Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1848)
- Date
- 1848-05-27
- Page
- Seite 174 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ehre der deutschen Nation, diesem großen VolkederJntelligenz und Biederkeit! Aber in ihren Augen selbst müßten wir Israeliten unZ erniedrigen, wenn wir alles Gefühl fürs Vaterland, alle Dankbarkeit,, alles Mitleiden mit unfern so .unglücklichen nordischen Brüdern außer Acht lassen möchten, und nur momentanen Interessen huldigten. - , Die edle polnische Nation, welche so großmüthig um unsere völlige politische Gleichstellung bei Sr. k. k. Majestät petitionirte, verdient wohl manches Opfer, verdient wohl, daß man ihretwegen leiden möge die Geburtswehen einer heraiinaheuden glücklichen Zukunft. Darum auf, Brüder l Scheuen wir' keine Anstrengung', kein Opfer um diese heilige Sache, und zeigen wir der Welt, daß noch in unfern Andern rollt das Blut der Makkabäer, und daß auch.unser Herz wie das unserer Vorfahren warm schlägt für alles Gerechte, Edle und' Erhabene. -Ol komme über uns die Huld Gottes und unsere. Thatcn gelingen durch ihn. Amen. Frankreich. Paris, 12. Mai. Die Frage über-die absolute Trennung. der Kirche und des Staats und als deren Konsequenz die Unterdrückung des Kultusbudgets wird voraussichtlich zu heftigen Debatten in der Nationalversammlung Veranlassung - geben/ Die Tagespresse hat sich schon jetzt des Gegenstandes .bemächtigt und' eine Polemik begonnen. die immer bitterer wird. Für die Bezahlung des Klerus durch den Staat tritt der ultramontane Univcrs in die Schranken, und in -seinem Gefolge fast alle religiösen Blätter. Sie fragen, mit. welchem Rechte man der. Religion „den letzten Bissen Brot, der ihr geblieben, nehmen wolle"; sie berufen sich auf die Hirtenbriefe der Bischöfe, auf die Entscheidung des Papstes und sogar auf die letzten Wahlen, in denen viele , Katholiken . nur denjenigen Kandidaten ihre Stimme gegeben hätten, welche sich verbindlich machten, gegen die bezeichncte Maßregel zu votiren. DerUnivers fügt aber hinzu, daß im schlimmsten Falle die katholische Kirche Lebenskraft genug besitze,' um auch diesen Schlag zü überstehen. Die protestantischen Blätter sind nicht so stolz, und gestehen mit übergroßer Bescheidenheit, daß die reformnte'Kirche vom Boden Frankreichs verschwinden würde, wenn man durchdie Unterdrückllng des Kultusbudgets .die. Prediger von der- Zustimmung der Gemeinden abhängig .mache. Darauf erwidert der ra/ tionalistische Semeur, der au der Spitze, der Gegenpartei steht,' mit Recht, es gebe dieses Gest.ändniß eine schlechte Meinung von dem Wirken der protestantischen Geistlichkeit , und die Opfer des-Staats seien jedenfalls unnütz, wenn sie nichts als Indifferenz erzeugt hätten. Auch Hr. Lammnaiö verlangt in seinem Verfassuugsentwurf daß der Kultus ferner nicht mehr vom.Staate bezahlt werde, und zeiht den Univerö der/Inkonsequenz, weil er zwar die absolute Trennung der Kirche vom Staate, gleichzeitig aber die Beibehaltung des Kuttnsbudgets in Schutz nehme. Der National giebt zu verstehen, daß er der Meinung des Hrn. Lamennais ist, und die 80ciele pour l’application du clirislianisme aux queslions sociales-tjat eine Petition zum Unterzeichnen ausgelegt, in welche derselbe Grundsatz vertreten wird. . Angeregt wurde der Streit durch eine Stelle in dem Berichte des Hm. Lamartine (in'dem ersten, den er im Namen des Präsidenten der -provisorischen Negierung vorlas), woraus man abnehmen darf, daß er .das Princip der absoluten Trennung der Kirche vom. Staat adoptirt hat. Einen Kommentar dazu findet man in der Schrift des Hrn. Lamartine: ^/JL’elat3 Fenseignement et Feglise.“ Es heißt dort: „Wenn man bedenkt, daß dieser Misbrauch (die gegenwärtigen Verhältnisse) zu" gleicher Zeit' die Unterdrückung des Gewisseils, die Lüge des Unterrichts, die Herabwürdigung des Staats, die Abdankung der Vernunft, das Verderben der Seelen und die Ausrottung der Moral unter zahlreichen Geschlechtern ist; und wenn, man dabei überzeugt ist , daß das religiöse Gefühl der Mensch selbst, daß Gott der Grund aller Dinge ist, und daß.die menschlichen Gesellschaften keinen andern Zweck haben, als durch die Aufklärung und die Tugend bis zu Gott zu gelangen, ihn zu verkündigen und'ihn: zu dienen, dann nimmt man keinen Anstand und sagt dem Lande/ was man für die Wahrheit hält: In Sachen des Unterrichts itnfc der Religion sind wir im Fälschers, weil wir nicht in der Freiheit sind. Wir hindern, uns, wir legen uns Zwang an, wir unterdrücken unS gegenseitig, und ütfccm wir uirs unterdrücken, unterdrücken-wir etwas Heiligeres als uns selbst, die Wahrheit! Ja, die göttliche Wahrheit unterdrücken wir in unsererfalschen Umarmung, wir opfern Jeder einen. Theil von ihr in unserer scheinbaren Eintracht. Wir müssen sie gänzlich opfern, oder uns trennen-. Es giebt fernen Mittelweg, Gott leidet in uns." Wenn ein Mann in der Stellung des Hrn. Lamartine so spricht, dann kann über bic Folge, die er seinen Ansichten zu geben sich bemühen'wird, fern Zweifel herrschen. Die Liberte, welche Partei gegen den Univers nimmt, giebt bei dieser Gelegenheit folgende Notizen über den seit dem Jahr 1806 stets zunehmenden Betrag des Kultus b-udgets. 'Dasselbe belief 'sich im -Jahr 1806 auf 20 Mill., im Jahr 1808 und während des Kaiserreichs auf 24-J Mill„ tut Jahr 1615 aus 26 Mill., im Jahr '1824 auf -30-g- Mill. , im Jahr 1830 aus 37 Ml. Bald nach der Julirevolution ward es auf 35J Mll. redueirt, stieg aber seit dem Jahr 1844 auf 40j Ml.