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Der Orient · 1848-07-01 · Heft 27 (1.7.1848) · p. Seite 213

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 27 (1.7.1848)
Date
1848-07-01
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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JnHaltS wegen eure Vorträge leider.! das. Schicksal der Danälven haben und man in Folge der Zu großen Bürde 'Alles von sich wirst, das Kind mit dem Bade ansschüttet, .ohne daß ihr .es durch eure Jerennaden ändern könnet. — Klammert ferner euch nicht bei Abschaffung mancher Satzungen, welche nur Utopien u. von der Einbildungskraft ersonnen sind, an die hierauf gar nicht bezügliche morsche Stütze: nni 12 ]'m {rinwo n'^d nny) 'Dl non i’2. Gerade dadurch, daß ihr dem Spiele mit-den Schalen (nnoin, üu^d) oder der Emballage der wirklich heiligen Satzungen müßig zusehet und : nicht selbst den eurer geistigen Sorgfalt Anvertrauten weislich jumfct (~on ns pr6 HD?) ,,diese, als zur wesentlichen Religion nicht gehörenden Verbote erlauben wir ausdrücklich, nur wahret den Kern und stoßet ihn nicht cur"; aber dadurch bleiben Kern rmd^Schcrle in einer Kategorie und beide werden vernachlässigt. Veranlasset daher ihr selbst eine große Theologen-Versammlung, ehret den Geist der wissenschaftlich gebildeten, aufgeklärten Rabbiner; ehret euren eigenen gesunden Verband als einen Funken Gottes und lasset euch endlich nicht von den später hinzugekommenen Spitzsindigkeiten und nron, wie von Irrlichtern in feen Schlamm zum Verderben der heiligen Religion führen. Dieser Ausspruch möge euer -Losungswort sein: 'nb ny; ynnn nsn. Run meine Herren Doktoren der Theologie und Rabbinen der bessern Gesinnung, ein Wort zu seiner Zeit: Die dringenden Bedürfnisse des gegenwärtigen Zeitalters genau kennend, durch geeignete Mittel ihnen ge-; nügend zu entsprechen den besten Willen habend, bedürfet ihr in dessen Betreff keines fremden Rathes. , Der,große Psalmist sprach aber dennoch: nbfefeD; TibimH, darum nur ein Wort zu seiner Zeit: durch und in Eintracht und Einigkeit werden die stärksten Festungen erobert. — Reichet daher den ehrwürdigen Rabbinen alten Schlages sreundschaft- -lich die Hand; berathet euch gemeinschaftlich über die zu - edlen Zwecken führenden Mittel und arbeitet mit Vorsicht in dem Weinberge Gottes! Leipzig, 21. Juni. (Ueber die Emaneipation der Juden in Sachsen). Seit einer Reihe von Jahrzehnden bildet die Frage, ob den deutschen Juden dieselben Rechte gewährt werden sollen, welche die christlichen Bewohner des Vaterlandes genießen, eine der wichtigsten Tagesfragen. Daß wir überhaupt hier noch fragen, darüber werden unsere Nachkommen erstaunen; begreifen .me doch heute, nachdem wir seit drei Monaten Preßfreiheit, konstitutionelle Verfassung u. s. w. besitzen, kaum mehr, wie man es hat wagen können, uns das freie Wort zu verbieten, einem Despoten gelingen konnte, das deutsche Volk zu knechten: während vor drei Monaten sehr Viele die Censur für eben so nothwendig, wie das Zuchthaus hielten, während vor drei Monaten gar -Manche, denselben Despoten, den sie jetzt verachten, als.einen „kraftvollen, energischen Mann, der jedenfalls die höchste Achtung verdient," bewunderten. Noch aber fragt man', zu unserer Schande sei es gesagt , ob.die Juden emancipirt werden sollen, so.lange diese Frage noch nicht zu Gunsten unserer unterdrückten Brüder entschieden ist, so lange ist es eines jeden Patrioten Pflicht, seine besten Kräfte dem großen Werke zu weihen: der versteht das Wesen der Freiheit nicht, der da glaubt, ein Land sei frei, wenn auch nur einem einzigen Bewohner desselben seine Menschenrechte unter dem Titel des Gesetzes vor enthalten werden können. Im Mittelalter waren es nur Einzelne, welche die Menschenrechte der Juden verkannten; im Allgemeinen wurden die Juden wohl geduldet, aber man entledigte sich ihrer, so wie man ihrer überdrüssig ward, oder wenn man ihr Geld brauchte, indem man sie todtschlug oder vertrieb. In demselbe Maße aber, in welchem sich Bildung und Kultur vermehrten, wurde auch die Duldung, welche die christlichen Bewohner Deutschlands ihren jüdischen Mitbrüdern angedeihen ließen, allgemeiner, so vaß in der neueren Geschichte nicht mehr zu lesen ist, daß die Juden im Ganzen und Großen aus dem Vaterlande gejagt wurden, und man .in den Lehrbüchern der Geographie, die Hu Anfänge dieses Jahrhunderts erschienen schon bei vielen Ländern lesen konnte: „Juden werden geduldet," oder „12 Mill. Einwohner, 300,000 Juden welche geduldet werden, mit eingerechnet u. s. w. Nachdem aber die europäische Menschheit aus der neueren, in die neueste Geschichte getreten war, wurde die Duldüngsfrage zur Emancipationsfrage; man schloß nämlich sehr einfach: „Sind die Juden Menschen, — und daß sie Menschen sind, das kann wohl nicht geleugnet werden, — so müssen sie auch als solche behandelt, so müssen ihnen ihre Menschenrechte wiedergegeben werden." Dieser einfachste und richtigste aller Schlüffe aber ist noch jetzt Vielen nicht einleuchtend. Andere wollen ihn nicht gelten lassen, weil er ihnen unbequem ist, etwa so, wie unseren'ehemaligen Machthabern die konstitutionelle Verfassung, die Preßfreiheit, das Versammlungsrecht u. s. w. unbequem waren. Diese durch Vernunftgründe überzeugen zu wollen, wäre ein thörichtes Unternehmen, nachdem die Geschichte unserer Tage gelehrt hat, auf welche Weise diesen Menschen Ueberzeugung beizubringen ist; an Euch aber, deutsche Brüder, die Ihr durch die Scheingründe dieser Elenden dahin gebracht worden seid, daß Ihr das himmelschreiende Unrecht, welches bisher gegen die Juden verübt worden ist, fortzusehen gesonnen seid, an Euch wende ich. mich, mit der Bitte, mir Gehör zu schenken und das, was ich Euch sagen werde, zu erwägen uud zu prüfen. Ich spreche frei und offen und mit derjenigen Furchtlosigkeit, welche das Durchdrungensein von der Idee der Freiheit und Gerechtigkeit giebt! Man hat gegen die Emaneipation der Juden eingewendet, sie seien Fremde, welche andere Sitten, andere Gewohnheiten, andere Gebräuche haben, als wir. Brüder, seid unparteiisch, machet Euch los von den Dorurtheilen, welche

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