Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1848)
- Date
- 1848-06-17
- Page
- Seite 197 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 19? - Unterdrückung mit einem Todten-Mahle, auf dem der Jude als Lockspeise aufgetischt wird?. Etwa weit sein Judenthnm staatsgefahrtiche Grundsätze enthält, d. h. indem das mosaische Gesetz den Grundsatz predigt ,,Ein Gesetz und Ein Recht für Alle"? Oder weil der -Jude vom Christen in Lehre und Leben abweicht, das heißt, weit er die große Sünde begeht, kein Schweinefleisch zu genießen und an die Ueberzeugung fcsthält, daß es nur Ein einziges Wesen gibt, welches das Universum regiert und leitet? Oder etwa weil er das social-humane Gesetz der Bibel befolgt, am siebenten Tage keine Werkthätigkeit weder selbst zu verrichten, noch durch Bediente verrichten zu lassen , „damit rühm soll dein Knecht und deine Magd wie du^ (Deuteronomium 5, 14)? Oder weil er an das erhabene Ideal eines hienieden sich einst zu verwirklichenden Messiasreiches glaubt, in welchem die Prophezeihnng des Propheten (Micha 4, 3) erfüllt werde, „sie werden ihre Schwerdter in Grabscheite umwandeln und ihre Wurfspieße in Sensen, kein Volk wird dem andern Krieg erklären und keine Kriegskunst lernen, jeder wird ruhig unter seinem Feigenbaum und Weinberg sitzen und keine Furcht haben, denn so sagt es Gott Zebaot"? — Aber nein! Der Judenhaß tritt gar nicht auf in derselben Gestalt wie in den Zeiten des Mittelalters, in jener Zeit des fanatischen Glaubenshasses war man im Kampfe gegen die Juden wenigstens ehrlich, wenn auch .ungerecht und unmenschlich, man war von einem blinden' Wahne religiöser Unduldsamkeit befangen, und glaubte in den der alleinseligmachenden Kirche feindlichen Glaubensdogmen die Feinde der Gottheit und der menschlichen Glückseligkeit bekriegen zu müssen. Also suchte man nur die Juden als solche, als strenge Allhänger der mosaischen Lehre, nicht aber als Menschen, mit Feuer und Schwert ausznrotten, weil man von der edlen wenn auch grundfalschen Ueberzeugung durchdrungen war, daß man nur so und nicht anders .die Menschheit der Glückseligkeit zuführen kann. In unserem gepriesenen Jahrhunderte der Kultur und Freiheit aber verfolgt und unterdrückt man die Juden nicht ans Glaubensfanatismus, sondern aus purer Feilldschaft der Freilassung von Sklaven und aus Haß gegen Gerechtigkeit und Humanität. Die Verweigerung von Menschenrechten aus dem Grunde, weil man einer andern Konfession angehört, würde in unfern Tagen keinen Anklang finden und an dem gesunden Sinn der Masse scheitern; darum wendet die judenfeindtiche Partei ganz andere Mittel und Jntriguen an, um zu ihrem gemeinen Ziele zu gelangen, sie spricht von „ruiniren des Christen durch den Juden", von üherhandnchmen des jüd. Handels und Wuchers u. dgl., um so die materiellen Interessen der Christen zu vertreten, und die Bürger- und Arbeiterklasse gegen die Juden aufzureizen. Freilich hört man auch zumal ein Wörtchen von „Religiosität" und „christlichem Staat" sprechen, in welchen Theorien die preußischerr Minister besonders Arnim im Monat Mai 1847 auf dem Landtag in Berlin sich als Meister hervorthaten, allein das sind blos Vorwände und Deckmäntel, um den Jesuitismus zu verbergen. Ja, das ist eben der Fluch in den politischen und religiösen Streitigkeiten der Neuzeit, daß man die heiligsten Interessen der Menschheit nicht mit ehrlichen Waffen ausfechten will, und besonders die prinzipiellen Fragen in den Hintergrund schiebt, um so die materiellen, dem Egoismus schmeichelnden Sonderinteresseu in den Vordergrund treten zu lassen. Die Sache der retrograden Partei, sowohl in den politischen als in den religiösen Fragen, ist heut zu Tage daher eine gemein materielle dem Mammon und dem Besitzthnme zusagende geworden, und darum spricht die Antijudenemaueipationspartci nur von derlei judenfeindlichen Phrasen und Bonmots. Aber im Vertrauen auf die Macht der Wahrheit und Gerechtigkeit, und gestützt auf die Hilfe des Allerhöchsten, der uns stets in Gefahren hilfreich beigcstanden, können wir getrost der Zukunft entgegensehen, die gekränkten Menschenrechte werden belohnt, aber auch die Bosheit und Heimtücke der Judenhasser und Verfolger nicht unbestraft durch Gott und Menschheit bleiben, sie mögen es bedenken, denn es gibt eine Nemesis l M....s. Vutschowitz, im Mai. Während in der problematischen Gegenwart, ans der einen Seite von den aufgeklärten und frcidenkenden Köpfen die Jubel-Feier der aus der Knechtschaft toögerungenen Freiheit in einer erheblichen Weise begangen wird, stehet auf der andern Seite die größere Hälfte der in ihrem ruhigen Erwerbe aufgeschreckten und von dem plötzlichen Umschwünge der Dinge überraschten Menschen in banger Ahnung und in der rathlosesten Lage des Lebens. Fürwahr, nur der Geist, gereift in der Schule der Geschichte, vom Lichte der Vernunft erleuchtet, emporgetragen von der erhabenen Idee des Völkerglücks und von der Liebe zur Menschheit angetneben, fanu sich in diesen verwirrenden Verhältnissen auftechtbalten, nur er ist es fähig (da bei der zähen Natur des alten Systems, im Uhrwerke des Staats, das vollendete Nad nicht wie es Schiller will, im Umschwünge ausgetanscht werden konnte) alle die Jrrthnmer, Bosheiten, Misbräuche und Ungerechtigkeiten, die während dessen Ablaufens zürn Vorscheine kommen, mit der schönen Zukunft auSzngteichen, dem Wohte der Menschheit mit schrecklicher Resignation das Glück des Menschen^ hinzngebm, und stolz darauf zu sein, wenn er selbst dieses Opfer ist. — - Aber diese, mit ihrem subjektiven Verstände, auch nur die subjektiven Freiheiten fassend, oder mit andern Worten, mit dem spärlichen Lämpchen ihres Verstandes, wohl in ihrem beschränkten Wirkungskreise auslangend, dem Charakter ihrer Geschäftsführung getreu, nur das zunächst liegende wohl beachtend und es nach seiner