Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1848)
- Date
- 1848-06-24
- Page
- Seite 203 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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203 — und Hochachtung Aller sich erfreuend, nnt seinen dem Zeitgeiste angemessenen freie n Vorträgen, in gediegener kräftiger rem deutscher Sprache auf die Zuhörer wohlthätig einwirkt. - Was in den Hauptzügen der Möralität hiesiger jüd. Gemeinde die Krone aufseht, ist,'daß Menschenliebe und Wohlthätigkeitssinn bei Vielen mit einander sraternisiren. — Das in Geld- oder sonstige Verlegenheit versetzte hiesige Gemeinde- Mitglied kann , so weit es die Umstände nur zulässig machen, fast mit Bestimmtheit auf die in Anspruch genommene Gefälligkeit und der Arme — auf Wohlthätigkeit rechnen. — Auch mit vereinten Kräften wird hier für Wohlthätigkeiten Vieles gethan. So sind hier 4 Vereine, welche alle wohlthätige Zwecke verfolgen, als: ■' 1) Frommer Verein, (Chebra Kaddischa) zu welchem sammtliche Gem.-Mitglieder gehören. - Dieser hat zum Zwecke: Verpflegung der armen Kranken (das wahre Bikkur Cholim), Nachtwachen (Mischmorot) bei allen bedenklich Kranken und Beerdigung der Lobten. 2) Frauen-Verein, welcher eben solche Wohtthätigkeitcn zum Zwecke und alle Frauen der Gemeinde zu Mitgliedern hat. 3) Jünglings-Verein, welcher sich religiöse Vorträge vom hiesigen Rabbiner halten läßt und von seinen Mitteln Kinder armer Eltern bekleidet und 6) Mädchen-Verein, welcher mit der Bekleidung armer Mädchen noch diese Wohlthätigkeit verbindet, armen oder unbemittelten heiraihenden Mädchen dieses Vereines eine Unterstützung von 10 Thlrn. angedeihen zu Lassen, Möge ihnen Gott ferner verleihen Kraft und Gedeihen. L-n. Oesterreich. Bntschswitz, im Mai. (Schluß.) Zentnerschwer lag es auf meinem Gehirne, ich glaubte mich hundert Klafter tief unter der Erde, m den Kasematten wo in einem Mahrchen der Böse die Wahrheit und alle guten Geister gefangen hält, die katzenartigen Löwen grinseten mich an und der eine schien auf daö Geb. tt&yn &h als die hier für nichts geachtete Entweihung des göttlichen Namens, der andere auf drb als den hier ertaubten Geistesmord höhnisch hinzndeuten. Mir grauete vor dem Adler, der auf mich losznstürzcn und mir das Herz aus dem Leibe zu reißen drohete. Ich riß mich los, und. wie von den Furien gejagt eilte ich nach Hanfe, wo meine Seele lange weinte und trauerte über die Menschen, die die heiligen Gesetze in den Tatzen katzenartiger Löwen, und das beständige Licht der Wahrheit in den Krallen eines Raubvogels lassen. —- Klagen Sie mich nicht, meine fr. Leser, der'Ueberspannung und der Uebcrtrcibung an, wer das Kolossale jeder Art-gesehen,-kann nicht tu den Schranken gewöhnlicher Gemj'lths- und GeisteSstiunnnng bleiben und .gewiß auch Ihr Gefühl würde sich gewaltig dagegen sträuben, wenn Sie sehen würden iw.welchen Händen hier und da noch unsere Brüder sich befinden, unsere Brüder, die der .Aufklärung und der edlern Bildung eben so fähig sind, als sie gern einer höhern Civitisation nachstrebcn, wenn ihnen nur in geringsten nachgeholfen wird. — Mit Ihnen hätte ich weiter nichts abzumachen. Prüfen Sie und urtheilen Sie! — Aber Euch Ihr Häupter der Gemeinde Butfchowitz! Euch Ihr kteindenkenden Negotianten, Ihr prahlenden Familianten, und Ihr dummaufgeblasenen Fabrikanten, Euch klage ich vor dem Geiste des 19. Jahrhunderts an, womit könnt Ihr diese Kälte und diese Gleichgültigkeit gegen alles Edle und Heilige rechtfertigen? Wie wollt Ihr es verantworten, daß während Eure Wohnungen -nach den Launen des Lnrns (denn wahrer Kunstgeschmack geht Euch ab) zehnmal sich nmgcstalten und Eure Kleidung alle Phasen der Mode durchwandern, Ihr das Gotteshaus und den Gottesdienst, wo und in welchem Ihr über diesen öden Wechsel Euch erheben und zum Bewußtsein Euerer höhern Alllage und Bestimmung gelangen solltet, verwahrlosen , in den Händen der Unwissenheit entstellen und so zum Gelächter Eurer Gesellen werden lasset? Wenn Ihr die zweckmäßigere Einrichtung und die Verbesserung Eurer Maschinen Euch so nahe ans Herz gehen lasset, und jede neue Erfindung aufgreifet und sie ohne Berücksichtigung ihres Kostenaufwandes ins Werkzu richten trachtet, warum ist in Eurer Mitte noch gar nichts für Werkstätte des Geistes gethan, der Ihr zuvörderst diese himmlischen Einrichtungen zu verdanken habt, und die Euch, wenn anders Euer servile Geist einmal am Ruhetag sein Treibrad verlassen darf, fühlen lassen kann, daß es in der Welt noch viele andere Freuden gicbt, die Ihr noch nicht kennt. Ist .denn um Gottes willen die Welt nur der Maschinen willen und Ihr nur dieserwillen da? Fühlt Ihr denn wirklich gar kein anderes Bedürfnis, und pflegt in Eurem Herzen zu gewissen Stunden sich denn nicht ein Gefühl für das Edlere, Höhere und Göttliche im Leben und in der Natur zu reger:? — Vergebens entgegnet Ihr mir, daß Ihr in der Wett, in die Ihr oft hinaus kommt, schon Ersatz findet, um so^strafwürdiger seid Ihr. Warum benutzt Ihr diese Erfahrung nicht, nnt gut und schön gefundenen Einrichtungen, Eure daheimsitzenden Landsleute zu beglücken? also seid ihr nur Lieurg und Solone für Euer Gewerbe? und wenn Ihr in Wien oder anderswo an der Art Institutionen Euch ergötzet, denkt Ihr da nicht Eurer Frauen, Eurer jungen Söhne rmd Töchter, in deren empfängliches Herz die Geschmacklosigkeiten alle sich tief eingraben, ' sich dann auch ihrem Charakter aufprägcn und nie wieder daraus zu verwischen sind deren zarter Sinn unter dieser Bastille und - .solchen."Predigte;: ersterben und verderben muß. — Sehet aus Austerlitz, Eure Schwester- Gemeinde, die wohl in Geschäftsbernhmtheit unansehnlich 26 *