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Der Orient · 1848-07-08 · Heft 28 (8.7.1848) · p. Seite 222

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 28 (8.7.1848)
Date
1848-07-08
Page
Seite 222 (sequence 11)
Language
German
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222 Stadt verlassen, als der Terrorismus begann. Die Magistraisräthe Hlawka und Golcz forderten dm auf eigene Kosten bewaffneten Inden der Nationatgarde die Waffen ab , und als sie Widerstand fanden, riefen sie den fanatisirten Pöbel, der kurze Zeit zuvor bei Gelegenheit einer vom .Stadtpfarrer im Geiste des wahren Christcnthums gehaltenen, das AuSschtießungssystem verpönendcn, trefflichen Predigt, eine nicht unbeträchtliche Summe zur Uniformirung und Armirung unbemittelter Garden von den Juden annahm, zu Hilfe. Schon hatte es den Anschein, als sollten in Collin die Preßburger Seenen aufgeführt werden, man fugte sich und lieferte sämmtliche Waffen ab, nun verlangte man aber,' daß alle waffenfähige jüdische Mannschaft mit nach Prag ziehen müsse, die Art der. Bewaffnung überlasse man ihrem freien Witten.. Es wurde Generalmarsch geschlagen, die Natiorlatgarde rückte aus, und die Juden ohne Waffen und trostlos, eine ihnen fremde Sache verteidigen zu müssen, entschlossen sich, nachdem genannte Magistraisräthe öffentlich erklärten, daß sie im Weigerungsfälle nur Plünderung und Mord gewärtigen, und es sich übrigens zur Ehre rechnen sollten, mit nach Prag ziehen zu dürfen/dreißig junge Leute mitziehcn zu lassen. Diese gingen Abends mit 80 anderen Freischärlern , nachdem ihnen der Pfarrer öffentlich den Segen ertheileu, und ihre RevolutionSfahne weihen mußte, unter wüthendem Geschrei und Trommelschlag nach Prag ab. Freitag früh begann der Sturm von Neuem, indem die zurückgebliebenen Emissäre die Zahl der abgezogenen Freischärler als zu gering angaben. Daher gingen Mittags wieder ungefähr 30 Schützen und mehrere Juden ab, und die Zurückgebliebenen befanden sich in unausgesetzter Furcht vor Plünderung, bis man Samstag Mittags von Prag die Nachricht brachte,, daß die Militärgewalt gesiegt habe. Dies stillte einigermaßen die Aufregung, und brachte auch den geängstigten Juden einige Ruhe. Es wäre um der Ruhe und Sicherheit so vieler tailscnd gefährdeter, treuer Unterthanen willen, dringend nothwcndig, daß vorn Ministerium des Innern auch in den genannten Landstädten strenge Untersuchungen gegen die Magistratsbeamten, welche überall an der Spitze waren, ungeordnet würden. Es würde dadurch der Schleier, der noch über die ganze Verschwörung schwebt, bedeutend „gelichtet. (A. Oesterr. Z.) Bisen;, 20. Juni. In Brünn hat sich ein Verein zur Verbreitung politischer Bildung gebildet, dessen erstes Lebenszeichen die Veröffentlichung einer Anzahl von Personen ist, welche er mittelst der Brünner ständ. Zeitung als Deputirte znm Reichstage in Vorschlag gebracht. — Unter diesen findet sich auch der Name des Bisenzer Oberamtmannes Demscher, welcher bei den Burcaukrateu der ganzem Umgegend, daö Kreisamt nicht ausgenommen, in hohen Ehren steht. Muß ihm auf der einen Seite die strengste Unbestechlichkeit nachgcmhmt werden, so benimmt er sich auf der ändern als cut bureaukratischer Despot, der seine Amtsgewalt auf die unnachsichtlichste Weise handhabte. Mit den glorreichen Freiheitskämpfern der Wiener ist er, wie die meisten dieser Herren, durchaus nicht zufrieden , und ans die ruhmreichen Freiheitöhelden Bezug habende Acußernngen, wie „Stndcntengestndel" — „man sollte jeden dieser Lumpen mit Fünfundzwanzig betheilen," werden zur Genüge darthun „ wie a n ß e r o r d c n t l i ch schlecht dem Volke und der guten Sache durch einen solchen Rückschrittsmann gedient wäre. Der Verein sollte sich die Wichtigkeit des Wahlaktes etwas besser vor Augen halten, oder mit feinen Vorschlägen zu Haufe bleiben. — Auch bei uns gingen bei den Wahlen der Wahlmänner enorme Ungesetzlichkeiten vor. Ein gebornerBisenzer wurde vom Amtmann als Wähler für unfähig erklärt, weil er noch nicht völlig 6 Monate in seinem Geburtsorte seßhaft war. ^Ein anderer wurde vom Amts-- Vorstande auS der Versammlung gewiesen, weil er Czeche ist. Den Inden wurde dcr zur Wahl anberaumte Tag -gar nicht bekannt gegeben und nur einige vom Gemeindediener mündlich ins Gemeindehaus beordert. . Man ist hier ziemlich allgemein für direkteWahlcn. (A. Oesterr. Z.) Der kirchliche Verein für alle Religionsbekenntnisse in Leipzig. ' V. Leipzig, im Juni. — Ueber die vom „kirchlichen Verein für alle Religionsbekenntnisse" beabsichtigte religiöse Feier zur Eröffnung der deutschen Reichsversammlung zu Frankfurt erstattete der Unterzeichnete in der Versammlung am 29. Mai folgenden Bericht: „Es wird Ihnen bereits aus den öffentlichen Blättern bekannt sein, welchen Erfolg der in unserer letzten Versammlung vom 13. Mai gestellte Antrag auf eine religiöse Feier zur Eröffnung des deutschen Reichstags in Frankfurt gehabt hat. Da der Widerspruch gegen diesen Antrag sich bis zu Verdächtigungen verstiegen hat, welche nicht blos der Idee des Vereins zu nähe treten, sondern auch mittelbar der ganzen Ver-, sammlung, welche den Antrag ohffe Diskussion annahm, Unrecht thünrso ist es der einstweilige Ausschuß ebensowohl der Versammlung als der Sache schuldig, mit den nöthigen Mittheilungm eine knrze Verständigung und Rechtfertigung zu verbinden. Dieser Pflicht glaube ich mich um so mehr unterziehen zu müssen, da ich bei

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