Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1848)
- Date
- 1848-07-01
- Page
- Seite 212 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 212 Frage, "die ich von dergleichen Zenten fo gerne beantwortet haben mochte". Ob Spaldings Worte nicht auch 'fnr unsere Zeit gesprochen sind, wer könnte dieses verneineil? Wir aber wollen darin eine gerechte Ausnahme machen, und es also unumwunden sagen, daß rn unserm ohnehin sehr schwachgläubigen Zeitalter es 'wahrhaft nvthig sei, daß die junge Generation von diesen nie fruchtbringenden Jkeeu abgehalten werde, und 'wenn auch nicht, was wir keineswegs wollen, pietistisch doch wenigstens srommglänbig werde. Dieses kann aber wahrhaftig nie und nimmer der Fall sein, wenn wir unsere Kinder schon so früh auf solche Plätze hinlasftn, wo die Religion einen allzufreien Charakter angenommen, und sich ein Jeder über sie wie über politische Dinge unterhält, und seine Meinungen, sind sie auch noch so beschränkt und Lornirt, als maßgebend aufstellt. Wozu fragen wir nun aber kann und muß dieses führen? Gewiß zu einer recht frühzeitigen Verachtung alles Heiligen 'und Ehrwürdigen, zu einer Geringschätzung alles Hohem und ceremoniell Hergebrachten. Darin und nirgend anders ist der Grund zu suchen, warM unsere fetzige Jugend, selbst unter den niedrigsten und rohesten 'Ständen nur sarkastisch und hohn lächelnd von der Religion spricht, und was eine schlnßgcrechte Folge hiervon ist, daß sie in ihrem sonstigen Lebenswandel nicht das ethische Prinzip hervoeschen läßt. Rur wenn wir unsere Kinder wahrhaft fromm und somit auch wahrhaft tugendhaft erziehen, werden wir auch wahrhaft fromme und tugendhafte Jünglinge und wahrhaft fromme und wahrhaft tugendhafte Männer bekommen, die des Daseins hochstell Ruhm darin finden werden, daß sie stets leben für die Ehre, für das Vaterland, für den Nebenmenschen, für Gott. I. S. Th. * ÄNs dem Großheezogthume Posen, 14. März. (Verspätet.) Schwere, finstere Gewitterwolken, Verderben und Unheil drohend, ziehen sich über unsereln Horizonte zusammen; ein gefährlicher Orkan ist im Anzuge — Flüsse würden aus ihren Usern getrieben imb fruchtbare Felder überschwemmt werden. Darum Vorsichtsmaßregeln l Aber nicht die Gefahren der Elektrizität-Entladung, der Felder- und Wiesen-Ueberschwemmung, denen Blitzableiter und mächtige Dämme gewissermaßen die Spitze bieten und welche doch nur einzelnen Gegenden Unheil bringen können, sind, welche durchgreifende Vorsichtsmaßregeln erheischen; nein, weit gefährlichere Elemente .drohen Zerstörung, und zwar größere Zerstörung, denn '*) Verfasser dieses Aufsatzes har ihn zuerst für ein allge-. meines Blatt bestimmt, nach reiflicherer Ueberlegung aber gefunden, daß die besprochenen Mängel in der Erziehung namentlich bei unfern Glaubensgenossen im hohen Grade Vorkommen, und deshalb diese Zeilen dem geschätzten Hrn. Redakteur des Orient zur Aufnahme in seine Zeitschrift zugesandt. eines vergänglichen. Eigenthmns harret unsere ganze Zeit. Denn Donnerwetter durch Anhäufung leicht zündender, der Religion schädlichen Stoffe, für den heiligen mosaischen Glauben tödtliche Orkane, durch Vernachlässigung des Gleichgewichts in den verschiedenen Satzungen erzeugt, diese wüthen in der Atmosphäre dieses! Zeitgeistes und drohen Zerstörung, Zerstörung der heiligen Religion l Au dreien liegt's aber, diesen Gefahxen noch vor dem gänzlichen Umsichgreifen präventiv entgegenzuarbeiten; darum Ein Wort zu seiner Zeit. Vor altem wende ich mich mit offenem Herzen zu euch, liebe Brüder neuen Schlagest Jeder wirklich Gebildete und diejenigen, welche auf Bildung Anspruch zu machen sich berechtigt glauben, werden wohl dem gefühlten Bedürfnisse und sich ergebenden Resultate des eigenen Forschens zufolge, manches in der.Religion für überflüssig, für überladen-Erachtete heimlich oder öffentlich abgelegt haben, oder wenigstens den Wunsch hegen, solches abstrcifen zu können. — Gleichwohl ist's wegen der großen Schwierigkeit der Grenzbestimmung ans dem heiligen Territorium der Religion selten noch Jemandem gelungen, sich das Gewissen verwahrend, sagen zu können, die Grenzsteine desselben nicht zu weit hinauögerückt zu haben; da es nur Sache derer, der theologisch-wissenschaftlichen Bildung sich widmendet:, in dieser Wissenschaft als Sterne erster Größe dastehenden Gelehrten ist, über solche religiöse Streitigkeiten zu entscheiden. Um also diesem ließet je eher je lieber abznhelfen, rufe ich euch, iheure Brüder rathend zu: Beranlaffet eine Theotogen-Versammlnng, woran auch aufgeklärtere Rabbiner alten Schlages theilnehmen möchten, um die jj nothwendigen Abänderungen und Verschönerungen.'.ju j berathen und festzusetzen. — j Ihr, meine geehrten Herrn Rabbiner alten Schta- 5 ges, lasset euch ein Wort zu feiner Zeit sagen, cs hat jj 12 Uhr Mittags geschlagen!; Die Zeit ist weit, weit hinter uns, wo man be-! seelt und angefeuert von der Hypothese:?on TDtlDn ho 5 HITD Satzungell ans Satzungen sich aufbürden ließ, | ohne nach der Autorität ihrer Sanktion zu fragen; da- I hin ist die Zeit der Finsterniß, wo man alle herzerhejj benden, Lei andern Konfessionen cmgcführten Cercmo- | men, deren Verbot gar keinen Grund und Boden in ß unserer heiligen Religion hat, nur wegen : nprD Dbn | DW wie Pest scheuet, ohne der Frage Raum zu geben, 1 warum beispielweise nttmp und andere bei den Heiden j; schon früher eingeführten Ceremonicn, als milD befohlen | waren und ohne ferner zu erwägen,^ daß man in der? Regel unter pn keine dem G esüht e, dem Verstände! und dem Z ei tg eiste entsprechenden Sitten versteht, s weswegen es auch nicht N1LQ 1^))N nV heißt. — \ Der Zeitpunkt ist aber schon lange da, wo deö