Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 21 (20.5.1848)
- Date
- 1848-05-20
- Page
- Spalte 329-330 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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329 330 Studien. Die Bolksbibel des Rabb. Sachs. den schlüpfrigen Wegen des Lebens." sind die letzten Worte der Predigt, zu denen der Ref. sein Amen ruft. — Die vierte Predigt, gehalten am Sabbat Rosch-Chodefch Tasria-Mezora, enthält (mit mehrern Anspielungen auf die genannten Sidras) eine Untersuchung: Wie die (Zuflucht) Stätten der Religion si ch dis auf u n s e r e Z e i t verändert haben. Ein kurzer, aber belehrender Vortrag, wie das Iudenthum uranfänglich eine S ra a t sr e l i g ion gewesen (S. 34. 35); wie sie später „einen andern Boden gewann und eine R e l i g i o n de s Volkes, ( S. 36), dann eine Religion der Gemeinden wurde (37. 38) und wie in unfern Lagen die Religion sich in das Haus flüchtet und flüchten soll. „Das Haus, sagt der Vers. (S. 39) muß in unsrer Zeit dem Tempel gleichen, in welchem ein -pon das nie erlöschende Licht der Religion leuchte, in dem (welchem) ein Altar errichtet sei (werde), auf welchem ein beständiges Feuer brenne, ohne zu verloschen." „Das Gotteshaus darf nicht als Vorwand gebraucht werden, um das religiöse Leben aus dem eigenen Hause zu entfernen; der Tempel des Ewigen ist blos eine Vorhalle für das religiöse Leben im eigenen Hause. Der Verf. kennr die „Schäden des Hauses" und will sie „priesterlich" zu heilen suchen. (S. 39). Der Redner schließt seine Predigt mit der Frage: „Soll etwa das enge Haus die letzte Stätte der Religion sein? und giebt die erhebende Antwort: Nein! sie tritt aus dem engen Raume hinaus, gewinnt den größten Bodens: sie wird eine Weltreligion. Soll aber jene Zeit nicht ausbleiben, so müssen wir die morschen Häuser befestigen, die wankenden unterstützen, die schadhaften (von yjj) reinigen." Und Rec. fügt hinzu: und das Religionsgebäude selbst von den Steinen des Anstoßes befreien, worin der Schaden sitzt und dem Hause eine andere Gestalt geben (Lev. 14, 39. 40), daß es rein werde, dergestalt, daß es in der That von demselben heißen kann: Jsnp'i rbzn m um o 'cD^n bib ll. Das religiöse Leben besonders nach der neuern Umbildung muß unter den Israeliten in Leipzig noch keine sehr tiefe Wurzel gefaßt haben, da sich nur — Eme Konfirmandin zu der heiligen Feier eingefunden hat. Refeferenten mußfe unwillkürlich jene talmudische Behauptung in den Sinn kommen: m.irn &h) DUnnoS üb, „die Tora befindet sich am wenigsten bei Kaufleuten und Krämern". Jndeß hat die religiöse Handlung selbst dadurch nichts verloren, und dem Redner fehlte es trotz dessen nicht an würdevoller Begeisterung. In der Einleitungsrede wird unter Zugrundlegung des inhaltreichen Textes Deut.6, 5—7. Das wahre Verhältnis des Israeliten zu seinem Gott, so wie die Wirkungen dieses Verhältnissesaufeine einleuchtende Weise in Betracht gezogen (S. 8—16). Die Anrede andre Konfirmandin (S. 16—19) ist klar und herzlich. In' der Prüfung giebt die Konfirmandin die Quellen der israel. Religion an. In der Frage: Womit „beschäftigt" sich die israel. Religion, findet Rec. das Wort beschäftigt etwas sonderbar. Die Religions-Lehre kann sich mit dem und jenem Gegenstände beschäftigen; die Religion hat „Gott" und den „Menschen" zum Inhalte. — Die junge Priesterin, wie der Redner einmal die Konfirmandin nennt, weiß in der Prüfung auch von 613 mosaische Vorschriften und zwar nach der bekannten Eintheilung in 365 Verbote gleich den Tagen eines Sonnenjahrs und in 248 Gebote, gleich der Zahl der menschlichen Glieder (hoffentlich haben dem Examen keine Anatomen beigewohnt) , so wie von ry&D NmiNI, p:m NM und zu sagen. Nachdem die Prüfung zu Ende ist (S. 19—23") und bevor das Glaubensbekenntniß abgelegt wird, empfängt sie (nach der im Hamburger Tempel üblichen Weise) den Segen der Eltern. Das G laub ensb ek en ntniß (S. 24) ist kurz, verständig und dürfte bei den isr. Konfirmationen, bis auf die drei Worte: „und die Tradition" (weil dadurch etwas angelobt wird, was selbst der starrgläubigste Jude nicht zu halten vermag) sehr zu empfehlen sein. Das Schlußgebet der Konfirmandin, so wie die Schlußrede des Predigers (S. 25—32) krönen das schöne Ganze. Möchte der reichbegabte Verf. die homiletische Literatur mit Gaben dieser Art und in diesem Geiste recht oft zu bereichern suchen! lieber die Bolksbibel des Rabb. Sachs. (Schluß.) Da bindet er an Weinstock sein Füllen, An edle Reben seiner Eselin Sohn, Da waschet er in Wein sein Kleid, Im Blut der Trauben sein Gewand; Geschmückt vom Wein die Augen Und weiß von Milch die Zahne. Sinn: Dann, wenn die Eintheilung in Schilo geschehen sein wird, bekommt er einen so fruchtbaren Theil, daß er wird sein Füllen an Weinreben binden, sein Kleid im Wein waschen können und die Augen werden funkeln von Wein und die Zähne glänzen von Milch; wo aber Wein und Milch ist, da muß. auch ein fruchtreicher Boden sein. Sebulun wird an Merresküste wohnen, ' Er selbst an schiffbeladener Küste, Und seine Hüfte (eine Seite seines Theils) lehnt anZidon. So war es auch in der That. Der Stamm Sebulun erhielt zum Wohnorte einen Landstrich an der Küste des mittelländischen Meeres und trieb bedeutenden Seehandel. Isachar, ein starkknochiger Esel Hingestreckt zwischen zwei Anhöhen; Er sieht die Ruhe ist gut; Das Land — es ist gar lieblich Und er beugt willig seine Schulter zum Tragen Und wird ein Sklav der Frohne.