Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 25 (17.6.1848)
- Date
- 1848-06-17
- Page
- Spalte 393-394 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897534-9897561--5486-3534225- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
393 394 Kritiken. Herzfeld's Geschichte des Volkes Israel. außen so prachtvoll ausgenommen haben - wie S. 241 beschrieben wird? Und soll die ganze Galerie finster gewesen sein? — Schwerlich erkennt man ferner die Anschauung des Vers, in den Worten (S. 238): „Seine innere Mauer war nach der Galerie zu teraffenföcmig eingemndet,..um die obern Vorsprünge derselben zu tragen." — So wird auch außerdem S. 239 die Darstellung, daß „vordem AUerheiligsten, dessen Lhüren stets offen standen" (auch dies wußte nachgewiesen und genauer angegeben sein) ein Vorhang herab hing, wie der Vers, selbst wahrnimmt, manchem Bedenken unterliegen. Es ist ebenso schwierig, mit Sicherheit bestimmen zu wollen, daß die Westseite der Mauer um den Tempel keine Pforte gehabt habe, wenn mall auch dem Vers, zugeben kann, daß dort kein Eingang war. -— Alle Vereinzelungen lassen sich, wie sie hier ausgeführt sind, nicht so rekorstruiren, ohne Verlegenheiten zu bereiten und mit den Quellen in Widerspruch zu stehen. Wir möchten noch weniger zugeben, daß von der Stadt aus der Tempel auf dem von 400 Ellen hohen schroffen Wanden untermauerten Berge gegen 1000 Fuß. Höhe hatte, sowie die Ansicht vom Tempel herab sicherlich von der Phantasie allein ausgemalt ist. Dagegen müssen wir den in den Anmerkungen mitgetheilten Bemerkungen über die jüdischen Langenmaaße an sich und die gemessenen Ausdehnungen und Räume insoweit Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß wir alle Stellen der alten Quellen gehörig erwogen und mit Scharfsinn entwirrt und beurtheilt. schcn; sodaß hier der künftige Forscher Vieles beisammen findet, was sonst sehr verstreut nachgesucht werden müßte. Uebrigens zweifeln wir, daß es je gelingen werde, die Unebenheiten in den alten Angaben über den* Tempel vollständig auszugleichen. Den Schluß des Werkes im Texte bildet eine Darstellung der Lage der Juden nach ihrer Rückkehr.- Dies Kapitel wird durch eine Schilderung der Fruchtbarkeit Judä'a's eingeleitet, welche wir eigentlich bei der geographischen Beschreibung erwarteten,' wohin sie gehört und deren Einfluß auf die Lage des Volkes in seinen nunmehrigen Verhältnissen nicht hervortritt, Bei Betrachtung der Einrichtungen in der Verwaltung dieser kleinen persischen Kolonie begegnen wir abermals manchen interessanten Erörterungen. , Wir würden, wie das Werk es unstreitig verdient, tiefer in die einzelnen Materien eindringen, uud.Einiges aus eigenen Forschungen ergänzend oder anregend hinzufügen, wäre nicht fast Alles, was hier in Betracht'kommt, noch unvollendet gelassen/indem Vieles auf spätere Durchführung und Nachweisung verschoben wird, und wir folglich nicht vorgreifen dürfen. Wir berühren leider hiermit wieder die schwache Seite dieses Werkes, die-wir gänzlich unbeachtet lassen möchten, wenn nicht der Wunsch, die Fortsetzungen in vollendeter Gestalt erscheinen zu sehen, uns die Pflicht aufdrängte, davon zu sprechen. Wir können uns keinen Grund denken, weshalb so viele hier nothwendig zur Sache gehörige, mitunter sogar ausführlich behandelte Materien'immer wieder plötzlich abgebrochen, und das Gegebene als vorläufig genügend bezeichnet werden, indem später elnMehres erfolgen solle. Dies gilt z. B. von den zehn Stämmen S. 38.und 147, von den religiösen Vorstellungen der Jaden. S. 62, von Aegyptens Beschaffenheit S. 70 und 75, von der Religion der Magier S. 87. 176. 186—187. 212, von verschiedenen Ansichten in Betreff des Kanons, und endlich vielen kleinern Punkten, namentlich in den Exkursen und Anmerkungen, wo der Leser (gerade wie in Ewald's 'sonst so überaus geist- und lehrreicher Geschichte des Volkes Israel) jeden Augenblick auf später verwiesen wird. Freilich werden viele der letzter» noch in diesem Bande erledigt, aber es ist kaum möglich, sich die weit und breit vereinzelten Notizen in einer Einheit vorzustellen. Und da wir einmal begonnen haben, Wünsche für die Fortsetzung auszusprechen, so möge auch dieselbe manche Manierirung (z. B. aus der vorexittschen Zeit der Juden wird von'S o l d a t e n, einem Korps Truppen, S. 38 von einem Prälaten Zephanja u. s. w. gesprochen; eine Abgabe von 33,000 Thaler ist erwähnt) beseitigen. Auch die ganz unübliche Einführung des ich neben dem wir im ganzen Werke durchweg, rechnen wir hierher; ferner mögen die Wiederholungen (wir bemerken z. B. , daß §. 25 — 27 v i ermal von der zurückgebliebener! Hefe spricht-, was S. 66 abermals, stets in einerlei Beziehung vorkommt) und Breiten der Einleitungs- und Schlußworte bei einzelnen Paragraphen vermieden werden. — Sehr Vieles läßt die Darstellung auch durch jedesmalige Modisicirung einer erst ziemlich allgemein gegebener Thatsache wieder dermaßen im Unbestimmten, daß natürlich daraus eine Menge scheinbarer Widersprüche entstehen, die sich gegenseitig wieder aufheben, ohne etwas Positives festzustellen. Dies liegt offenbar in der Zerstreuung des Materials, das nicht vollständig von einzelnen festen Gesichtspunkten aus nach allen Seiten hin verfolgt worden. So erscheinen die Juden erst gleichgültig gegen ihren Boden, da'nn wieder ihm herzlich zugeth<m, bald von den Feinden im Exil mild behandelt und ziemlich behaglich, bald in Wüsten versetzt und in übeler Lage, bald in Menge bekehrt , bald in Mehrzahl zabisch, bald von Land und Atmosphäre abhängig, bald, selbstständig. Wir schreiben dies nur dem Mängel an Koncentrirung der Haupttheile zu. — Manche kleine Verstöße gegen die Wahl des'Ausdrucks wird der Vers, .ohne Zweifel von selbst wahrnehmm^ und insbesondere'die Interpunktion besser beachten. — Somit sehen wir der weitern Ausführung dieser, für Exegese und biblischen Studien noch mehr als für die. Geschichtskunde wichtigen Arbeit, in .möglichst kurzen Zwischenräumen entgegen. Den Beruf zur kräftigen Mitwirkung auf diesem Gebiete hat der Verf. dargethan, und insbesondere' ist die Offenheit und Bestimmtheit, womit >er seinen religiösen Standpunkt enthüllt, sehr achtungs- und anerkennungswerth. Frankfurt a. M. . I. M. Jost..