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Der Orient · 1848-07-01 · 27 (1.7.1848) · p. Spalte 427-428

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
27 (1.7.1848)
Date
1848-07-01
Page
Spalte 427-428 (sequence 6)
Language
German
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42? Studien. Urber den allerheiligsten Schlösser, jetzt meistens nur die Akten und Gültbücher in Brand stecken? Daß sie — man erwäge, welche Selbstüberwindung von deutschen Bauern! — die wohl und köstlich gefügten Keller ihrer gnädigen Herrschaften vorübergehen, und einzig Registratur und Archiv zum Zielpunkt nehmen? Und ist überhaupt ihr Thun etwas Anderes, als auf dem kürzesten allerdings nicht eben gesetzlichen — Mege sich dasjenige zu nehmen, was längst von den Wolksmännern in allen deutschen Ständekammern auf einem Wege gesucht worden war, der sich freilich so lang erwies, daß den Bauern darüber wohl am Ende die Geduld ausgehen konnte? Ein solcher Zusammenhang mit dem Geist und den Bestrebungen der Gegenwart ist bei den. Judenverfolgungen unserer Tage nicht zu entdecken. Wenn vor bald 800 Jahren kreuzfahrendes Gesindel über.die Juden der rheinischen Städte herfiel, so werden feine eigentlichen Beweggründe und Zwecke wohl sehr irdische gewesen sein: aber es stand doch ihr Beginnen mit dem religiösen Standpunkte der Zeit in Übereinstimmung. Im Begriff, das Land und die Oerter von den Ungläubigen zu befreien, welche Christi Leiden und Sterben geheiligt hatte, mochte es ihnen ganz in der Ordnung dünken, zuvor den zerstreuten Nachkommen derjenigen noch eins zu versetzen, welche all jene Schmach und Pein über den Erlöser gebracht hatten» Päbste und Fürsten, die höchsten geistlichen und weltlichen Autoritäten, waren in jener Zeit darin einig, das Volk der Juden zu verdammen und, aller bürgerlichen, und zumTheil selbst menschlichen Rechte unwerth zu erklären: kein Wunder, wenn aufgeregte Volks- und Kriegerhorden handgreiflich an ihnen verübten, was von jenen Grundsätzen aus folgerichtiger Weise kaum gewehrt werden konnte. Selbst noch aus neuerer Zeit, von den Hepp-Hepp-Krawallen der ersten Restaurationsjahre, wäre ihr Zusammenhang mit den christlich-deutschen Ideen damaliger Burschenschaft unschwer nachzuweisen. Dagegen lesen wir von den jetzigen Judenverfolgungen die Berichte in ebendenselben Zeitungsnummern, welche uns zugleich melden, wie fast in allen deutschen Ländern die Regierungen mit Adressen bestürmt worden, in welchen das Gesuch um vollständige Religionsfreiheit und Gewährung aller -staatsbürgerlichen Rechte auch für die Juden einen der vornehmsten Punkte bildet. Zu derselben Zeit also, in welcher von der einen Seite ein vielstimmiges Vertrauensvoum für die Juden abgegeben wird, sehen wir von der andern ein thatsächliches Mißtrauensvotum gegen sie eingelegt. Beide so entgegengesetzte Willens- und Meinungsäußerungen gehen von verschiedenen Schichten der Gesellschaft aus. Die Judenverfolgungen finden meistens auf dem Lande statt: es ist der Bauersmann, der sich gegen seine lästigen Gläubiger erhebt: jene Stimmen für Judmemancipation hingegen, lassen sich in Ständekammern, in Zeitungsblättern, vernehmen; die^. dahin zielenden Adressen finden unter Gelehrten, Literaten, überhaupt den gebildeteren Klaffen der Städte, selten unter dem Gewerbs-, schwerlich unter dem Bauernstände Unterzeichner. Wer nun Lust hat, der kann sich hieran' halten und Namen und dessen Bokalisation. 428 sagen: Es ist die Bildung, die Humanität, der Geist der fortgeschrittenen Zeit, der sich für — die Unkultur, der Eigennutz, das Vorurtheil, welche sich gegen die Juden erheben» Ob aber eben dieses Unheil wirklich im Geiste der Zeit gefällt wäre, ließe sich fragen. Oder entspricht es denn diesem, das Rechte und Richtige nur in den obern, in den untern Ständen dagegen nur Dummheit und Rohheit vorauszusetzen? Und wie nahe läge es unfern praktischen Mißtrauersvotanten, jenen humanen Theoretikern zu erwidern, daß in dieser Sache diejenigen ganz schweigen sollten, welche vermöge ihrer Verhältnisse nur etwa manchmal mit gebildeten Israeliten zu thun haben, von den eigentlich ächten Juden aber gar nichts aus Erfahrung wissen. -die man mur auf dem Lande recht kennen zu lernen die leidige Gelegenheit habe. In der gleichzeitigen und an den verschiedensten Orten auch so merkwürdig,gleichförmigen Erhebung des Bauern gegen die Feüdallasten wird kein Unbefangener nur ein mstthwilliges, rechtloses Beginnen sehen. Der auch.hieher paffende Ausdruck eines Zeitgenossen vom alten Bauernkrieg, die Leute haben sich zusammengerottet „wie dlt Bienen, wenn sie stoßen,^ weist treffend auf eine Naturgewalt, gleichsam auf einen geschichtlichen Instinkt, hm. . (Beschluß folgt.) Ueber den allerheiligsten Nameü und dessen Bokalisation. Gegen die Behandlung dieses Gegenstandes im Literaturblatt zum Orient (Jahrg. 1846 Nr. 1 bis 6). Von L. Skreinka. (Fortsetzung.) Dennoch bewahrt der Geist der Gesetzmäßigkeit im Allgemeinen sein waltendes Recht. Er erhebt jedes Wort in seiner vollendeten Gestaltung zu einem wohlgeordneten Ganzen, das mit seinem Gepräge auch seine Bedeutsamkeit verliert, und läßt am wenigsten jene Verschmelzungen, Auswüchse und Mutationen zur Herrschaft kommen, welche nichts Anderes, als ein leeres Spiel der Laute abgeben sollen. Eine besondere Rücksicht heischt der Urcharakter des Sprachsystems, wenn wir die Vermuthung über ein ganz bedeutungsloses Spiel der Laute geltend machen wollen; damit wir doch das Gebiet kennen, in dem es sich geltend machen darf. Denn jemchr Bedeutsamkeit der Umtautung nach dem herrschenden Geist der Sprache bei ihrer Ausbildung erngeräumt worden ist, desto weniger Spielraum ist ihr zugestanden für das leere Spiel. Jndeß nun der Chinese von der Einseitigkeit seines allzu analytischen Fügungssystems so sehr zur Häufung der Wurzeln bemüssiget ist, daß nicht nur die feinste Nuance des Vokals, sondern auch der Ton des Wortes

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