Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1848)
- Date
- 1848-07-08
- Page
- Seite 219 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 219 - angetrunken zu sein schien , aus freien Stucken zu, von einem fcmgekleidct.en Herrn dazu ansgefordert worden zu sein, recht tüchtig zu-schreien und zu lärmen, namentlich in der geschehenen Weise. Seiner Angabe nach hatte er, sowie noch, mehrere Männer in seiner Umgebung, von dem Fremden e i n e n T h a l e.r zum Geschenk erhalten. Zur. Bestätigung seiner Angaben wies er übrigens einen blanken Thaler vor. Die sofort ausgehende Patrouille, welche sich bemühte, nach der Beschreibung des Arrestanten, den Geschenkgeber auf dem Schloßplatze oder in dessen Nähe zu ermitteln, kehrte leider unverrichteter Sache zurück. Wenn wir dergleichen Handlungen auch als einen Wahnsinn betrachten müssen, so wäre es doch wnnschenswerth, solche Subjekte, die sich alsFeinde der guten Ordnung 'zeigen, kennen zu lernen, um dem von ihnen vertretenen Elemente endlich einmal näher zu treten. Es muß eine schlechte Sache sein, für die sie im Dunkeln zu wirken suchen, denn durch schnödes Geld ein Bewußtsein hervorzurufen, ist doch unmöglich und entwürdigt nur den Zweck'sucher. Ein eben so erbärmlicher Charakter "gehört aber dazu, für erbärmlichen Lohn eine Meinung zu vertreten. Glücklicherweise ist auch in unfern Arbeiterklassen gegenwärtig cm so gesunder und kräftiger Sinn, daß. sich nicht Viele finden lassen werden, die sich zu solchen unwürdigen Zwecken hergeben. (Publizist.) Leipzig, 21. Juni. (Schluß.) Mau hat gesagt, die Emancipation der Juden lasse sich wohl in der Theorie, aber nicht in der Praxis rechtfertigen; man hat aber nicht leugnen können, daß diese Theorie die Theorie der Gerechtigkeit sei. Wehe uns, wenn unsere Praxis gegen diese Theorie streiten sollte. Das war die Praxis der Metterniche, der Louis Philipp und aller der anderen Tyrannen und Despoten , welche wir in diesen Tagen vernichtet oder gedemüthigt haben, und das war es, was den Fluch der empörten Menschheit auf ihr schuldig Haupt herabgerufen hat, daß ihr Thun mit der Gerechtigkeit im Widerspruche stand. Wer mir meinen Rock gestohlen hat. hält es ebenfalls für unpraktisch, mir denselben zurückzugeben. Die Leute aber, welche die Emancipirung der Juden für unpraktisch halten, handeln, sei es aus Böswilligkeit, sei es aus Eigennutz, sei cs aus Dummheit, oder fei es -— was das Gewöhnlichste ist — aus allen diesen Beweggründen zugleich, ganz nach Art derer, welche die Arbeiter zum Zertrümmern der Maschinen verleiten: das Werk der Verführung gelingt den Ruchlosen nicht selten; die Verführten aber haben ihre Leichtgläubigkeit, ihre Kurzsichtigkeit, stets bitter zu bereuen. — Die emancipirten Juden nützen dem Staate, und müssen ihm nützen, während die nicht emancipirten Juden von ihren selbstsüchtigen christlichen Mitbrüdern in eine dem Staate feindliche Stellung, hineingedrängt sind, in eine Stellung, in welcher sie ihm schaden können, und oft ohne es zu wollen, ohne es zu wissen, schaden müssen, und wmi sie von diesem keinen Gebrauch.machen, so sind sie bei weitem nicht so strafbar wie ein Mitglied des Staates. Man hat auf das Beispiel der Länder hingewiesen, in welchen die Juden emancipirt sind, und auf die traurigen Folgen, welche diese Emancipation gehabt habe. Wir haben aber durchaus nicht erfahren, daß Frankreich, Belgien und Holland, in . welchen Ländern die Juden seit einer Reihe von Jahren emancipirt sind, es zu bereuen hätten, daß sie der Stimme der Gerechtigkeit Gehör gegeben; dagegen wissen wir, daß Irland und das Erzgebirge gar nicht, Schlesien aber nur von nichtemancipirten Juden bewohnt wird. — — — — Daß die Emancipirung der Juden hier und da Störungen und Unbequemlichkeiten 'Hervorrufen, daß dieser Akt der Gerechtigkeit mit manchen Opfern von Seiten Einzelner verbunden sein wird., ist allerdings nicht zu leugnen: aber welchen Werth hätten Tugend.und'Gerechtigkeit, wenn ihre Ausübung überall mit dem praktischen Nutzen Hand in Hand gingen? und wo ist in der Geschichte der Menschheit etwas Großes und Schönes geschehen, ohne daß damit einzelne Nachtheile verbunden gewesen wären? Ich erinnere an die Reformation, — ich erinnere an das Leuchten und Wärmen der SonneJ So gewiß aber das Gestirn des Tages wohlthuend auf das Ganze wirkt, so gewiß wird die Aufnahme der Juden in den ' Staat wohlthuend wirken! Gegen diejenigen unter ihnen, welche Freiheit mit Frechheit .für gleichbedeutend halten, so wie gegen die, welche die Emancipation dazu benutzen wollen, das elende Wucherhandwerk desto bequemer zu betreiben — und solche Elende wird die neue Freiheit ebenso gewiß erzeugen, als die Natur auch giftiges Geschmeiß und. ekelhaftes Ungeziefer hervorbringt: gegen diese schützen uns die Gesetze; thun sie es nicht, so sind sie mangelhaft und müssen ergänzt oder durch bessere ersetzt werden. Die Zeit ist nahe, deutsche Bürger, wo. Ihr Euch selbst Gesetze geben werdet: strebet dahin, solche Gesetze zu geben, welche dem Schurken so wenig Gelegenheit, wie nur immer möglich, zur Ausübung seiner Schurkerei lassen: ganz könnet Ihr ihm allerdings nie diese Gelegenheit nehmen. Bestrebet Euch, der fortschreitenden Kultur zu folgen und suchet nicht sie aufzuhalten, wenn Ihr nicht folgen könnet; Jene aber, welche, weil sie zurück hinter der Kultur des Tages sind, die Zeit soweit zurückziehen wollen, daß dieselbe für sie paffe, sie werden von dem unaufhaltsam vorwärts' rollenden Rade der Zeit zerschmettert werden! Johann Gustav Cohn, St. M. Leipzig, 29. Juni. Die Leser des ,,Orient" werden sich noch des Streites mit Dr. Großmann erinnern in Betreff einer allgemeinen Feier znr Eröffnung des deutschen. Parlaments. Wir lassen hier die Worte des unsterblichen Börne, des modernen Propheten, über einen ähnlichen Gegenstand folgen: Am sieben und zwanzigsten des verflossenen Juni' wurde in Frankfurt die Erinnerung an eine große Fenersbrunst, die vor hundert Jahren an diesem Tage viele Häuser in' Asche gelegt, feierlich begangen.. Der Senat, 28*