Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 23 (3.6.1848)
- Date
- 1848-06-03
- Page
- Spalte 355-356 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Kritiken. Israelis Iesod Olam. 355 diese Bestimmungen für den ganzen Cyclus erkannt werden. Nach diesem werden die Lekufot (Samuel's und Adda's) besprochen, und die gegen dieselben zu erhebenden Einwände beseitigt. Die vier letzten Kapitel beschäftigen sich mit der Berechnung des. wahren aus dem mittleren Orte der Sonne und des Mondes, mit der Berechnung der Sabbat- und Jobeljahce, mit der Darstellung der verschiedenen Aeren, besonders der christl. und muhammed., endlich mit einer kurzgesaßten Zeittafel der jüdischen Geschichte. Der fünfte Abschnitt enthält Tabellen nebst Gebrauchsanweisungen." Was nun die Ermöglichung der Herausgabe anlangt, so hat Hr. Löw Rosenkranz dabei durch seine unermüdliche Lhätigkeit und durch große Opfer sich ein großes Verdienst um die Realisirung erworben, und obgleich zu Anfang des Drucks der Subskriptionspreis nur auf zwei Lhaler gestellt wurde , so ist doch jetzt, nachdem das Werk durch Tabellen und Holzschnitte umfänglich und theuer geworden, die Festsetzung des Ladenpreises auf vier Thaler nicht unmäßig, und es wäre sehr zu wünschen, daß der Editor nicht zu Schaden käme.' Ueber Ton und Eigenthümlichkeit des Werkes spricht sich Hr. Ca sse l in der erwähnten Einleitung genügend aus, ebenso über die Art und Weise, wie diese Edition veranstaltet würde, und es würde für die Leser dieses Blattes wohl genügenwenn ich seine Worte ungeschmälert herstelle. Sie lauten: „Der Iesod Olam nimmt, was Gelehrsamkeit, Vollständigkeit, Gründlichkeit und Darstellung betrifft, unstreitig die erste Stelle unter den chronol. Werken der Juden ein. Er zngr sich gleich den meisten jüd. Astronomen als Feind jeder abergläubischen, astrologischen Anwendung der Sternkunde, steht zwar völlig innerhalb des traditionellen Judentums, sucht der Sitte der Zeit gemäß neuere Resultate der Astronomie in Bibelversen wiederzusinden, und auffallende Angaben der Lalmudischen Schriften über dahin einschlagende Gegenstände — nicht ohne Glück — deutend zu rechtfertigen, zieht aber doch, wo er nicht eine ganz unbezweifelte Tradition hat, die Resultate neuerer Forschungen — unbekümmert, ob von Juden oder nicht — den überlieferten Angaben vor. (Abschn. 4. c. 15). Die Darstellung ist im Ganzen auf eine musterhafte Weise lichtvoll und verständlich, ja das Bestreben, allseitig und vollständig verstanden zu werden, konnte dem Vers, zuweilen eher den. Vorwurf der Weitschweifigkeit zuziehen. Jedenfalls ist der Verfasser stets seines Stoffes mächtig und das klare Bewußtsein von dem, was und wie er zu liefern habe, konnte auf die systematische Anordnung nur von förderlichstem Einfluß sein» ■ Der dem religiösen Gebiet gehörende Impuls, dem das Ganze sein Entstehen verdankt, blickt an mehreren Stellen des Werkes, obgleich nie auf ungehörige Weise, in fast unwillkürlicher Anbetung des Urhebers und Erhalters einer so großartigen Schöpfung hervorz aber auch die bewundernswerten Resultate, welche dem menschlichen Scharfsinn zu erreichen möglich gewesen, scheinen dem Vers. eines begeisterten, an das Poetische streifenden Lobes würdig. Der Iesod Olam ist in zahlreichen Handschriften in öffentlichen und Privatbiblkotheken vorhanden. Aber obgleich er schon in dem Jahrhundert feines Entstehens vielfach benutzt und stets — wenn auch nicht nach Gebühr — anerkannt worden, gelangte er erst, im Jahre 1778 durch Baruch Sklow in Berlin zur Veröffentlichung. Dieser durch mehrere mathemat. Arbeitenbekannte Herausgeber benutzte dazu zwei Handschriften , hat sich aber dabei einer fast unverzeihlichen Willkür in Betreff des Textes schuldig gemacht.. Nicht nur die unkritische Einschiebung eigener Noten, von denen besonders der erste und zweite Abschnitt wimmelt, treten dem Leser.unangenehm entgegen, auch die Verstümmelung des 4. u. 5. Abschnittes, die fast auf die Hälfte ihres ursprünglichen Umfangs reducirt sind, und das gerade an wichtigen und interessanten Partieen, forderte zu lebhaftem Bedauern über das Schicksal dieses vorzüglichen Werkes auf. Das Vorhandensein eines Manuskripts des.Iesod Olam im Besitz des Hrn. Dr. M. Sachs in Berlin leitete Hrn. Goldberg darauf, es von neuem zu veröffentlichen. Die Abweichungen, die dasselbe von dem gedruckten Text auch in den nicht verstümmelten Partieen zeigt, führen indeß mit Sicherheit zu der Annahme, daß vom Verfl selbst eine doppelte Recension seiner Arbeit ausgegangen, was auch durch Abschn. 4. c. 14. p.27d bestätigt wird. Da dies Manuskript ebenfalls an Unkorrektheit und Unvollständigkeit (es fehlen oft fast ganze Kapitel, z. B. im 6. u. 12. Cap. des 3. und im 3—6. Kap. des 5. Abschnitts) leidet, so mußte mir bei Redaktion des Textes der drei ersten Abschnitte der gedruckte Text nicht blos ein beratendes, sondern auch notwendiges, oft das einzige Moment sein, während ich mich bei indifferenten Abweichungen gewöhnlich an die Lesart des Manuskripts hielt. Aehnliche Principicn habe ich bei der kritischen Durchsicht des 4. u. 5. Abschnittes, deren Resultate dem Werke beigefügt sind, befolgt. Die auszügliche Uebersetzung konnte sich natürlich nur auf die Wiedergabe der wichtigsten Momente beschränken, und hat solche Leser im Auge gehabt, welche mit Unkunde des hebr. Textes Kenntniß des Gegenstandes verbinden, und daher an der oft nur mit Andeutungen sich begnügenden Kürze keinen Anstoß nehmen können." Zum Schluß mögen noch die Worte des Hrn..Rosenkranz hier stehen, insoweit sie die äußere Geschichte dieser Ausgabe betreffen: „Zu Anfang des Jahres 1816 verband ich mich mit Herrn B. Goldberg zur Herausgabe des Iesod Olam, wobei Herr Goldberg die Redaktion des Textes u. s. w., ich die Veröffentlichung des Werkes übernahm. Wir fingen mit dem 4. und 5. Abschnitt an, weil wir diese für die interessantesten und dem Werke mehr Abnehmer verschaffenden hielten. Dieser erste Theil des Werkes mit einer auszüglichen Uebersetzung des 4. Abschnittes durch Herrn Dr. D. Cassel erschien im April 1846. Umstände, deren nähere Auseinandersetzung nicht hierher gehört, waren Veranlassung,