Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1848)
- Date
- 1848-07-08
- Page
- Seite 218 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360526-2360555--6462-3534268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 218 — Element. Treten. nun die mährischen Juden als eine feste, einheitliche und kompakte Masse,, auf, so hat das Deutschthum eine feste Stütze. Wir gehören zwar nicht zu denen, die ans .dem Standpunkte der intoleranten, Nationalität stehen und das Heil desM e n sch e n nur in c,iner bestimmten Nationalität finden; allein dgs Slawenthum in Oesterreich hat. Nichts, was es in die Reihe gebildeter, in/ die Entwickelung der Menschheit eingreifender Nationalitäten aufnehmen könnt'c. Was hat Oesterreich von dem Slawenthum zu erwarten? Bringt es eine reiche Geschichte, eine großartige Literatur, Bildung, Geistesaufklärung, geordneten Handel, blühende Industrie als Angebinde, als Brantschatz, um sich mit den' bewegenden Nationalitäten der Geschichte zu. vermählen? Keineswegs! Es" zählt Fäuste, aber nicht Seelen, und auf einen gebildeten Deutschen kommen vielleicht sechs slawische Fäuste. Zur Zeit der Völkerwanderungen war die physische Gewalt das Agens, die treibende Kraft, das erobernde Element in der Geschichte,' jetzt kämpft der Geist seine Schlachten und 'Ideen bilden die Heeresmacht. Das deutsche Mähren kann, einen Platz in. der Gegenwart ausfüllen; das slawische wird eines Jahrhunderts der Ruhe und des Friedens bedürfen, um nur ein Plätzchen in der Geschichte einnehmen zu können. .. XV. Ein Hanptübel, das die Juden von den Christen in Oesterreich trennt, ist der jüdische Jargon. Mit den Alten wollen wir nicht rechten; sie sind das Produkt ihrer Erziehung. -Die Jugend aber, welche dem Staatsbürgcrthum entgegen geht, muß diesen jüdischen Jargon ablegen. So lange man den Inden an seiner verderbten Sprache als ein. fremdartiges Element erkennt, ist die Verbrüderung unmöglich. -Der Jude spricht —- und mit jedem Worte erhebt sich eine neue Scheidewand,- und mit jedem Accent tritt eine neue Disharmonie ein. „Mer sennen Brider un hobn anen Gott" ist eine Carrieatnr auf die Verbrüderung. Leider nähren viele Rabbiner dieses schädliche Element, diesen ohrzerreißenden Jargon. Es ist aber die "Aufgabe der Schute, hier mit starker Hand einzugreifen und die Sprache zu pflegen. Auch die Eltern, wenn sie auch selbst nicht aus den Bauden des Jargons sich befreien können, werden hierin durch Eifer und Wachsamkeit die Zukunft ihrer Kinder segensreicher gestalten. So lange nicht die Juden mit ihren christlichen Mitbrüdern ,,eine Sprache und einerlei Worte" haben, wird die babylonische Begriffsverwirrung über Recht und Gleichheit sich nicht so leicht im Volke lösen und anfktären. Eine gleiche Sprache wird auch einegleiche Anschauung Hervorrufen. Ad. Jel-limek. Deutschland. Leipzig, 30. Juni. Die -/Allgemeine -Oesterreichische' Zeitung" - hat ^Sammlungen für die Verunglückten in Preßburg veranstaltet. — Viele Juden in Posen wollen ihren-'Handel mit dem Ackerbau vertauschen, indem die Polen nichts von denselben kaufen. — Während in Ungarn die Roboten aufgehoben sind, wollen".einige Gutsbesitzer mit den jüdischen Bauern eine Ausnahme machen. —- Durchreisende Böhmen erzählen von der Verwirrung , die in Böhmen herrscht, unter welcher die Juden am meistere leiden. Die rohe. Maffe glaubt nämlich, die Freiheit ,sei eine Herkuleskeule, womit man nach Belieben schlägtohne ans Widerstand zu stoßen. Die Auswanderungen sind immer' im Zunehmen begriffen. So beraubt sieh der österreichische Staat seiner Kräfte. — In P.rag ist die Ruhe nur äußerlich hergestellt; in den Gemüthern siedet und kocht es noch immer. -- Unter den Deputirten der preußischen Nationalversammlung spielt der jüdische Depntirte Brill eine bedeutende Rolle. — Leopold K o mp e r t hat das Leben in Nordungarn geschildert. Dieser Schriftsteller besitzt ein hervorragendes Talent, das Volksleben zu schildern. — Landrabbiner Hirsch in Mähren hat endlich doch gezeigt, daß er es aufrichtig mit der Reform meiue. Er hat nämlich den Frauen gestattet, sich mit dein Messer zu rasireu und den Männern ihr eigenes Haar zu tragen. Nur die allmalige Reform ist von Segen. Hingegen ' hat er, wegen TO Dpin, den Juden verboten- Cokarden zu trageil und'Katzenmusiken zu bringen. So tautet eine Privatmittheilung aus Mahren-. In wie weit sie gegründet, mögen unsere mährischen Korrespondenten benrtheilen. Berlin, 11. April. (Vcrsp.) Am vergangenen Mitwocb, den 5. d.M. waren, wie bekannt, Besorgnisse angeregt worden , einige Hansen Arbeiter, welche schon im Laufe des Tages umhergezogen waren,, nlöchten am Abende in der Stadt Plünderungen und Allfälle gegen das Eigenthum Einzelner vornehmen. Die Besorgnisse waren, wie sich nachher zeigte, glücklicherweise unnöthig gewesen;, sie hatten indeß, zur Verhütung etwaiger Ercesse, zur Folge gehabt, daß zahlreichere Patrouillen die Stadt durchstreiften, und eine große Anzahl Vürgersoldaten das Schloß besetzten, welche auch namentlich die Eingänge verschlossen. Es sind an diesem Abende eine Menge Verhaftungen vorgenommen worden. Unter dcll Verhafteten, die vorerst auf die Schloßwache gebracht wurden, zeichnete sich vor allen übrigen ein großer, sehr robuster Mann ans, seines Stalldes ein gewöhnlicher Arbeiter, mit einer blauen Blouse bekleidet, welcher auf dein Schloßplatz vcrhastet worden war. Er hatte sich unter einer tumultnircndcn 'Menge durch das Geschrei: nieder mit den Inder! l und ähnliche Redensarten ganz besonders hcroorgethau. .Er gestand, ob schon er