Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 24 (10.6.1848)
- Date
- 1848-06-10
- Page
- Spalte 377-378 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Kritiken. Herzfeld's Geschichte des Volkes Israel. 377 wie im spätern Judenthume, äußerlich reprasentiren, gab es im mosaischen Gesetze ohnehin nur wenige und die schwerlich in Uebung waren, z. B.die Fäden und der Streif am Obertuche, und etwa die Feier des Sabbats und einige Feste. — Das Alter, der mosaischen Schriften laßt Hr. H. ununtersucht, nur will er sie, mit Zulassung allenfalls einiger spätern Glossen, gegen jede sich „überstürzende Kritik" (S. 64) als vorexilisch in Schutz nehmen. Wir glauben auch, daß die größere Masse vorexilisch da war, obwohl die Recension, die uns vorliegt, wohl nachm'lisch sein dürste. Jedenfalls tadeln wir solche kurze Tadel gegen Anderer kritische Versuche; mit Worten werden solche Fragen nicht beseitigt; sind die Argumente eines Kritikers für die nachexilische Zeit nicht stichhaltig , so hat sich die Kritik geirrt, ohne darum sich selbst überstürzt zu haben. Der Mißgriff muß aber bewiesen werden! Zudem ist, wenn man Glossen und Zusätze gestattet, schon wiederum Vieles ins Unbestimmte hinaus zugegeben! S» 65 gibt der Vers, das Verzeichniß der vorexilischen Schriften, auch der citirten und verlorenen, —mit Ausschließung der bestimmt nachexilischen Stellen. Dieser letzere Punkt gibt den Standpunkt des Verf. an und bedarf einer sebr sorgfältigen Erwägung. Aus Sacharja gehören dahin K. 9—14, welches besonders wichtig; über die Psalmen spricht er sich nicht aus. Die vier ersten Klagelieder halt er für ein Werk des Jeremia. (Wir können die alphabetische Ordnung nicht für so alt halten.) — Der Vers, meint, diese Schriften seien mehr oder minder vollständig in den Händen unterrichteter Exulanten, die nach Babylonien gingen, gewesen; die Zurückgebliebenen hätten schwerlich viel davon gehabt; die nach Egypten wanderten, gar keine. Alles dieses ist freilich sehr unbestimmt und ohnehin nur Hypothese. Der zweite Excurs', welcher sich mit den hierher gehörigen Büchern des Kanons beschäftigt, ist voll von sehr interessanten Bemerkungen und Lextesvergleichungen, größtentheils selbstständige Forschungen nebst Würdigung der bisher von andern Theologen und Exegeten entwickelten Ansichten. Wir müssen es uns versagen , hiervon Auszüge mitzutheilen; das Ganze ist ein streng verflochtenes Gewebe und bedarf eines tiefen Nachstudiums. Ueber einige Stücke, als Hiob, Klagelieder und Hesekiel, eilt der Verf. kurz hinweg, und uns scheint auch hier sein Resultat nicht ganz klar. — Wichtig sind seine Bemerkungen zur Nachweisung der verschiedenen geschichtlichen Beziehungen in historischen und prophetischen Büchern. Freilich müssen wir hier wiederum bedauern, daß die neuern Untersuchungen in The Ti m es o f Daniel nicht Vorlagen; sonst aber liefert der Verf. ausserdem treffliche Beiträge zur Kenntniß des Efra und Nehemia.. Den vierten Excurs, welcher die ganze Chronologie des hier behandelten Jahrhunderts und der damit zusammenhängenden Geschichte vorheriger Negierungen sehr ausführlich durchforscht, haben wir mit großer Aufmerksamkeit durchgenommen und müssen dem Fleiße und der Aufmerksamkeit des Verf. unsere Bewunderung zollen. .Die Resultate sind, insofern sie von bisher angenommenen abweechen, meist nur Hypothesen; und wir möchten den Ertrag nicht hoch genug veranschlagen gegen die ungeheure Mühe, nachdem so viele ausgezeichnete Chronologen dies Feld so sehr schon ausgebeutet haben. Alle Ergebnisse werden aber, wie gesagt, durch die neuesten Forschungen fast problematisch. Dasselbe gilt vollends von dem siebenten Excurs über Cyrus. Im Texte .beschreibt der Verf. nun die Länder des Exils, und zwar zunächst Egypten (S. 67« 78) äußerst dürftig, was hier damit entschuldigt wird, daß eine genauere Schilderung Egyptens bei Schilderung, der hellenistischen Zeit erfolgen solle. Wir können dies nicht billigen. Egypten war in denfrühern, Jahrhunderten bedeutend anders beschaffen, und wenn dessen Einrichtungen damals wirklich auf die jüdischen Kolonisten Einfluß übten (was nur in geringem Maaße zuzugeben sein dürste, während die spätern Verhältnisse allerdings stark cinwirkten), so mußten sie hier bemerkt werden; dafür war aber alles den Boden und die Lage Egyptens Betreffende entbehrlich, da dessen Bedeutsamkeit für die Lage der Kolonisten nicht nachgewiesen worden. Ausführlicher und zweckmäßiger berichtet der Verf. über Babylonien, womit Assyrien zum Theil ganz angemessen verbunden worden. Hier ist oft sehr ins Einzelne gegangen, obwohl noch Manches zu ergänzen übrig bliebe. So wird z. B. die Angabe der Ausdehnung Babylons nach Herodot mnd Diodor erörtere, und die Uebertreibung in Jona 3, 3 gerügt. Der Begriff von einem dreitägigen Durchmesser der Stadt, oder mindestens ihrer Länge muß aber allgemeiner geherrscht haben, da Aristoteles Polit. 3, 3 Babylon mit dem ganzen Peloponnes gleichsctzt und hinzufügt: rjg ya cpciGiv hcilconv lag zqiztjv q{A8QKv ovn alofricdcd tl {i£Qog zrjg TtoXsoog, und so augenscheinlich die weit ausgedehnten Anbaue außerhalb der Mauern auf viele -Meilen weit mitrechnet. Man hat .zwar hier emendiren wollen: zqlzov, rjfLSQccg (isgog zivug ovn aL6d'£6&ca, d. h. Viele hätten noch bis über ein Drittel des Tags nichts von der 'in der Nacht geschehenen Eroberung verspürt. Allein der Vergleich mit dem Peloponnes spricht für die Richtigkeit des Textes. Uebrigeus hätte Bochart verdient zu Nathe gezogen zu werden, da er alle alten Queller benutzt hat; auch vermissen wir ungern eine, wenn auch nur kurze Schilderung der Nachbarreiche; die ganze Darstellung der geschichtlichen Thatsachen S. 95 und 96 ist dadurch unklar. Wir sind noch jetzt nicht hinlänglich über die Grenzen oder Völkergebiete belehrt, um ohne Weiteres die Ausdrücke Medien, Susiana, Chaldäa, Armenien u. s. w. für jene Zeit sogleich richtig szu fassen, und H ist fast anzunehmen, daß selbst die alten Geschichtschreiber und Geographen keine sehr bestimmte Vorstellung davon hatten. (Beschluß folgt.)