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Der Orient · 1848-06-24 · Heft 26 (24.6.1848) · p. Seite 206

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 26 (24.6.1848)
Date
1848-06-24
Page
Seite 206 (sequence 11)
Language
German
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206 fern großen Namen noch beueideliswerth? Ihr Israeliten fasset in Euch das ganze Alterthum, was es Heiliges und Großes besitzt! Ihr Italiener stellet die neuere Bildung, viermal über die weite Erde verbreitet, dar! Wer von -Euch will den -Ruhm des Kapitols mit dem des Horebs vergleichen? Häupter der menschlichen Kenntnisse, wer von Euch beugt nicht sein Haupt vor der menschlichen und göttlichen Herrlichkeit, vor dem gewaltigen Namen eines Moses und eines Dante? Dem Löwen! Jehudas und dem Adler des Kapitols, wer wird es wagen, sich thörichtcr Weise widersetzen zu wollen. Italiener l Israeliten! zeiget Euch dieses doppelten Ruhmes würdig. Ist dieses nicht der Boden, auf dem wir den ersten Athem deS Lebens einsaugten? ist dies nicht das Land, das unS als Kinder versammelte, uns an. seinem Busen ernährte, mit seiner glänzenden Sonne uns erwärmte? Und die Sprache, ist es nicht diejenige, welche in der sanftesten Mnndart auf eueren Lippen täglich ertönt? Ur^d die. Empfindungen des Vaters, des Gatten, des Sohnes, binden sie Euch nicht an dieses Land? Und wenn in der heiligen Erde Jerusalems die verehrten Gebeine Eurer Vorfahren ruhen, vereinigen vielleicht diese italienischen Schollen nicht die noch warme, noch rauchende Asche des Vaters, des Bruders, des Sohnes? Und ist dies nicht das Land, in welchem unsere aus Jberien vertriebenen Väter Ruhe für ihr müdes Haupt suchten und fanden?" Ms die Rede zu Ende war, riesen die anwesenden Christen mit Begeisterung aus: ,, Es leben unsere israelitischen Brüder, es lebe ihre Emanzipation!" Die Israeliten ihrerseits riefen: „Es (eben unsere christlichen Brüder, es lebe PiuS IX! lebe die italienische Unabhängigkeit! es lebe Leopold der Zweite!" Und von der Bewegung' dieses feierlichen Augenblicks hingerissen, sprach der Redner unter dem lebhaftesten Applaus: „Dieser Freüdeuruf, der ans Euren Herzen hcrvorbricht, steigt wie ein angenehmer Dust' zum Throne des Allmächtigen. Denn wenn der Tempel Gottes heilig ist, so ist auch heilig das Werk deS veredelnden Priesters, heilig das Werk Leopold des Toskauers, heilig die Befreiung und Erhebung der Volker. „ Es lebe also Piu§ IX, der Hohepriester! Es lebe Leopold II, cs lebe die Freiheit, die Einheit, die italienische Unabhängigkeit." So weit der. junge Redner. -— Und mm, um der Wichtigkeit des Gegenstandes gleichznkommen, wünschte ich nur einen Augenblick mich selbst und Andere täuschen zu können, und einen von jenen Namen'annehmen, welche plötzlich die Waage der öffentliche!: Meinung auf eine Seite Ziehen, und durch die sanften Wege der Hingebung, plötzlich wie ein elektrischer Schlag, die Meinung eines Einzelnen mehreren'tausend Herzen mittheilen! — Ich möchte dann laut die Cmaneipation der Israeliten verlängern von den toskanischen Oekonomeu im Namen der freien Konkurrenz, von den Philosophen im Namen der Bildung , die uns Alle gleich haben will; von. den Politikern im Namen der Nvthwendigkeit, da wir einerseits die öffentliche Meinungmit so vieler Kraft, so vieler Entschiedenheit, so vieler Beharrlichkeit sich aussprechen hören, awdererftits die Nation selbst, durch Bildung , Kultur, für uns nachahmungswürdige Institute des öffentlichen Unterrichts und der Wohlthätigkeit, endlich durch thätige Vaterlandsliebe, die allgemeine Achtung und Sympathie gewinnen sehen. Den Liberalen werde ich sagen: Haben sich vielleicht die Israeliten nicht zu Gunsten Eurer Sache ausgezeichnet? starben nicht welche von ihnen für das nie genug betrauerte Polen? Den Aengstlichen unter meinen Katholiken, wenn wirklich Glanbensfromme unter ihnen sind, würde ich sagen: „Einer jener Heiligen, die unsere heilige Religion am Meisten ehrt, Gniseppe Kalasanzio, erzeigte schon vor beinahe drei Jahrhunderten den Juden die nämliche'Verehrung, welche die Großen der Erde ihm bezeigten; ec verabscheuete die Mishandlungen, welche die Jünger des Gottes der Liebe gegen sie ausübten, und nahm zwanzig jüdische Kinder an, um sie zu erziehen." Möge übrigens die Gerechtigkeit mit ihrem unerbittlichen Urtheite erwägen, ob es diese Emanzipation ertheiten soll oder nicht. — Wir aber, nicht aus stolzer Herablassung, nicht aus Mitleid oder aus feiger Nachgiebigkeit, sondern aus freiem Herzenstriebe, bekennen vor Gott und unserm Vaterlande eine vollständige Verbrüderung mit jener Nation. Denn, wenn, während wir Toskaner in einer unüberwindlichen Phalanx von Wonne und Frieden geordnet, mit unserm theuern Fürsten auf dem Wege des Bessern fortschreiten, ein Einziger von uns es wagen sollte, die Hand zurückzuziehen, weil derjenige, der sich ihm zugesellen wollte, cm Israelit ist, so werden wir zu ihm sagen: Gehe du lieber aus unserer Mitte, .du gehörst nicht zu den Unsrigen, gehörst nicht in dieses Jahrhundert, du dienst einem andern Geiste, du bist kein Christ. Polen und Rußland. Petersburg, im Mai. Laut Journal des Ministers des' Innern übermache ich Ihnen nachstehende statistische Notizen: Bis zum 1. Januar 184? betrug die Zahl der rechtgläubigen (russisch-griechischen) Kirche angehörenden Individuen beiderlei Geschlechts 8,830,253. Darunter waren: 1) Römisch-katholisch 2,669,929. 2) Armenisch-katholisch'19,998. 3) Armenisch-gregorianisch 364,236. 4) Lutherisch 1,756,763. 5) Reformirtc 14,361. 6) Jmd cn 1,188,646. 7) Muhammedaner 2,322,021. 8) Lammten 224,548. 9) Schamanen und andere Fetischanbcter 169,749. Summa: 8,830,253. Die genannten Religionsbekenntnisse besaßen mit Ausschluß der Kloster 1.1,432 Kirchen , Tempel, Kapellen, Moscheen, Synagogen und Bethäuse**

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