis jetzt besonders zur Last fallen, ist nicht zu bezweifeln. Eine dieser leidigen Stammeseigenschaften des Juden ist notorisch die Scheu vor schwerer Körperarbeit, die ihn vom Ackerbau, wie von den gröberen städtischen Gewerben abhält, und geneigt macht, durch die leichtere Bemühung des Handels und Schachers sein Leben auf Kosten der hart arbeitenden Klassen, nach Art jener lästigem Schmarotzerthiere, die auf der Haut und im Pelze der größeren hausen, zu fristen. Meint man nun, eine solche, durch vielhundertjährige Geschlechcerreihen hindurch eingewurzelte, zur andern Natur gewordene Stammeseigenheit durch Ermunterung, auf der einen, Erschwerung auf der andern Seite ausrotten zu können? Nur Racenvermischung wäre im Stande, einen derartigen Erfolg allmälig einzuleiten. Und wenn eine solche Versetzung mit den ardeilsfestcn Knochen unseres Volkes den weichlichen Orientalen wohl bekäme: würde es etwa (beiläufig gesagt) dem deutschen Michel übel anstehen, etwas von dem gewitzigten Wesen und auch von der Mäßigkeit und Nüchternheit seiner bisherigen ungebetenen Gäste in sich hinein zu bekommen? — Eine andere böse und der bürgerlichen Gesellschaft gefährliche Eigenthümlichkeit der Masft des jüdischen Volkes (von

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