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Der Orient · 1848-07-01 · Heft 27 (1.7.1848) · p. Seite 215

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 27 (1.7.1848)
Date
1848-07-01
Page
Seite 215 (sequence 13)
Language
German
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verdient auch eine Palme. Möge sie wenigstens unsere Gräber umschatten und unsere Enkel kühlen! Leipzig, 23. Juni. Sardin ien hat die Juden emancipirt. H annover hat durch das Organ seiner Kammern sich für die Emancipation der Juden ausgesprochen. —- Die Inden in Prag sind durch die letzten traurigen Ereignisse sehr verarmt. —. Dr. E. F. Vogel hat vom Kaiser von Rußland den Kosackenorden erhalten, weil er sich so roh gegen die Inden benimmt. — Die Römer wollen den Pabst zur Emancipation der Juden zwingen. Die Katholiken scheinen doch gar nicht aufgeklärt zu sein. — In Pesth grassirt das Reform- Fieber. Jil einer aufgeregten Zeit hat man nie religiöse Reformen vorgenommen. Die Grundlage jeder religiösen Reform ist der Friede. — Viele Juden in Posen siedeln nach andern Gegenden Preußens über. — Die Auswanderungen nach Amerika von Seite der österreichischen Juden nimmt sehr zu. — Oesterreich. Wroby, im Juni. Auch hier werden von Seiten der jüdischen Bürger — denn als selche können wir sie unter Oesterreichs neu anfgegangencr Sonne der Freiheit und Gleichheit mit Recht betrachten — die Wahlen zum bevorstehende!! konstituirenden' Reichstag in Wien'mit Energie betrieben, und sollte die liberale, oder wenn Sie es wollen, die radikale Partei die Oberhand gewinnen, so wird unstreitig Herr Prediger M a n n h c i in e r in Wien als Deputirter gewählt werden, der hier auch für sich die größte Aussicht hat. Die hiesigen Orthodoxen, oder da man heut zu Tage jeder Partei eine politische Farbe geben muß, die Konservativen , denen die Persönlichkeit des Hrn. Mannheimer Besorgnisse und religiöse Skrupel einzuflößcn scheint, suchten durch Aufstellung eines ihrer Mitglieder als Kandidaten die Wahl des Hrn. M. zu hintertreiben, was ihnen aber durch eine Volksdemonstration mißlang, indem jener Kandidat der Ehre der alten Staatsmänner Wiens und Berlins theilhastig wurde, vor seiner Wohnung eine Katzenmusik anzuhören. Es beginnt seit den Märztagen sich hier für das allgemein Politische lebhaft intercssirendes Gefühl zu regen, hier und da gepaart mit tüchtiger' Gesinnung unter dem hiesigen jüdischen Publikum zu manifcstiren, und die kräftige Thätigkcit der hiesigen Vorsteher und Ausschußmänner in allen Arten/ des städtischen Stadtlebens/ wie auch die Bereitwilligkeit mit der man allgemein die Bildung von drei Kompagnien Nationalgarde vorgenommen, liefert thatsächlich den Beleg, daß trotz der falschen wiederanfgetanchtcn Behauptung der judenfeindlichen Partei, der Jude nie isolirt dastehm will in in dem regenerirten Staä'töteben, und eS für feine heilige Pflicht stets erachtet dem allgemeinen Besten zu dienen und mit zur Befreiung der! vom mittelalterlichem Joche niedergedrückten Menschheit Gut und Blut auf dem Altar der Oeffentlichkeit zu opfern. v * M..8. Krakau, 15. Juni. Die Wahlen zum wiener Reichstag sind beendigt, und im Ganzen sind vier Deputirte, sämmtlich Polen, für Krakau gewählt. Der hiesige Rabbiner Meise l, der mit ans der Kandidatenliste stand, ist dnrchgefallen, da er nur wenige.Stimmen für sich gewinnen konnte, welches uns gar nicht befremdet, da Mi. trotz seiner warmen Anhänglichkeit an die Sache der Polen, wodurch er sich bei ihnen große Achtung erwarb, aller einem dieLandesintercssen vertretenden Individuum nöthigen Capaeität ermangelt. —■ Es scheint freilich etwas sonderbar, wie so kontra stirend gegen einander die Gesinnungen der hiesigen und der pesener Inden sind, was ans dem ,,Aufruf" der ersteren (Nr. 23 d. Z.) und ,,Antwort" der letztem (Nr. 24 das.) hervorgeht. Allein abgesehen von den im Herzogthnm Posen an die Inden verübten Gräuelthaten von Seiten Polens, (welche Feindseligkeiten eine Folge der genährten gegenseitigen Parteileidenschaften und der sich abstoßenden slawischen und deutschen Elemente sind), könnte man auch durch richtige Würdigung der verschiedenen politischen Lagen und Zustande der krakauer und posener Juden dieses Problem zu löscu im Stande sein. Der Jude in Oesterreich und in Galizien besonders, ist, vermöge seiner so gedrückten und knechtischen politischen Lage liberal gesinnt, und mit ,fcem freudigen Gefühle eines im Kerker schmachtenden Gefangenen begrüßt er jeden freien Aufschwung eines sich verjüngenden sreiwerdcndeu Volkes. Es ist daher gar nicht zu verwundern, wenn die krakauer Juden so sehr mit den Polen fraternisiren und mit Leib und Seele sich ihrer gerechten Sache hingebcn, da sie von denselben die Verwirklichung ihrer in Frankreich seit 30 Jahren emstudirten heiligen Trias ,,allgemeine Freiheit, Gteichhcit, Bruderliebe" mit einiger Zuversicht hoffen und erwarten. Dabei kommt noch hinzu, daß die im Jahre 1846 durch Metternich'sche Politik in Galizien durch Bauern an polnische Edellente verübten Gräuelseenen, wie auch die Besetzung des krakanischen Gebietes durch österreichische Trnppcn, wodurch -Krakau statt aller bisherigen republikanischen Privilegien nur Stenern und eine Masse drückender Lasten erhielt, welches alles auf Handel und. Gewerbe nur nachtheilig iufluiren und natürlich den Juden nicht zu gute kommen konnte, und nur dazu beitrug Oesterreich und seine Camarilla bei ihnen misliebig zu machen. Ganz entgegengesetzt ist es aber bei den posener Juden der Fall. Unter Preußens milderem Seepter waren sie nicht so politisch gedrückt als ihre Brüder in Oesterreich und Rußland, und ungeachtet sie vieler Menschenrechte beraubt gewesen, fühlten sie sich doch behaglicher und einheimischer unter ihren deutschen Brüdern, deren Sprache und Kultur, Gewohnheiten und

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