Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1848)
- Date
- 1848-06-17
- Page
- Seite 196 (sequence 7)
- Language
- German
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196 opfennig gewagte Dazivischenkunst des würdigen katholischen Lokalseelforgers Herrn S te i g e r verhinderte die persönlich e Mishandlung des Juden (Kohn), welcher selbst mxt dem Leben bedroht war. — Der 4. Mai d. I. sollte für die Ung.-Broder Juderigemeinde ein verhängnißvollcr Tag werden. Es sammelte sich — da an diesem. Tage Wochenmarkt ist — eine ungeheuere Masse Landvolk bereits mit Säcken versehen, um das geraubte Gut bergen und auf die außerhalb der Stadt wartenden Wagen aufladen zu können. — Der Wachsamkeit und Einsicht des Oberamtmanns Flemmich ist es größtenteils zu verdanken, daß die bereits planmäßig verabredete Plünderung der Judenstadt unterblieb; denn er zeigte die bedenkliche Lage der Dinge noch in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai dem Hrn.Gubemialrath und.Kreishauptmann August Schobt in Hradisch an, welcher diese Anzeige in seinem unübertroffenen Diensteifer noch in der Nacht erledigte und zeitig früh dem Hrn. Kreiskommissar Moriz Ott nach Ung.-Brod absendete. Dies und das Einschreiten der. Stadt Ung.- Broder Nationalgarde (die Juden waren alle mit Waffen, die ihnen zu Gebote standen, versehen) verhinderte den Ausbruch der beabsichtigten Plünderung. Nachdem auf solche Art das Ansinnen der Böswilligen vereitelt war, zog selbe wohl von Ung.-Brod ab. Allein in der Nacht.vom 4. auf den 5. Mai sielen die beiden Israeliten Kohn. und Straßny in Banow als Opfer der Raubsucht des entarteten Pöbels und retteten mit Muhe durch schleunige Flucht das eigene Leben. Durch das energische Einschreiten des Ung.-Broder Oberamteö wurden weitere Unordnungen verhindert, da dieJsraeliten in Suchalosa, Bistritz und Schumnitz-bereits stark bedroht waren. Die sogleich eingeleitete Kriminal-Untersuchung durch einen exponirtcn Hrn. Kriminalrath wird die Uebelthäter schleunig der gerechten Strafe zuführen. — Nachdem an der Grenze in Ungarn Horden von mehreren Hunderten" dieses Raubgesindels herumzogen und selbe von Brzezower Insassen Schewezik aufgefordert wurden, nach Mähren cinzubrechen und hierdurch die Sicherheit der Person und des Eigenthums im Allgemeinen im höchsten Grade gefährdet war, so wurde über die Berichte des Ung. Broder Oberamtes von Seite des Hrn. Kreishauptmannes noch am 6. Mai eine Kompagnie Infanterie- und eine Eskadron Kürrassiere an die Grenze beordert, wodurch die Ruhe und Ordnung augenblicklich hergestellt worden ist. In dankbarer Erinnerung an die glückliche Abwendung des bedrohlichen Schicksals der verhängnißv ollen Tage des 4. 5. und 6. Mai brachte der Vorstand der Ung.-Broder JSraeliten-Gemeinde und das Ausschuß-Komite ihrer National-Garde dem Ung.- Broder Oberamtmann am gestrigen Tage eine Dankadresse, die aus tiefstem Herzen fließenden Gefühle darlegte und überreichte ihm für seine uMsichtövoüe energische und muhige Abwendung des über ihren Häuptern schwebenden Unglücks einen Ehrerrsäbel, auch wählten sie denselben einstimmige zum Hanptmann ihrer Kompagnie. Moritz I e l l i n e k. I. M. Z w e i g ent h a l. Im Namen des' Attsschuß-Komite. Brody, Ende Mai. (Die Jndenemancipation und die Jiwenvcrfolgungen.) Es thut nichts, sagt der Patriarch in Lessing's Natan, der Jude wird verbrannt, es thut nichts wiederholen die Czechen in Prag , der Jude wird verbrannt, geknebelt, geplündert und gemishandelt; cs thut nichts wiederholen im Chorus die Magyaren in Preßburg, der Jude^ wird verbrannt, hingeschlachtet, ausgebentet und e.rilirt; es thut nichts sagen beifällig die deutschen Spießbürger des glorreichen 19. Jahrhunderts , der Jude wird nicht emancipirt, er soll gleiche Lasten aber keine gleiche Rechte mit uns theilen; es thut nichts sagen die Bureaukraten und Helfershelfer des Metternich'schm Systems,. der Jude muß immer uoch ein „Judenamt^ haben, Tagzettcl, Fteisch- und Lichtsteuer zahlen und jetzt wie früher keiner Freiheiten theilhaftig werden; Amen, sagen zum Schluß die Reaktionäre, der Jude wird verbrannt, angeschwärzt und verdächtigt, das aneleu regime hergestellt, und wir sind gerettet. So ist der Jude die Zielscheibe aller gehässigen Insinuationen, Verdächtigungen und Verfolgungen, und dies im Jahre 1848 , sage E intansend Ach th u n d e r t Ach t u n d v i e r.zi g l Ein Jahr das man allgemein als den Anfang einer neuen Morgenröthe der Kultur und Bildung eines goldenen Zeitalters der Millionenmale ansposannterr ..Freiheit und Gleichheit" bezeichnet l Freilich haben wir seit wenigen Monaten viel und vieles Erfreuliche und Unerwartete erlebt; Könige sind von ihren Thronen gestürzt, die Gewalt tyrannischer Machthaber vernichtet, und die Volkssouveränität proklamirt und allgemein anerkannt worden; allein wo die Freiheit nicht eingcdämmt in den Grenzen einer friedlichen, alle Klassen der Gesellschaft mit gleicher Liebe umfassenden Ordnung und Gesetzlichkeit sich bewegt, .und-in-, wilder . Unbändigkeit. und Zügellosigkeit ausartet, da existirt die Freiheit nur dem Namen nach, in Wirklichkeit aber bleibt sie die größte Tyrannei und Willkür, weit der Begriff eines Terrorismus a la Nobespierre oder u la Nikolaus unstreitig identisch ist. Ja, cs bestätigt sich leider der traurige Erfahrungssatz, daß die gesammte europäische Menschheit noch unreif ist' für die währe Freiheit, für Freiheit und Gleichstellung aller Menschenklassen, und die schmähliche Behandlung der Juden von Seiten der freigewordenen Deutschen, Böhmen, Ungarn und Polen liefert den Beweis an die Hand, daß die jetzige Umgestaltung der europäischen Gesammtintereffen' noch unzeitig vor sich gegangen, und wenigstens um ein halbes Jahrhundert zu früh begonnen hat. Denn warum feiert mau den gewonnenen Sieg des. Lichtes über bie Finstemiß, der Freiheit über die