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Der Orient · 1848-06-10 · Heft 24 (10.6.1848) · p. Seite 188

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 24 (10.6.1848)
Date
1848-06-10
Page
Seite 188 (sequence 7)
Language
German
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188 wir, was Religion und Gewissen uns heißt. Vertrauen wir, denn Vertrauen ist frtc Seele des Lebens. Der emancipirte Jude wird ein anderer sein, als unsere Vorstellung jetzt von dem Juden ist, er wird das sein, was er sein /darf: 'ein aufrichtiger Bruder der Christen, ein treuer Unterthan , ein redlicher Bürger, ein fleißiger Arbeiter und. ein ehrlicher Geschäftsmann.- Wir Christen aber machen durch seine Emcümpation ein tausendjähriges Unrecht gut. Ein Christ und Mitglied des kirchlichen Vereins in Leipzig. Leipzig, 30 Mai. In der gestrigen Versammlung des Kirchlich enVereinö meldete der V orsitzende Dr. Zille, daß mehre auswärtige Laien und Geistliche dem Vereine sich angeschlosscn haben, indem sie dessen Tendenzen thcilen. Hieraus erstattete Prof. Dr. Thcile Bericht über die Anordnung der religiösen Feier für alle Religionsbekenntnisse, welche bei Eröffnung des deutschen Parlaments hätte stattfinde n sollen, über die Schritte, die der einstweilige Ausschuß zur Verwirklichung derselben gethan hatte und über die Gründe, die den Ausschuß veranlaßt hätten, vor: dieser Feier jetzt ganz abzuseheu. Nach einer längern' Debatte, an welcher sich die HH. Prof. Jörg, HaltauS, Fricke, Jellinek und mehre Andere betheiligten, beschloß die Versammlung auf einen mit Beifall aufgenommenen Antrag des Hm. Kohner, dem Ausschüsse, dem hiesigen Stadtrathe und den Ministern in cvangelicis einen Dank zu votiren, sowie die entschiedene Misbilligung über die Störung der religiösen Feier zu Protokoll zu nehmen. Nachdem Dr.'Zille der Versammlung für ihre friedlichen nnd versöhnlichen Gesinnungen lebhaft gedankt und eine Feier für den Schluß der Constituirenden Versammlung in Aussicht gestellt, sprach Prediger Jellinek über einen in den Jahrbüchern der Gegenwart erschienenen Aufsatz von Dr. Strauß, die Judenverfolgungen betreffend, suchte mehr Mioverstäuduisse in Betreff alter und neuer Juden, des Talmuds und der gemischten Ehen zu beseitigen und machte - besonders den Satz geltend: So wenig das Christenthniu Schuld daran ist, wenn einige Christen ihre Hand zu blutigen Judenverfolgungen bieten, da es Liebe und nicht Haß lehre, mit bcru-fd6cn Rechte verlange er, daß man schlechte Handlungen einzelner Israeliten nicht auf Rechnung des Jndenthumrs mit» der Judenheit stelle. Mit Nachdruck wies er darauf hin, wie gerade die orthodoxen Schriftstellers unter den Juden es aussprcchen, sie wünschten,- daß das Evangelium der Liebe reine Wahrheit würde, und von jedem Haffe gegen das Chrkstenthüm fern sind. Nachdem der Vorsitzende noch auseinandergesetzt, wie die gegenseitige Anerkennung und Achtung ein freudiges Zeichen der neuen Zeit sei, wurde die Sitzung geschlossen. (D.. A. Z.) O e st e r r e ich. Wierr, 20. Mai. Auch unser Prediger Ma n nheimer hat den rauschenden Flügelschlag einer neuen Zeit besprechen und wir heben ans einer int Drucke erjchienencn Predigt folgende ergreifende Stelle heraus: ,,Was nun zu thun sei für uns?'Für uns? Nichts! Alles für Volk und Vaterland, wie Jhr's in den letzten Tagen gethan. Unter den Ersten , die das Wert ergriffen -nnd geführt in den stürmischen Tagen, waren die Inden! Unter dein Ersten, die gefallen ans der blutigere. Statte, dort vor dem Hanse, wo die Stände des Reichs das Heil berathen —"werden, ein Jude! Wir haben gekämpft für sie! Nur zn! immerfort l Jetzt nichts für uns! Kein. Wort von Juden-Emaneipation , wenn es nicht Andere sprechen für uns! Kein Wort! das löbl. Jndenamt soll fortbesteh'n in seiner Gloria! Die jüdische ,, Lichterzündsteuer" in ihrer Gloria! Das böhmische und.mährische Familienwesen mit seinen wilden Ehen in seiner Gloria; sie sind geheiligt vor Gott, wenn auch verworfen vor den Menschen! Soll alles so fortbestehen, ein Zeichen und Denkmal des alten Regimes, der Herrschaft der Gewalt. Wir haben uns dessen nicht zu schämen, wenn sie sich dessen nicht zu schämen haben, die die Wortführer, Machthaber und Helden des Tages sind. Wir haben mit ihnen gekämpft, und wehe dem Juden, der die Hand zurück zieht vom Werke, oder ,,des Herrn Werk trüglich betreibt." Aber kein Wert, kein Schritt für uns. Keine Petitionen, keine Bittschriften, keine Bitten und Klagen um unser Recht, wir haben genug dreißig Jahre lang gebeten, fußfällig die Hände erhoben! Nichts mehr da! Wir nehmen und tragen jetzt ruhig unser Geschick; erheben nicht eine Hand für unser Recht; bewegen nicht einen Fuß für unser Recht! Erst das Recht als Menschen zu leben, zu athmen, zn denken, zu sprechen, erst das Recht deö Bürgers, des edlen freien Bürgers in seiner Berechtigung, in seiner würdigen Stellung, — nachher kommt der Jude! Man soll uns nicht, vorwerfen-, wir denken immer und überall und zunächst an uns! Wir sind die Leidenden in jedem Falle; wo die rohe Gewalt einbricht, bricht sie gegen uns ein; wo die Gewalt der Herrschaft reagirt, reagirt sie gegen uns! Alle Beschränkungen über uns, alle Ausschließung über uns. Thut nichts I Auch unsere Zeit kommt imb bleibt nicht entö l Lasset die Geister gewähren, schließt Euch den Edleren und Bessern im Volke an. Stimmet überall, wo Ihr berufen und nicht berufen seid, für Recht und Freiheit, Gesetzlichkeit in der vollen Bedeutung. Betheitigt Euch an nnd bei elften Bestrebungen , die das eine große Ziel fördern können; die Freiheit und Ehre des Vaterlandes! Die über Alles und vor Atteln! Im klebrigen walte Gott!" Ans Mahren, 22.Mai. (Offener.Brief). Ich habe mich mm einmal zum Ritter meiner Lands-

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