Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 25 (17.6.1848)
- Date
- 1848-06-17
- Page
- Spalte 397-398 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Studien. Biographische Skizzen. 398 397 rüden gemeint, die «am Ereb Hom Kippur, von Schalom Wien verzehrt wurden. Jedenfalls mag der gelehrte Herr Heß seine. Behauptung noch durch andere Beweise rechtfertigen.) 2. Le sch u b o t Maharil Gutachten, die oftmals .herausgekommen. Einige Gutachten sollen, nach Iechiel im Seder Hadorot, am Ende des. Loledot Haadam von Salomo den Aderet, abgedruckt sein. 3. Ein Komentar zum'Lur Ioreh Deah, wie 4. eine m's Hebräische übertragene Abhandlung über die Gifte und 5. Gedichte sind sammtlich im Manuskript geblieben und letztere auch im Besitze De-Rossi's gewesen.' Jakob Molin gehört einer Zeit an, wenn diese nicht durch ihn und seine Lehrer hervorgerufen, in welcher die .Ausübung Her kleinlichsten Gebräuche, die von ihm oder von.seinen Zeitgenossen mitunter erst erfunden sind, auf die Spitze getrieben wurden. Da gab es keinen synagogalen Brauch, keine häusliche Sitte, welcher nicht der Stempel der Heiligkeit aufgeldrückt und somit die Unverletzlichkeit zugesprochen wurde. Die jHandlungen, Eigenthümlichkeiten, zuweilen das zufällige, absichtslose Thun und Lassen eines verstorbenen Großen wurden als wesentliche Gebräuche ausgenommen, aller Welt vorgeschrieben, und schon deshalb'den Gesetzen gleich geachtet, weil nach diesen ein Brauch nie aufgehoben werden sollte, und . weil die Aufhebung auch des geringsten Brauches gar üble Folgen für Leib und Leben, Wohlfahrt und Seligkeit nach sich zöge. Doch eben diese Ehrfurcht vor dem Alter und lieblichem bewirkte zugleich, daß nur-neue Gebräuche sich Eingang verschaffen konnten, nicht aber alte abgeändert wurden, weil sie in dieser oder jener Gemeinde unter einer andern Gestalt in Kraft gewesen. So kam es, daß verschiedene Pyutim und Selichot ihre Wohnplätze in bestimmten Städten aufgeschlagen, daß man an gewissen Tagen diesen oder jenen Psalm hier gesungen dort nicht gesungen, daß man kleine Ceremonien hier auf diese, dort auf jene Weise in Ausübung brachte; denn auch der kleinlichste Minhag trug das Gepräge der Heiligkeit an sich, und stand da als Hierarch infallible und unverletzlich. So lesen wir Maharil 78a, daß Molin. den Tod seiner Tochter der Einführung einer von Chaflm ben Iizchaß verfaßten Selichah -^non \3N zufchreibr, obschon er einen triftigen Grund Zu dieser Einführung in Regensburg gehabt, da genannter Verfasser dort beerdigt ist., So bereute er sogar in dieser Stadt die Haftara nicht nach der dort üblichen östreichischen, sondern nach der ihm bekannteren rheinländischen Melodie vorgecragen zu haben. Als Schöpfer dieser kleinlichen Kultusbestimmungen kann Jakob ha-Lewi mit größerem Rechte angesehen werden, weil er selber das Vorbeteramt hie und da verwaltete, und" das Vorbcten auch als Rabbiner .nicht ganz aufgab. S. Maharil 876, wo von Hoschana Rabba die Rede ist, und erzählt wird, daß er an dem Morgen, wahrscheinlich schon in Mainz, oorgebetet: y'w bnVjD rvn "W IHM.— Aber auch in Betreff der Speisegesetze und andrer.ähnlicher Satzungen tritt er stets, den Verschärfungen seines Lehrers Schalom Wien bei, und hascht nach allen möglichen Erschwerungen in trüber Stimmung, in düstrer Auffassung und in ängstlicher Besorgnis;. Solche Satzungen und Gebräuche pflegte er.auch zum Gegenstände seiner religiösen Vorträge zu nehmen, deren er drei im Jahre hielt: am Sabbat vor Ostern, vor Neujahr und vor dem Versöhnungsfeste (S. Einl. zu Maharil), außerdem predigte er nie, wenn man überhaupt solche halachische Abhandlungen Predigten nennen kann. Bemerkenswerth ist der'Beginn einer am Sabbat vor Pesach in Worms 1427 gehaltenen Predigt, indem er aus den Anfangsbuchstaben der Worte -nyiQ HN n^D "UT1 mit Fortlassung des rWD folgenden Satz bildete: upy?''bt]). jni° nnyi oy/urn w\nd nyt>in mx nusn:? Mehr als seine stärre Ceremonienklauberei entspricht den Gebildeten jeglicher Zeit sein Benehmen und. Verhalten gegen seine zahlreichen Schüler, die er vor jeder Verfolgung zu schützen sich bestrebte (1-iOa), mit denen ec in einem besondere Hause {92 a) neben dem seiner Frau und Kinder wohnte und zusammen speiste, und denen er an Chol ha-Mood Pesach und Sukkot ein Festmahl gab wegen der im verflogenen Semester jedesmal beendigten zwei Talmudtraktate. Er nahm eine kleine Unterstützung von den Landvorstehern zur Erhaltung dieser Lehranstalt an; außerdem aber vermied er jede Belohnung für feine rabbinische Amtstätigkeit, genoß auch Nichts von dem Hab' und Gut seiner Frau, das zur Mitgift sie eingebracht; sondern suchte sich von Brautwerbungen kümmerlich zu ernähren, zu welchem Behufe er einen ausgebreiteten Briefwechsil führte. Seiner Frau begegnete er nur mit-der größten Zuvorkommenheit , und nannte sie selbst in ihrer Abwesenheit, wenn er zu Andern über sie sprach, mit einer gewissen Achtung. Den Tod seiner zweiten Frau beklagte er besonders in der ihr verfaßten Grabschrist, welche als Akrostichon in den Anfangsbuchstaben seinen NaMen trägt (das. 137 a): rhbry D'D rrnp \ro fs mioy by rb niswi.™3 iDp° üy onyra 'nofiy opnnn nmymwb ■nün . ■ rron° . nnD bni Yno ra pDM mo nyünn _ .nV/y'ri wn föp Vn H3 ty Er that Niemand in den Bann, der zur damaligen Zeit von jeglichem Rabhiner und so oft angewandt wurde, und nur Ein Mal übte er denselben aus gegen des Synagogendieners Sohn, der einen Schüler so sehr beleidigt hatte; aber auch dieser befand sich nur einige Tage im Bann, und wurde von demselben befreit, als er den Rabbiner und den beleidigten Schüler um Verzeihung gebeten Hatte (140a). — Zn seiner und seines Lehrers Zeit entstand in Deutschland der Titel Mo re nu (eine Nachahmung des auf Universitäten in Gebrauch gekommenen Doktor-Titels), der den Gelehrten von einem Rabbinate ertheilt wurde, damit nur sie Trauungen