Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 25 (17.6.1848)
- Date
- 1848-06-17
- Page
- Spalte 391-392 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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391 ser, welche der neuesten hebräischen Literatur fremd sind, bemerken wir noch, daß auch der Rabbiner Rapaport in Prag sich mit Erklärung der talmudischen Angaben, besaßt hat (seine Ansichten und Hypothesen finden sich in der Sammlung -ION CfP (Prag, 1839 ff) und aus derselben m der Zeitschrift der „Orient" zerstreut; sie werden aber hier S. 359 mit Recht (obwohl etwas-zu-sehr persönlich)'bestritten, indem sie mehr Scharfsinn als geographische Sicherheit bekunden. Andererseits hätten wir gewünscht, daß Hr. H. seine Untersuchung über alle noch im Talmud vorzusindenden Wohnorte der babylonischen Exulanten' (manche freilich wohl erst von den spätern Juden bewohnt), ausgedehnt hatte; und vielleicht genügt dieser Wink, um ihn zu einer weitern Durch-' führung derselben zu venanlaffen. Wir übergehen die'politische Geschichte, sowie die höchst problematische, hier auch im Ganzen nicht sehr wesentliche Staatseinrichtung der Perser, um aus die Darstellung der magischen Religion aufmerksam zu machen, die hier mit Recht als sehr einflußreich ins Auge gefaßt wird (das Kap. über Erziehung der Perser, §. 80 nach der Cyropädie, kann man dahin gestellt sein lassen). Stand nun nicht zu erwarten, daß wir schon in diesem Bande eine recht ausführliche Schilderung des daraus mit-hervorgegangenen neuen Gedankenreiches erhielten, das bei den zurückgekehrtcn Juden sich alsbbld zeigte? Wir bedauerndes ernstlich, daß von allem Diesem bier nicht ein -Wort vorzusinden, und düsir höchst wichtige Gegenstand von andern kritischen Untersuchungen verdrängt worden. ' Gerade auf diesem Gebiete ist noch .viel Neues zu schaffen, und wir zweifeln nicht, daß der Kerf. darin recht fleißig geforscht habe. Mögen die Ergebnisse nicht allzu lange auf sich wanen lassen'. Was wir aber hier vorläufig erhalten, ist immerhindankenswerrh. Der achte Exeurs, namentlich über die Nachkommen Davids, ist mit großer Sorgfalt gearbeitet, und wir finden darin manche neue historische Notiz, z. B. die Richtig- . keit des Namens Hyrkanus bereits in einer frühen Periode mit Bezugnahme auf die Versetzung vieler Juden nach. Hyrkanien durch- Darius Ochus, und die daran sich knüpfenden Bemerkungen müssen wir als für das Verständniß des Josephus und für die Ausfüllung einiger h.istorischen Lücken ss e h r fruchtbar bezeichnen. Auch die Genealogien der Lukas und Mo re Haus werden hier, und wenn wir nicht irren, etwas besser beleuchtet, als bisher geschehen. Cs folgt nun S. 387—424 eine sehr ausführliche Untersuchung über die Entstehung der später vorhandenen Abtheilungen der Priester, und Leviten. Der Vers« fürchtete, gewiß mit Unrecht, daß man diese Abhandlung für zu mikrologis ch halten mochte; im Gegenthcil, sie-verdiente ganz für sich gesondert zu erscheinen, weil auf diesem Gebiete fast gar nichts geschehen ist. Schon das ist zu loben,-daß die talmudischen Angaben §..4 — 5 als unkritisch und 'unhistorisch angewiesen werden, damit nicht auf, Aussagen, welche augenscheinlich neuern Ursprungs sind, mehr Gewicht gelegt werde, als sie 392 verdienen. Andererseits wird' ihnen hier doch einiger Werth mit Rccht zugeschrieben. Freilich ist Einiges La diesen Untersuchungen, z. B. über die Aemrer. am Tempel, von denen die Mischna berichtet, nur für Verehrer des Talmuds wichtig'; jeder Andere wird wol von selchst die dortigen Notizen in ihre Grenzen weisen. Um so eher möchten wir wünschen, , daß in der Folge derartigen Besprechungen., die durch eine breitere Auseinandersetzung gar nichts gewinnen, ein verhältnißmäßig geringerer Raum gegönnt werde/zumal derselbe für wichtigere Materien fehlt. Wir können -unsererseits auch §icht mit §.16 uns befreunden, in welchem eine höchst kombinirte Geschichte der Art, wie die 24 Abtheilungen entstanden seien, aus dem Chronisten konjekturirt wird, der dabei erstens sich 'geirrt, zweitens einen Theil aus unhistorischen Quellen geschöpft und drittens eine eingetretene Abänderung von 7 Familien zu 24 (welche die heutige Kritik sieht!) nicht gewußt haben muß. .Die ganze Sache hat so hohen Werth.nicht, daß man um die noch sehr zweifelhaften, jedenfalls aber uns nicht mehr anschaulichen Verhältnisse ins Licht zu.stellen, so viel Vermuthungen bildet, deren Wahrheit nie zu ermitteln ist, und die zum Verständniß des Textes nichts beitragen. Wesentlicher sind die folgenden Paragraphen, welche mitunter sehr interessante, wir glauben auch neue Bemerkungen über die Gesangaussührung, über die Wachten enthalten, namentlich ist in letzterer Hinsicht die Oertlichkeit des Tempels und seiner verschiedenen Ausgänge mit großer (wenn auch mit den Quellen nicht ganz übereinstimmender) Genauigkeit ins Auge gefaßt, -und hier ist die Auseinandersetzung sehr lehrreich. Wir haben diese Stellen möglichst sorgfältig geprüft, und können nur den Fleiß des Vers, und seine umsichtige Forschung rühmen. Ob darum im Einzelnen nicht noch Manches zu bemerken sein dürfte, 'wagen wir nicht zu bestimmen, da der Gegenstand, um vollständig beurtheilt zu werden, neue Studien voraussetzt. Rur über die im Texte gegebene Schilderung des Tempels (S.. 239 u. ff.) erlauben wir uns noch ein paar Worte. Wie schwer es sei, nach den ungenauen, obenein unter sich nicht übereinstimmenden Angaben der heil. Schrift, des Josephus, des Talmuds, einen Tempel zu konstruiren, 'oder die Verschiedenheiten der drei Tempel, und allenfalls, auch des Hesckiel'schen vierten, unter einander genau auszusinden, kennt jeder, welcher diese Frage je behandelt hat. Hr./H. hat mehre speciell diesen Gegenstand betreffenden Monographien nicht benutzt, oder nicht der.Ausführung werth erachtet. Wir wundern uns um so mehr darüber, als derartige Materien manche architektonische Studien nölhig machen, ohne welche der Altcrthumsforscher gar leicht'einen Mißgriff begeht. In der/That ist es uns schwer, von dem S. 238 beschriebenen Bau einen klaren Begriff zu haben. Um dm'Tempel läuft eine dreistöckige'Galerie (wie hoch ist nicht gesagt, aber jedenfalls unter 60 Ellen, der Fenster wegen), hart an diese Ga- 'lorie stößt eine Mauer, „vielleicht" ebenso hoch und fünf Ellen davon wieder eine Mauer, der innere Raum abgetheilt in Zellen.- Wie kann nun das Gebäude des Tempels sich von Kritiken-. Herzfeld's Geschichte des -Volkes Israel.