Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-06-24 · Heft 26 (24.6.1848) · p. Seite 204

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 26 (24.6.1848)
Date
1848-06-24
Page
Seite 204 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360526-2360553--6446-3534234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

204 ist , aber aus all dm niederziehenden und hemmenden Lasten sich hervorarbetten^ und dem Bilde einer Mnstergemeinde immer näher rücker:d, sich eine geistige Bedelltung zu verschaffen weiß. Sehet dort, was es zu be-' deuten habe, wenn .ein edler Humaner Geist unter dem Volke wandelt. Vor nicht gar langer Zeit bekamen sie ihren Rabbiner: Duschak, und ich bitte Euch , sehet genau wie der Keim einer sorgfältigen Geistespflege nicht lange ausbleibt. 24 Stunden weilte ich in Eurer Mitte und hatte nichts als kleinmüthiges Geschwätz und dumme Kritiken über Weltbegebenheiten zu hören. Der erste Blick in einen Familienkreis zu Austerlitz, ließ mich den im Verborgenen thätigen Geist nicht verkennen. Folgendes, las ich, schreibt ein schlichter Geschäftsmann an seinen Freund in Ungarn: „Bei uns ist Ruhe und Einige glauben es wird sehr gut werden, und einige glauben es wäre besser wenn es beim Alten geblieben wäre. Meine Meinung ist: zurück können wir nicht und sollen wir auch nicht, also müssen wir uns gefaßt machen vorwärts zu schreiten, und wenn auch mit Kamps und Schrecken und Verlust. Wir sind verpflichtet für unsere Nachkommen zu streiten: denn wenn wir Menschen erzeugen, so sollen.wir ihnen auch Menschenrechte zu verschaffen suchen." Eine solche Gesinnuilgstüchtigkeit kommt einen: Abkömmling der Makkabäer wohl zu. Doch zu dieser gelaugt.Zhr nicht an der Spinnmaschine bei Eurer unterirdischen Bastitle, bei Eurer Predigt. —- Verzeiht mir wenn ich bitter war. Ich rede in der reinsten Absicht zu Euch. Suchet in Euch den unter dem elendesten Trödel vergrabenen Menschen hervor, nähret und laßt nähren in Euch den Sinn für das Edlere und Bessere im Leben , nur dann werdet Ihr stark werden. Denn glaubet mir, Ihr habt der Stärke gar nothwendig, den noch großen uns bevorstehenden Kampf zu bestehen. .P re rau, den 15. Mai 1848. Dr. W. Grün. I t a l i e n. Italienische Grenze, 21.April. Die Christen und die Israeliten in Livorno im September 1847. (Nach dem Italienischen des Dr. Stanislao Blaneiardi). Mehre junge Israeliten wollten den Bewohntt'u des Stadtheiles La Venezia einen feierlichen Beweis brüderlicher Liebe geben, für die wiederholten Proben von Anhänglichkeit, die sie in letzterer Zeit von ihnen erhalten hatten, und beschlossen daher, ihnen drei prächtige seidene Fahnen als Ehrengeschenk zu überreichen; die eine'weiß-und gelb, mit dem Motto: Viva Fio IX Eigeneratore (Es lebe Pius IX der Wiederhersteller). Die zweite weiß und Roth, mit dem Motto: Viva Leopoldo il Principe Riformatore (@3 lebd Fürst Leopold der Umbildner.) — Die dritte weiß, roth und grün, mit den in-Gold gestickten Worten: Unione e Indipendenza (Einheit und Unabhängigkeit). Der Tag des 7» September wurde zur Zeremonie der feierlichen Uebergabe jener Fahnen bestimmt. Am Nachmittage fanden sich-aus der Piazzetta St. Leopold einige tausend Menschen von beiden Konfessionen in jeweiligen Abteilungen von 8 Personen, in Reihen aufgestellt, ein, welche sich der ihnen mit allen flatternden Fahnen ihres Quartiers und ihren eigenen Trommeln entgegenkommenden Deputation der Venezianer anreiheten, worauf sie mit einander weiterzogen. Voran die Militairmnsik, die ihre Dienste unentgcldlich leistete, dam: die Deputation der Israeliten, bestehend aus den HH. Adv. Luigi Giera, Adv.' Bianchetti, Ritter G. Levi, David Busnach u. Ä. m., worauf die Deputation der Venezianer mir den Fahnen ihkes Viertels selbst folgte, und hinter dieser trugen Israeliten die drei Fahnen. Der Zug wurde von den sehr schön geordneten Abteilungen beschlossen, die immer mehr an Zahl Zunahmen. Der lange Zug verbreitete sich in der Via del Casone, vor der Hauptwache präsentirte das aufgestellte Militär das Gewehr, und über die Via del Porticciolo, am Fuße der Brücke die Venezia angelangt, erfreute sie auch der Klang der Glocken von den nahen Kirchen. Ans dem Platze bestiegen die beiden Deputationen eine Tribüne, von wo aus Hr. Busnach vor mehreren tarrsend Menschen, alle mit unbedecktem Haupte, folgende Worte sprach: ,, Livorneser! Die Liebe zum Vaterland, die Gesittung, die Ordnung und die brüderliche Vertraulichkeit, wovon Ihr in diesen ersten Tagen italienischen Lebens vortreffliche Probe abgelegt habt, haben die Bewunderung unserer ganzen Stadt erregt. Wir .sind Euch die Dolmetscher sehr ,vieler Eurer Bruder, welche das Bedürfniß fühlen, Euch klar und öffentlich ihre Achtung, ihr Zutrauen und ihre Liebe zu bezeugen. Sie wissen Euch keine bessere und würdigere Zeichen ihrer Gesinnung zu geben, als indem sic Euch diese heiligen Fahnen reichen und anvertraueu, in welchen die treuesten und stärksten Hoffnungen unseres Italiens sinnbildlich dargestellt sind. Ihr werdet sie annehmen und würdigen; Ihr werdet sie zu hüten wissen, sie vertheidigen mit jedem Opfer an Habe und Gut, dem Leben selbst, und mit der Gewalt jener hohen Tugenden, welche nur die Vaterlandsliebe einzuflößen vermag. — Wir werden uns mit Euch vereinigen und im Leben und im Tode einig für die italienische Wiedergeburt, die so wunderbar gediehen ist, Zusammenwirken." Kaum hatte'Hr. Busnach geendigt , als lebhafter einstimmiger Beifallsruf sich von der ganzen Menge anhaltend lange vernehmen ließ. Alle, wie ein Mann, riefen Tausende von Vivats, forderten die Emancipation

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.