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Der Orient · 1848-06-03 · Heft 23 (3.6.1848) · p. Seite 180

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 23 (3.6.1848)
Date
1848-06-03
Page
Seite 180 (sequence 7)
Language
German
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180 baren und für das allgemeine Wohl beseelten Israeliten, dos Hrm J.-Ä. Borchardtzu Jastrow ein Vormund gesetzt, -welcher den Findlig, wie uns brieflich mitgetheilt wurde--^einstweilen iw sein Haus! genommen , um ihn späterhin Ln Gemeinschaft mit einigen andern,sich dafür mteressirenden Familienvätern ein Handwerk erlernen zu lassen und so für sein weiteres Fortkommen Sorge zu trägem Möge der Findling MoseS> welcher nun auch einen Familiennamen und das Staatsbürgerrecht erhalten wird/ ein guter Mensch und ein frommer Israelit werden, und möge-der Herr, der die gute That so reichlich, vergilt/ es den ^Männern in Jastrow lohnen, was sie an dem Knaben' gethan ünd noch' thnn werden; uns-Alle aber dmöge der Vater droben recht bald einer Zeit zuführen, -wo^ der Jude'nicht mehr 'mit Schranken umgeben. sein/ Wo unftre Religion, deren Geburt wir nun bald wieder feiern, nicht mehr von der Wucht veralteter Ausnahmsgesetze niedergedrückt werden, sondern Mer alte > mosaische Grundsatz: „E i n. G e sctz u n d Mm Rech t für Alle! endlich zur Geltung'kommen und so dasrosenfarbme Band der Liebe und Eintracht alle Menschen, wes Glaubens und Standes sie auch' feien, umschlingen wird! — Dm versprochenen Berichtüber das' Gemeinde-- und'Schulwesen des marienwerderschcn Departements (ft Nr. 14 d. Bl. den Artikel -aus Jastrow), so wie, wenn es Ihnen Herr- Redakteur genehm ist, einen ähnlichen über Pommern wills Gott das nächste Mat. ■' SB—CL Anklnm, 18. Mai. Wenn/auch in unserm lieben Pommer^r der ehrwürdige alte deutsche Zopf noch immer nicht gänzlich geschwunden ist und es der Herren noch Viele giebt, die dermaßen von ihm betastet sind, daß sie sehr guteinen 'Lei b fri senr gebrauchen könnten: wenn auch hier zu Lande namentlich in Neu- V orp o mm er n der ch r t st ti che S t a a t, durch dessen Vertheidigung sich Hr. Minister Eichhorn — gerade vor einem Jahre um diese Zeit1 — unsterbli ch gemacht, noch hier und da umherspukt und man noch hie und da durch „m o d er n -p i eti sti schp h i l o so p h ische Doktrinen den Wahn zur Wahrheit und den Schein zum Recht zu erheben sucht", so ist es anderseits^ erfreulich und erhebend, wenn man sieht, wie das .Licht der Humanität und Aufklärung dennoch immer mehr Raum gewinnt und die düstere Intoleranz, die wie ein Gespenst zwischen Mensch und Mensch sich lagert und das Band des Friedens und der Eintracht zerreißt,/immer mehr verscheucht und verbannt, und daß die Reihen der Dunkelmänner immer mehr gelichtet werden und dagegen die der Wahrhelts- und Freiheitskämpfer auffallend zunehmen. Als Beleg hierzu 1) Die bekannte Rede zur Vertheidigung des „christlichen Staats" hielt H.r. Minister Ei ch ho r n am 19. Mai 1847! erlauben 'ivi'r uns hier einige Zeilen folgen;u lassen, die wir einem Aussatze, „der Märzkämpfe betitelt, entnehmen/ der in beiden - hier erscheinenden Blättern abgedrnck't war'und anö der Geder-eines sowohl durch fein Rednertalent, als durch seine Humanität allgemein geachteten Mannes, des- Herrn O.L.G.'Assessor Gaede, der zugleich Vorsteher des hier bestehenden konstitutionellen Clubs ist, geflossen. Diese Zeiten lauten also: „Wann ist die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte von dem religiösen Glanbenöbekenntniß unabhängig geworden? Auf dem ersten vereinigten Landtage vertheidigteu die Minister deS Königs das Prinzip des christlichen Stantsr - Weder' die Schärft' des Geistes noch die spitzigen Pfeile-des Witzes vermochten'die intoleranten H err en des G l au b e n s zu überzeugen. Der Staat'sollte christlich bleiben, und daS Land wurde heimgesucht mit dem Gesetze vom 23. Juli 1847 über die Verhältnisse der Juden. Allein die Vorsehung hatte es anders beschlossen'. Der Kampf brach aus und -die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte ist fortan vom religiösen Glauben unabhängig. Aus ihrem Paradiese verscheucht mögen -nunmehr die Herren des Glaubens in christlicher Liebe und Demnth darüber' Nachdenken) 'ob der Ausspruch Friedrichs des Großen,-daß Jeder auf seine Faeon selig werden könne eine Wahrheit fei.-- Was mag wohl Hr. v. Thadden, dieser--liebenswürdige Pommcraner, der mittelst des Heren-Einmaleins aus Göthes „Fauste beweisen wollte, warum jüdische Lehrer christliche. Kinder im Rechnen nicht unterrichten dürfen, hierzu sagen? -— Doch — tempora'mutantur et nos matamur in illis — heute mag er sich' eines Bessern besonnen haben und damit einverstanden sein, darum .kein Wort mehr davon. — Was unsere - Stadt im Allgemeinen betrisst, so wird, die Annäherung zwischen Inden und Christen immer größer, cs sind die hiesigen Israeliten sowohl am konstitutionellen Club, als auch an der Bürger>vehr betheilrgt und bestnden sich in Letzterer in der Person eines achtbaren Gcmeindemitglieds (des Hrn. Schlesier) ein jüd. Offict c r und in der Person des hiesigen Kantors, ein jüd. Unteroffieier. Es ist dies zwar nicht von sonderlicher Bedeutung, aber man muß bedenken, daß hier unter c. 10,000 Einwohnern nur 40 jüdische Familien sind und daß wir in der Nähe einer Gegend wohnen, wo sich die Juden früher^ gar nicht aufhalten durften. W—ll. Gleiwitz, 3/ Mai. Der erste Mai, der Tag der Urwahlen, hat hier mit bedauerlichen Excessen geendet. Es konnte schon längst Niemandem entgehen, daß die mehr oder weniger aufregenden und zum Theil auch in polnischer Sprache verfaßten Flugblätter und die Volksversammlungen mit ihren ungemesseum Reden 2) D. h. vor dem 23. Juli 1847.

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