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Der Orient · 1848-06-10 · Heft 24 (10.6.1848) · p. Seite 189

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 24 (10.6.1848)
Date
1848-06-10
Page
Seite 189 (sequence 9)
Language
German
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- 189 — Leute, zum Ritter des mährischen Israels geweihet, um mit stets eingelegter Lanze, jede Unbill von ihm abzuwehrcn. Und. .habe ich bis jetzt in geschlossenem . Visir gekämpt —- von nun an soll es anders sein. Man hat jetzt Jeglichem, der die Kraft und den Muth hat, das Tragen der Waffen erlaubt. Und so will ich von nun an frei und unverholen als Näti onalgarde meiner mährisch jüdischen Brüder austreten. Fürwahr frei und offen will ich meine „offenen Briefe" nun schreiben. Die Sterne sind außer Geltung gekommen, das haben uns die Metterniche bewiesen; und so will ich von nun an mehr mit keinem * mich zeichnen, sondern mit meinem Namen will ich nun das frei und unbekümmert vor Gott und Menschen vertreten, was ich in Ihrem geschätzten Blatte, dem Forum der Intelligenz , uiederschreibe. Kein A n o w y m u s mehr! Nach diesem kurzen Prolegomenon gehe ich an die eigentliche Medulla meiner heutigen Angelegenheit. Es gilt heute wiederum einen Kamps pro ko6i8. Man hat abermals mein gutes Mähren zum Stichblatt feiner Witze, zur Zielscheibe des Hohns gemacht. Und zwar ist es diesmal kein äußerer Feind. Es ist nicht der geistreiche Berliner Stern, den ich bei all seiner Herbheit höre recht gern. Diesmal haben wir vor uns einen andern Herrn. Unser Gegner ist diesmal aus Mähr'n. Ein „Familiant" der sich nicht genannt, erhebt gegen uns die Hand. Gar düster und trübe sieht es nach ihm an dem mährischen Hinuüet aus, trotz all der Sterne die ich in meinen frühem Briefen, an diesem Himmel gezeigt». Wir Mähren dürfen nun leider einmal durchaus keinen 3D1D haben. — Vor allem macht der Herr Anonymus Jagd ans nnseru Hirsch. Bei Gott ich bin kein Speichellecker, und so gerne ich Blatter habe, nehme ich doch nie ein Blatt vor den Mund. Ich glaub' meine offenen Briefe haben's bisher bewiesen, daß ich, ein offener Mensch , dem freien, offenen Wort über Alles huldige. Und so darf ich's nun unumwunden sagen: Ich habe unfern Landrabbincr einmal einen edlen Hirsch mit hohem Geweih genannt. Ich nenne ihn heute nochmal so; und unsere jüngsten Angelegenheiten beweisen, daß ich wahr geredet. Welcher Mähre kann es sagen, daß unser Landrabbiner jetzt nicht mit aller Umsicht, mit aller Energie und. Willenskraft unsere Emanzipationssache führt? Was die intellektuelle Seite desselben betrifft, so glaube ich, cs herrscht darüber nur eine Stimme bei uns, und die ist eine höchst günstige» Wenn unser „Famitiant" anders meint — nun so weiß er als Bnezi oukan didat gewiß darüber zu urtheilen. Ich jedoch halte die „Ansprache an die christlichen Brüder" für ein geistvoll schönes Wort, .das in manch christliches Herz überzeugend und nachhaltig gedrungen ist. — Nun zieht der Herr über die „geschulten Rabbiner/' Und da ist' es vorzüglich das Triumvirat N e u d a , Sch m i e d t und Duschak, daran er all sein Schrot verschießet. Thut mir leid, daß ich da nicht viel reden darf, ohne die Schuld der Parteilichkert aus mich zu laden. Denn einer von den drei Herren bin ich selber. Ich selber in meiner Wenigkeit. Der Herr Familiant sagt dem lesenden Publikum, daß ich „schwache bin. Ich schwach —; Na, das ist halt gar zu stark! Wollte ich mir nun auf die Brust klopfen, und mich als einen vir fortissimus anpreisen, würde mich da das lesende Publikum nicht für unbescheiden halten? Uebrigens Hab ich noch voll gut Glückzn sagen, daß der Herr sich mit dem einen Wort begnügt; und das eben ist ein Beweis, daß ich im Gegentheil recht, recht stark sein muß, den fortes forluna adjuvat / sagt ja unser alter Cicero. — Was mm die zwei andern Herren betrifft, muß ich ebenfalls meine Zunge im Zaum halten, um nicht für parteilich verschrien zu werden, denn der Eine ist mein S ch w ag c r, der Andere mein F r e u n d. Aber das Eine muß ick) sagen: Wenn der Herr „Familiaut" uns anklagt, wir leisten nichts für die bürgerliche Sache der Juden — so thut er uns gewaltig Unrecht, denn aus Ehre versichere ich , uns Alle beseelet das glühende Streben: Es soll kein „Familiant" mehr sein in Mähren! , Sch mied l. Großbritannien. London, 26. Mai. Die Sitzung des Oberhauses war gestern ungewöhnlich lang. Der Geheimrathsprästdent Marguis vf Lansdowne beantragte die zweite Lesung der Bill zur Aufhebung der auf den Juden noch lastenden Beschränkungen, insbesondere. der Hindernisse, welche sie von einem Sitze im Parlamente ausschließen. Er führte aus, daß gesetzlich keine. Bestimmung dagegen bestehe, der Testeid nur gegen Katholiken eingcführt worden sei, und daß man es in dieser Sache durchaus nicht mit einer Ncligionsfrage, sondern nur mit den Rechten eines Volkes zu. thun habe, zwischen welchem und dem Christen directe, wichtige und unleugbare Verbindungen vorhanden seien. Die Maßregel komme übrigens mit der Zustimmung deS Unterhauses ausgestattet. Der Earl of Ellenborvugh beantragte jedoch die Vertagung der zweiten Lesung dieser Bill bis über sechs Neonat. Ihm scheine der große Nachtheil der Maßregel. in .gar feinem Verhältnisse zu stehen mit dem wenigen Wohltätigen derselben. Ihr Grundsatz, daß abgesehen vom Glaubensbekenntnisse, ein Jeder Mitglied des Parlaments werden könne, vernichte das wichtigste Prineip der Constitution; das Christenthum sei ein Theit des gemeinen Rechts im Laude, und ihm scheine cs gefährlich , den Juden, die Weltbürger seien und stch nie mit den britischen Institutionen identificiren würden, solche Zugeständnisse zu machen. Das Land befinde sich in einer großen Krisis und die Hand

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