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Der Orient · 1848-06-03 · Heft 23 (3.6.1848) · p. Seite 181

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 23 (3.6.1848)
Date
1848-06-03
Page
Seite 181 (sequence 9)
Language
German
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181 die ohnehin schon durch die Zeitvcrhältnisse hervorgebrachte Aufregung noch steigerten. Die, wie es hieß, .von Juden verbreiteten Flugblätter riefen ein Pamphlet gegen dieselben .hervor, worin -gegen die Emaneipation der Juden protesttrt wird. Als nun gegen diesen Aufruf in der ersten Nummer der Zeitschrift ,,D.Le Gegenwart^/ ein empörender Artikel von-Dr. mcd. Ring am. 1. Mai erschien, da.nahm die Erbitterung.gegen die Juden, welche eine abscheuliche öffentliche Aeußerung eines Einzelnen in den letzten Tagen noch.gesteigert hatte, immer mehr zu. Gegen Abend bildeten sich hier und da Volks-. Haufen, die sich bald vergrößerten und nach und nach den Marktplatz anfnlltcn. Große Menschenmassen verbreiteten sich durch die ganze .Stadt-. suchten vergeblich den Dr. Ring ^und warfen dann an den meisten jüdischen Häusern viele Fensterscheiben ein, brachen irr einige jüdische Läden ein und eigneten sich Manches daraus, zu. Erst als gegen 10 Uhr das Militair requirirt worden war, gelang es um Mitternacht , die Ruhe widerherznstellen. Blut war dabei nicht vergossen worden, wohl aber hat man mehre Personen festgenommen. Gestern nahmen die Dinge eine säst noch drohlichcre Gestalt an. Den ganzen Tag sah man auch viel Volk sich in der Stadt und Umgegend.umhertreiben,' gegen einige jüdische! Einwohner (die meisten derselben, hielten.ihre Verkaufs-, lokale geschlossen) fingen sich um den Mittag .die Excesse zu erneuern an. Aber es wurden umfassendere Maßregeln ergriffen; so ist nichts Bedeutendes vorgefallen, was besonders der Thätigkeit des Militairs zu verdanken ist. Nichtsdestoweniger darf die besonders von , außen drohende Gefahr als keineswegs beseitigt angesehen werden. Die hiesige Bevölkerung wird nach der erfolgten Abreise deö Dr. Ring .die Ruhe wohl nicht mehr stören, besonders auch, wenn ,,Die Gegenwart^ nicht mehr, erscheint. (Brest. Z.) Posen, 22. Mai. (Antwort der Posen er Israeliten au ihre G l aubensgeuo ssen ui Krakau ) Israelitische Brüder in Krakau! Mit vaterländischem Misfatteu haben wir eure!: aufreizenden Aufruf gelesen (s. v. Nr.) und mit Entrüstung müssen wir den zu uns herübertönenden Ruf abweisen. Ihr mahnt uns, Polen als Vaterland zu lieben und für dasselbe zu kämpfen, weil Polen uns in .den barbarischen Jahrhunderten des Mittelalters ein Asyl gewährt, weil seine Söhne in der letzten Phase der Geschichte gleiche Leiden zu ertragen haben und weil Polen allein unsere Befreiung will. Aber Ihr werdet es selbst wissen, daß die heilige Vaterlandsliebe, das imzerstörbare Bewußtsein, in einer Nationalität zu wurzeln, weder durch Dankbarkeit, noch durch Aussicht auf geistige und materielle Vortheile gchenunt oder gemindert werden kann und darf. In früheren Jahrhunderten aus Deutschland in das Großherzogthum Posen eingcwandert, haben wir weder die Sprache deS Stammlandes noch die innige Liebe zu demselben jemals aufgegeben, und hat uns auch unser deutsches Vaterland in jenen finstern Jahrhunderten exilirt, hat cs uns auch verfolgt und des Glaubens wegen von sich gestoßen, so hat doch keine Macht der Erde die heiße Hiebe zu unserem- Deutschland entwurzelt. ‘ Erzogen von deutscher Kultur .und Gesittung, in seiner Sprache einzig und allein redend und seinen Geist in uns.-aufnehmend, haben wir stets nur mit Deutschland gefühlt, bei seinen Leiden getrauert, bei seinen Freuden gcjubelt, wie auch Deutschland uns als Stiefkinder mishandclt haben mag. DaS Bewußtsein einer nationalen Angehörigkeit ist so göttlich-räthselhaft wie das Gewissen, die.Vaterlandsliebe ist ebenso uneigennützig als undankbar, und weder die ' G l au b en sge n offen sch aft nc| der Kosmopolitismus vermögen sie in der großen.Mehrheit zu unterdrücken. Wenn Ihr Euch in Kultur und Sitte Polens hinein- : gelebt und für die Erhebung dieses tiefgeknechteten Polens eine heilige Begeisterung Euch durchzuckt, so werdet . Ihr unsere Liebe zum deutschen Vaterlande zu würdigen verstehen. Nur wer Vaterlandsliebe hat kann Vaterlands-' , liebe begreifen. Breslau, 18. Mai,. Bemerkenswerth ist das bis jetzt in seinen Ursachen uns noch nicht ganz erklärliche Bestreben gewisser Leute, -das Volk. zu Ercessen gegen die Juden aufzuhetzen. In einigen Städten Oberschlesiens ist ihnen . ihr Bestreben leider gelungen - und hat bereits die traurigsten Excesse veranlaßt. Seit einigen Tagen suchen sie ein Achnlichcs auch Hier in .Breslau hervorzurnfcn. Da war bald ein Plaeat: ,,Nm keine Jndenemancipation^, an den Straßenecken anges schlagen, bald suchten einige, bis jetzt leider noch'nicht entdeckte Personen die an den jetzigen mondhellen Abenden aus den Straßen und Plätzen der Stadt zahlreich umherwandelnde Menge zu Tätlichkeiten gegen die Juden anfznreizen; doch Dank dem gesunden Sinne des Volks, alle diese Wühlereien haben bisher, mit Ausnahme weniger Falle, in denen einige für Inden gehaltene Personen gemishandelt worden sind., noch keinen weitern beklagcnswerthen Erfolge gehabt. (D.A.Z.) Breslau, 18. Mai. Nachdem wir miigetheilt haben, daß in der hiesigen jüd.isch en^G em einde der Gedanke angeregt worden sei, die goldenen und silbernen Gerathschaftm der Synagogen dem Staate als freiwillige Anleihe zu übergeben, ist dieser bereits vor einigen Tagen von der Gesellschaft der Brüder in Ausführung gebracht worden, indem diese die silbernen Gefäße der großen Synagoge, im Gewicht von ungefähr 100 Mark der hiesigen Negierung abgeliefert hat. (Brest. Z.) . . Di?esöen, 20. März. Mit welchen Waffen die Sache des sogenannten k i r ch l i ch e n Vereins in Leipzig neuerdings vertheidigt wird, das macht der in Nr. 141 befindliche Aufsatz offenbar. Hier wird durch absichtliches Verschweigen der wichtigsten Thatfachen die

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