Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1848)
- Date
- 1848-07-01
- Page
- Seite 216 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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W-- - 216 Sitten sie in -sich' ausgenommen, und in Germania gewissermaßen ein Vaterland erblickten und der Hoffnung lebten in demselben nach und'nach naturalifirt und endlich auch der Emanzipation theilhaftig zu werden. Von diesem Standpunkte aus sind also die divergirenden politischen Gesinnungen der posener und krakauer Juden zu beurthellen und zu würdigen, und zweifeln wir auch nicht, daß bei der in Aussicht stehenden nahen Ertheilung der Jüdenemaneipation auf dem wiener Reichstag, mtchdie galizische und krankauer Judenheit. dem österr. Hause sich in Liebe und patriotischer Aufopferung hingeben und alle ihre noch schlummernden materiellen und intellektuellen Kräfte bereitwillig aufbieten werden zum Heile des österreichischen Staates, denn Dankbarkeit und Treue sind Kardinaltugenden der Juden.. Fab ins. Krvdy, 13. Juni. In unserer sonst so friedlichen Und ruhigen Stadt ging es gestern Abends sehr stmnnsch zu, und Blut ist geflossen! 3 Juden wurden getodtet und einige verwundet. Glauben Sie etwa, dies war in Folge einer heut zu .Tage, üblichen VolkSdemvnstration entstanden und wollen schon ausrufen: Alles wie bei uns? Bewahret Es war hier ein ganz eigener Fall, und denken S.ie sich aus purer Güte und Barmherzigkeit (von jeher die Tugenden von pnN) hat man Juden erschossen! Wollen Sie sich dieses Wunder unserer von Wundern strotzenden Zeit erklären lassen, so hören Sie folgendes: Ein besoffener Soldat schlagt sich'mit einem Bauer in einer Schenkstnbe herum, wobei letzterer-arg gemlöhandelt und erbärmlich zugerichtet wurde. Der Streit blieb nicht im engen Raume beschränkt, sondern ging auch auf die offene Straße über, wo sich eine Menschenmasse, größtenteils Juden, versammelte, die der unmenschlichen Mißhandlung des armen Bauers nicht gleichgültig zusehen konnte, und forderte gütlich den Soldaten, auf, seinen Besiegten endlich loszulaffen, da er sich aber weigerte, von dieser Ermahnung Gebrauch zu machen, so ergriffen ihn die Umstehenden, nicht um gegen ihn Repressalien zu üben, sondern um den ' beinahe athemlos liegenden Bauer zu befreien. Inzwischen eilte ein Trupp Militär heran, deren Osfieier Mir nichts dir nichts ans die unbewaffnete Menge feuern ließ, wobei vier Menschen incl. ein Christ erschossen und einige schwervcrwundet darnieder liegen. Zum Glück rückte eine zweite größere Abthcilung heran, die auf Befehl ihres Oberstleutnants den Ofsieier nebst Korps arretirtc, die Menge gütlich zerstreuete und die Ruhe wiederhcrstellte. Die Sache konnte weit schlinnner äblanfen, wenn die Rationalgarde von den Waffen .Gebrauch gewacht hätte, und ein Blutbad zwischen Volk und Militär wäre unvermeidlich gewesen. M.s. Verlag von C. L. Fritzsche. Des Juden Vaterland. Was ist des Juden Vaterland? Ist es des. Rheins, der Elbe Strand? Jfr's England, das das Meer umbraust? Jst's wo des Czaaren Wille, haust? Was ist des Juden Vaterland? Ist es der Wüste Sonnenbrand? Ist es des Jordans Blumenthal? Ist es Äthiopiens Flammenqual? Was ist des Juden Vaterland? — Das Land, worin er Wohnung fand? Worin für Geld und Goldes Muss' Ihm Druck,entgcgenkommt und Haß? Ist das des Juden Vaterland, Das ihn ins Judenviertel bannt? Ihn höhnt und schmäht und ihn bedraygt, Und um den Glauben ihn beschränkt? Ist das des Juden Vaterland, Das ihn zum Kammerknecht ernannt? Durch Würfet und durch Judentracht, Zum Hohngelächter ihn gemacht? Ist das des Juden Vaterland, Das ihn erschlug mit Henkershand? Das dummen Klostermahrchen glaubt, Daß Christenkinder er geraubt?' Ist das des Juden Vaterland, Das aus ihn saugt und dann verbannt? Das ihn in toller Glaubenswuth Stürzt in des Scheiterhaufens Gluth? Ist das des Juden Vaterland? >— Sein Kerker ift's, sein Marterland; Ein Vaterland kennt nur der Mann Der frei im Lande wohnen kann. , Was ist des Juden Vaterland? Das Land ist's, drin er Freiheit fand; Das seinen Glauben achret, ehrt. Den Gottesdienst ihm nicht verwehrt. Was ist des Juden Vaterland? Dem Haß und Vorurtheil entschwand; Drin Menschenfreundlichkeit regiert, Gerechtigkeit das Scepter führt. Das ist des Juden Vaterland, Dem Juden Heil, der Solches fand; Dem Lande Heil, das Solches giebt, Von allen Juden sei's geliebt. Das ist des Juden Vaterland! Gewiß ein segensreiches Land! Sei's Königreich, sei's Republik Dem Lande blühet Heil und Glück! Emil Lehmann. Personalchronik und Missellen. Frankfurt a. M. Löwenstein, der unerbittliche Gegner Lehren's, ist Anführer einer republikanischen Parier geworden. Vielleicht führt er in Jerusalem eine Republik ein! Druck von I. H. Nagel.