Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1848)
- Date
- 1848-06-10
- Page
- Seite 186 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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soll aber die Juden nicht' beirren^ ,,Fre i h e i't: U N d Ordnung" sei-ihr Panier. Um aber die alte Allgsburgerin nicht zu stören , wünschen mir ihr eine'angenehme Ruhe und eine lange Nacht; die Inden waren von jeher für den l a n g e n Ta g l Ad^ Jellinek. Deutschland. Dresden,' 28. Mai.' Gestern wurde in unserem Tempel die Eröffnung der Constituirenden Na-tionatverffammlung zu Frankfurt gefeiert. Zuerst trug unser Chor Ps. 67 und 85 vor, dann folgte die Festrede von Oberrabbiner Dr. Frankel, und zum Schluffe wurde Nr. 245 aus Johlsohn's Gesangbuch gesungen. Die Festrede verbreitete sich über Lev. 26, 6 und unser Oberrabbiner/legte in .höchst angemessener 'und gelungener Weise dar, wie der Friede.der sicherste Pfeiler der Freiheit sei und wie die innere Ruhe der Freiheit vorangehen muffe. Die Feier machte einen tiefen Eindruck auf das aus Juden und Christen bestehende Publikum, da unser Tempel sehr oft Christen in seinen.Räumen sieht. Wir haben aus voller Seele das Krönungsfest der deutschen Einheit gefeiert, fühlen, leiden und freuen uns mit dem deutschen Volke; allein, der elende Zunftgeist, das kleinlich-neidische Krämerwesen macht sich jetzt in hiesigenLokalblättern breit. Während man in Berlin nicht ein Inserat gegen die Juden gelesen hat, kann unsere Residenz ihre alter; Vorurtheile nicht ableg en. Im Angesichte der großartigen deutschen Bewegung wagt man es noch, an der Freiheit zu mäkeln und zu feilschen und die ersten Schacherer sind wahrli'ch diejenigen, die nur für sich allein Privilegien eintanschen wollen. München, im Mai. Am 22. Jan. d. I. las Prof. Dr. Kunstmann über die Rechtsverhältnisse der Juden in Spanien und Portugal und die Ursachen ihrer Vertreibung aus beiden Ländern. In den nach dem Untergange des westgothischen Reichs auf der pyrenäischen Halbinsel entstandenen christlichen Reichen hatten die Juden Vorrechte und Begünstigungen erhalten, deren sie sich in den übrigen Staaten des Abendlandes mit Ausnahme von Polen nicht zu erfreuen hatten. Sie scheinen eigene Rechtsbücher gehabt zu haben und in beiden Ländern bildete sich eine ihnen eigenthümliche Gemeindeverfassung aus. Jedoch kann Misbrauch der ihnen erteilten Privilegien nicht als Ursache ihrer Vertreibung aus Spanien gelten; mehr die Erfahrung, daß es Christen gab, welche sich zum Judenthum hinneigten (judaizabant) und durch Umgang mit Juden von ihrem Glauben abfielen, veranlaßt das von Granada ans vom 30. März 1492 erlassene Vertreibungsedikt; vielleicht sollte es mehr'ein Mittel' zu einer allgemeinen Bekehrung der Juden: sein; diese aber, erfolgte nicht und über 400,000 verließen das Land'. Vielen ertheilte König Johann II. gegen Erlegung eines Kopfgeldes einen intcrmistischen Aufenthalt in Portugal. Aber Johann's Nachfolger, Emannel, erließ? im Decembev 1496 ein Edikt, kraft dessen er außer den spanischen Zuzüglern auch die einheimischen Juden ans seinen Staaten entferntem Damals ließen sich allerdings viele taufen; die meisten aber zogen nach- Afrika!' in die porUlgiesischen Kolonien. Als diese unter Johann III. im Jahre 1580 aufgegeben wurden, verlor Portugal mit ihnen, die. letzten seiner an Zahl so bedeutenden jüdischen Unterthanen. Leipzig, 2. Mai. (Leipz. MM.) (En tscheid u n g der Inden - E m a n c i p a t i o n s fr a g e i n höchster und letzter Instanz.) Um dem erbittern den Federkriege wegen der Stellung der Israeliten im Staate Einhalt zu thnn, wird es nothwendig; sein, daß wir die Sache vor die höchste Instanz zur.Entscheidung bringen, welche hier, wie in allen Angelegenheiten die Religion oder das Gewisser; ist. Wo die Religion Gesetze vorschreibt, da darf keine Ausnahmestattfindenda muß jedes Bedenken verschwinden. Ohne die unzähligen Aussprüche der Schrift", welche die Anerkennung und gleiche Berechtigung aller Menschen im Reiche Gottes, in der großen Familie seiner Kinder auf Erden unbedingt fordern, besonders hier anznziehen, hätten wir uns nur an das allgemeine Prinzip, an den Geist der Religion resp. des Christentums. Das christliche Prinzip ist das Streben nach allgemeiner Verbrüderung der Menschen in der Liebe und Freiheit der Kinder Gottes; der christliche Geist ist eben dieser Geist der Freiheit und der Liebe gegen Jedermann, er sei ein Grieche oder Jude, ein Knecht oder Freier. Wer dem Juden seine Menschen- und Bürgerrechte, ans welchem Grunde es auch geschehen mag, vorenthalten und verkümmern will, ist nicht ergriffen, nicht durchdrungen vom Geiste des Christenthums, ist nicht Christ, sondern Belials Diener; denn wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein, der Geist Christi aber ist der Geist allgemeiner Bruderliebe. Wer also eine ganze Gesellschaft von Menschen zurückgesetzt sehen will, ist kein Christ und kann daher auch nicht in der Reihe der Christen stehen und gegen Nichtchristen kämpfen. Jeder feindliche Angriff-gegen die Juden ist ein Angriff auf das Christentum selbst. Das Judenthum ist ja im Christenthum e mit inbegriffen, ist ein wesentlicher Bestandteil, ist die Grundlage desselben. Ohne Judenthum kein Christenthum. Unsere Bibel ist verfaßt von Juden; unser Heiland und die Apostel, wie auch die meisten der ersten Christen, waren von Geburt Juden; die zehn Gebote Mosis betrachten die Inden wie die Christen als Gottes Gebote; Christus ist ja nicht