Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1848)
- Date
- 1848-06-10
- Page
- Seite 190 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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190 der Vorsehung habe fcirccte Warnungen an dasselbe erlassen. Die politischen Drangsale, welche andere Völker heimgesucht, würde nicht wohl von England ferngehalten. werden, wenn man das Parlament entchristliche. Der Herzog v. Cambridge ließ sich ebenfalls mit hochkirchlicher Beschränktheit vernehmen, daß er in Hannover und England zwar Ursache gehabt habe, die Juden zu achten, allein so lange die Regierung eine christliche sein solle, nicht 'für Zulassung von Juden in das Parlament stimmen könne. Lord Canning trat für die Bill auf, berichtigte mehres Falsche in Lord Ellenbörongh's Rede und machte geltend, daß sich nirgend eine Volksdemonstration gegen diese Maßregel gezeigt habe. Der Erzbischof von Canterbury sprach von dein gewöhnlichen, einseitigen' Standpunkt aus gegen die Bill, ebenso der Earl of Wmchclsea. Für die Inden sprach der Herzog v. Argyle mit großem Eindrücke; desgleichen der Bischof von St. Davids, welcher, insbesondere geltend machte, daß keinerlei Gefahr für das Christenthum aus dieser Maßregel zu besorgen sei oder daß das Land dadurch dem Unwillen des Himmels, wie ein edler Lord besorge, ausgesetzt werde. Er rechtfertigte die Juden noch gegen viele vom Vornrtheil ihnen gemachte ungerechte Vorwürfe und erklärte, -wenn die Lords diese Bill ablehnten, würden sie nur eine neue AuSschlnßmaßregel anfstcllm. Der Bischof von Oxfort äußerte sich ganz in dem Grad engherzig, als der vorige Redner human und aufgekläctt gesprochen hatte. Insbesondere wollte er die Bill von gewissen Privatverhältnisfen hcrleiten, in welchen sich der Premierminister bei den letzten Partametttswahlen befunden habe. Er wurde dafür vom Marquis of Londsdowne später derb zurechtgewieftn. Für die Bill sprachen der Earl of St. Germans, Lord Littleton, Earl ofUarborough, 'Earl of Ellesmoore und mit großer Entschiedenheit und Ausführlichkeit Lord Brougham. Dagegen ließen sich noch die Earls of Eglinton, of Harrowby und Dessart vernehmen, sowie Lord Stanley. Bei der Abstimmung ward die zweite Lesung mit 163 gegen 128 Stimmen abgelehnt. — London, 28. Mai. Die Verwerfung der von der Regierung dem Parlament vorgelegt gewesenen B il l zur Aufhebung aller noch auf den Juden lastenden apolitischen und bürgerlichen Beschränkungen durch das Oberhaus wird zunächst den Eintritt des für die City von London mit gewählten Hrn. v. Rothschild in das Hausder Gemeinen unmöglich machen. Wie Wähler und Gewählter sich zu verhalten gedenken ist noch nicht - bekannt. Die Zeitungen sprechen sich natürlich je nach ihrer Farbe im grellsten Gegensatz über jene Entschließung der Lords aus. Die Morning Post gratulirt dem Land im Namen der gesammten Christenheit zu dem edlen Verhalten des Oberhauses, jene verhaßte Bill nicht zum zweiten Male verlesen zu lassen. Hoffentlich werde damit diese Maßregel für immer verloren sein. Das englische Volk habe durch den Mund seiner natürlichen Repräsentanten, die Pairs von England, sich abermals dagegen ausgesprochen; wozu die Nation mit erneuten Versuchen bennruhigen? Sie müßten ja erfolglos bleiben, wie Niemand besser wisse als die Minister Ihr. Mas. - und deren Alliirter, Sir N. Peel. Das Morning Chronicle dagegen bemerkt: Mit tiefem Bedauern sehen!wir die Entschließung des Hauses der Lords über die Judenemancipationöbill. Aufrichtig beklagen wir einen Vorgang , welcher das Oberhaus über eine Frage von tiefem Interesse für das Land mit der öffentlichen Meinung in Zwiespalt bringt und die Eröffnung rines aufregenden politischen Streites zur Folge haben muß. Für heute wollen wir nur aussprechen, daß wir ein freudiges Vertrauen in die künftige und nicht ferne Lösung der Frage hegen, welche das Votum der Lords so unglücklicherweise unerledigt gelassen hat." Der Standard preist wieder die Lords. Indem 'sie die abscheuliche Judmbill verwarfen, hätten sie dem Lande zwei nicht hoch anzuschtagende Dienste geleistet. Sie retteten es nämlich vor einer furchtbaren Sünde und haben sich selbst in ihrer geeigneten verfassungsmäßigen Position hergestellt, um künftig dem Lande gleiche Dienste zu erweisen. Die Times erklärt, daß sie', ohne das.Oberhaus gerade zu unterschätzen, doch ganz und gar nicht zu denen gehöre, die in demselben den beständigen Netter der Landes erblicken. Würde sie in den Fall kommen, für wirklich geleistete Dienste ihren Dank anzubriirgen, so würde sie jedenfalls die große Hälfte dem voiksthümlichem und thatigern Theile der Legislatur zuwenden. Bei der Verhandlung über die Jndenbill hätten die Lords den hoffentlich von ihnen freiwillig gutzumachenden Jrrthnm begangen, eine politische Frage als eine rein religiöse aufznsassen oder sich doch so zu stellen. Das Oberhaus habe sich dadurch in das häßliche Licht der Heuchelei gebracht.^ Die Lords werden sich also ferner einer christlichen Legislatur erfreuen und in der Entwickelung derselben hoffentlich sehr fleißig sein, um uns zu zeigen , was eine christliche Legislatur sein soll. Bei solchem Eifer bedauern wir nur, daß. sie dennoch genöthigt sein werden, ,,mit dem Samariter" sich abzugeben. Der Staat borgte kürzlich 4Mill. Pf. St. von einem Juden zur Hülfe für das Schwesterland. Ganz gewiß werden die Lords nicht .ruhen und rasten unter dieser unchristlichen Verpflichtung; sie müssen etwas thun, um diesen Flecken zu beseitigen. (D.A.Z.) Polen und Rußland. Wilner, 26. April. Obgleich es mir als Nordstern nicht vergönnt ist, so oft wie meine ehrenwerthen Kollegen, die Sterne alle, iin Orient erscheinen zu können, ich auch die Gabe nicht'besitze, stets mein Licht in glänzenden Reimend und witzigen Episteln ausströmen