Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1848)
- Date
- 1848-06-10
- Page
- Seite 185 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken Neunter Das Abonnement auf ein Zahr ist 5, Lhlr. Manabonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf em Jahr. für Wische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar . an jedem Dienstag regelmäßig.' *848. Leipzig, dm isi, Inhalt« Die Juden in Oesterreich.!X. — Deutschln n d. Dresden. Religiös-politische Feier. Residenzzopf« München. Historisches.. Leipzig. Entscheidung der Judenfrage in letzter Instanz. Leipzig. Verhandlungen des ,,kirchlichen Vereins". — Oesterreich. Wien Mannheimer über die Angabe der Juden Aus Mahren. Vertheidigung Hirsches. — GroHbritannien. London. Die JudenbiU. London Englische Journale über die Judenbill. — Polen und Rußla nd. Wilna. Gesetze. Armuth und Auswanderung. Josef Vehr. Schulwesen. N. I. Wunderbar. — Gedicht zum' Wochenfefte. ^— LB. d. O'r. , * . . . Die Juden in Desterreich. IX. Man klagt die Juden an , daß sie sich als ein ,,au§erwählteS Volk^ betrachten. Man macht sie dazu. Für die Juden hat man besondere Kriterien, besondere Maaßstabe, besondere Kategorien, als wenn sie in der That die Schoeßkind.er der Geschichte wären. Als das sogenannte ,,junge Deutschland" in jugendlicher Tollkühnheit sich zu überstürzen begann, stempelte es Menzel zu einem jüdischen, indem ein gut christliches Gemüth nicht fähig sei, die jnngdentschen Ideen in sich anszunehmm. In.unserer Gegenwart, wo auf der bewegten Oberfläche der Geschichte.Extreme zum Vorschein kommen, wo die Einen, gleich dem ersten Adam nach der jüdischen Sage, zwei, Gesichter tragen, das eine der Vergangenheit, der todten und abgelebten zugewandt, das andere auf die Zukunft ängstlich gerichtet und des Schwerpunktes für daö tharkräftige Handeln beraubt; wo die Andern, jungen Titanen gleich, Alles erstürmen und -erobern mochten, ohne das Kommando des Fortschritts Gesetzes abznwarten —' in dieser tiefbedäch-, ligcn und hochverrätherischen Zeit sollen , es wieder die Juden sein., welche, als Apostel der Anarchie, als Jünger des neuesten Bundes/ als Herolde der Revolution den Aufruhr predigen« Sv ist es wenigstens in der A» A. Z. zu lesen. Diese grite Alte kann nämlich den scheelen Blick auf die Juden nicht lassen und berichtet aus Wien, daß alle aufrührerische Plcckate an den Straßenecken von Juden hcrrührcn. Die gute Augsbnrgerin wußte viel von dem jüdischen Depntirten Veit in Berlin, von dem Erzrevolutionär Dr. B. in Wtainz, .,,der ein Israelit" ist, zu erzählen; warum soll sie nicht die. Schattenseite der Wiener Bewegung ans Rechnung der Juden schreiben? — Hat die Erhebung der Freiheit in Wien ganz Deutschland in Erstaunen gesetzt, so haben Wiener Juden nicht weniger überrascht. Männer wie Dr. Goldmark— der ,,Robert Blum" Wiens — Dr. Fi sch hos, Dr. kluger, Dr. L. A. Frankl u. A., leiten die'Bctveguug und kämpfen für die Freiheit Oesterreichs. Das ist der Augsburger Dame zu viel, und sie schiebt alle ausrührische Versuche den Juden ins Gewissen: Erkjärl mir. lieber Cotta nur * Diesen Zwiespalt der Natur. Als, es sich um Zulassung der Juden zum Militärdienste handelte, waren die Inden muthlos und feige; jetzt sind sie alle Wort-, Schwert- und Barrikadenhelden, jetzt sind sie die Revolntionsprediger im Dome der jungen Freiheit! Es geht den Juden wie jenem Alten in der Fabel, dem die junge Frau die weißen Haare, die alte die schwarzen auSrauste. Reaktionäre verschreien die Juden als das perpeliuun mobile der Revolution, Männer des Fortschritts sehen in den jüdischen Geldmännern den Hemmschuh der Freiheit» Das möge und 24