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Der Orient · 1848-07-08 · 28 (8.7.1848) · p. Spalte 443-444

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
28 (8.7.1848)
Date
1848-07-08
Page
Spalte 443-444 (sequence 6)
Language
German
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443 444 Studien. Strauß über Judenverfolgungen und Judenemancipation. sorglicher Leitung auch das hebräische Fach sich einer geziemenden Beachtung erfreuet-. Wenn nicht'der Preis die jetzigen Geldkräfte überstiege, so war er der Einzige in ganz Wien, der großes Verlangen hatte, die Heimann Michaet'sche Bibliothek in Hamburg an sich zu bringen. In einer solchen Zeit, sind solche Männer wahrlich selten. Wien, den 11. Juni 1848. Dr. I. Golde n thal, Docent der hebräischen und rabbinischen Sprache und Literatur an der k. k. Universität. Judenverfolgung und Judenemancipation. Von . David Fr. Straufi. . (Schluß.) Die Bauern fühlen, daß es hohe Zeit ist, die alten Lasten endlich abzuwerfen, welche sie mit jedem Jahr unerträglicher beschweren, und deren Abschaffung großenteils schon vor 300 Jahren in den zwölf Artikeln der Bauerschaft verlangt war; -sie fühlen aber auch, daß sie sich selbst helfen müssen, da es sich seit dreißig Jahren hinlänglich ausgewiesen hat, daß man ihnen von ' oben herab nicht helfen wolle; sie fühlen endlich, daß-eben jetzt die Stunde zu dieser Selbsthülfe geschlagen hat, denn sie verstehen sich gar wohl auf das Sprichwort, daß man das Eisen schmieden muß, so lange es warm ist. Aber mit dieser Erhebung des Landvolks gegen die grundherrlichen Lasten steht ihre Erhebung gegen die Juden nicht bloß äußerlich nach Zeit und Ort, sondern auch innerlich und der Sache nach im Zusammenhang. Wie auf der einen Seite vom Rentamtmann durch Gülten und Beeden, so sehen sie sich auf der andern vom Juden durch seinen Wucher das Blut abgezapft. Kann der Grundherr den'Pächter steigern oder fortschicken, den Bauer pressen und pfänden lassen: so kann ihm der Jude die Kuh aus dem Stall wegft'ihren, die er gegen unerschwingliche Zinsen ihm zum Nießbrauch überlassen hat. Wird es. von jener Seite nicht besser, so wird es von dieser mit jedem Jahre schlimmer. Hat man dort nicht geholfen, so ist man hier sogar — wie es dem Bauer wenigstens Vorkommen muß -- im Begriff, aus übel ärger zu machen. Man hat Gesetze gegen den Schacherhandel gegeben: hat er darum -aufgehört?- oder ist er auch nur merklich weniger geworden? Der Bauer, wahrscheinlich auch der Kaufmann, werden Nein sagen. Man hat die Juden zum Ackerbau, zur Erlernung von Handwerkern aufgemuntert: wo ist ein erheblicher Erfolg davon sichtbar? Vielleicht in den amtlichen Tabellen, wo sich aber , wie verlautet, manche haben eintragen lassen, welche das angegebene Handwerk gar nicht selbst betreiben*. Und nun will man die Juden gar vollends emancipiren, ihnen gleiche bürgerliche Rechte mit den Christen geben, d. h.— sagt der Landmann — das Recht, uns ungescheut vollends den letzten Tropfen auszupressen. - Er irrt sich; aber er versteht es einmal so. Ist es ein Wunder, wenn er thatsächlich protestirt, .wenn er sich selbst von einer Landplage zu helfen sucht, gegen die er von oben noch weniger, als gegen jene andern, sich Hülfe verspricht? Daß er hierin nicht ebenso wie dort von der öffentlichen Meinung getragen ist, duse vielmehr entschieden gegen sich hat, kümmert den Landmann wenig. Er ist auktontätsgläubig; aber diese sogenannte öffentliche Meinung, der Luftstrich in den höheren Schichten der Gesellschaft, ist ihm keine Auktoritat, weil sie ihn nicht berührt. Und doch spricht sie in unserer Zeit viel zudringlicher widerspruchlose Geltung an, als die alte eigenlichet Aukcorität. Läugne das göttliche Recht der Obrigkeit, ja läugne selbst die Göttlichkeit Christi: man wird es vielleicht nicht billigen, doch immerhin dich noch gelten lassen; aber sprich dich gegen die Emancipation der Juden, oder gegen die Abschaffung der Todesstrafe aus: und du darfst sicher sein, daß man dir als einem mittelalterlichen Barbaren den Rücken kehrt. In der That aber ist zwischen beiden Auktoritätcn, der alten patriarchalisch-religiösen und der neuen — daß ich so sage — publizistischen, insofern kein Unterschied, daß beide um so mißtrauischer zu prüfen sind, je infallibler sie sich gebärden. Vor sechs Jahren wohnte ich in der badischen Ständekammer einer Sitzung bei, in welcher die Judenfrage verhandelt wurde. Mein unvergeßlicher Freund Züllig war Bericht-, erstatten, und zeigte sich dem Volke Gottes gar nicht günstig, in dessen talmudischer Literatur er nicht blos (was nicht viel heißen würde) wie kein anderer in der Kammer, sondern wie wenige deutsche Theologen bewandert war. Er griff nach manchem Wunderlichen, wie nach der Verwandtschaft der Gaunersprache mit dem Hebräischen; aber er brachte Manches vor, was mir aller Beachtung würdig däuchte. Dagegen rauschte nun von Seiten der Opposition (der im Uebrigen auch Züllig angehörte) der Wind des humanen Zeitvorurtheils daher, gegen welches der alte Herr sich vergebens zu wehren suchte. Der einzige Redner, der mir damals etwas zu sagen schien, war der treffliche Zittel, der jedoch, wie ich in spätern Kammerprotokollen zu bemerken glaubte, jenem Anprall auch nicht bleibend zu widerstehen vermocht hat. Damals nun aber war er mit der Opposition zwar in dem Punkte vollkommen einverstanden, daß im modernen Staate die Religion kein Hinderniß bilden dürfe, irgend wem — also auch nicht den Juden — die volle Theilnahme an den bürgerlichen Rechten des Volkes zu gewähren, als dessen Glieder sie leben. Allein — fragte der Redner nun weiter — sind denn die Juden wirklich Glieder unseres Volke? wollen sie es auch nur sein? In der That sind sie nicht blos durch Abstammung von uns und von allen Völkern, unter welchen sie leben getrennt, sondern sie halten auch etwas auf ihre geschlossene Stammeseinheit, setzen sich den übrigen Nationen als etwas Besseres gegenüber, schwimmen stets, wie Oel auf dem Wasser, in besonderen Augen auf der übrigen Bevölkerung herum. Einen

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