Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 21 (20.5.1848)
- Date
- 1848-05-20
- Page
- Spalte 327-328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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327 328 Kritiken. Beurtheitung von Dr. Salomon. zu diesem Einverständniß des Glaubens mit dem Wissen noch nicht gekommen , äußert der Redner am Schlüsse des Vortrags, und macht besonders von der Einen Partei, die sich : auf ihr Wissen viel zu viel einbildet und des Glaubens entbehren zu können wähnt, eine gar arge Schilderung. Wir finden diese Schilderung deshalb nicht ganz gerecht, weil sie nicht — unparteiisch ist, da der Verfasser diejenige Klasse, die dem blinden Glaub e n huldigt, gar zu . gelinde behandelt und sie nur leise berührt. Es ist sehr die Frage, wer an dem Verfalle des Judenthums' und an dem Abfall von demselben größere Schuld trägt, ob die Männer des Glaubens, oder die Männer der Wissenschaft. Res. ist der Meinung, der Volkslehrer müsse über den Parteien stehen und wenner über die eine den Stab „Wehe" (n^xi) schwingt, darf er sich in Beziehung auf der andern nicht mit dem Stab „Sanft" (üpü) begnügen. Uebrigens muß wohl die wahrhaft rhetorische Schilderung (S. 13 und 14) einen tiefen Eindruck auf den Hörer hervorgebracht haben, und um so unangenehmer wurde Res. von der prosaisch-merkantilischen Redensart: „Er macht jetzt in der Religion!" berührt, eine Redensart, die er aus dem schönen Ganzen hinwegwischen möchte; und da Ref. es aus Erfahrung weiß, wie oft man in Versuchung geräth, von dergleichen d rassischen Phrasen sich verlocken zu lassen: so erlaubt sich der alte Prediger den jüngern Redner darauf aufmerksam zu machen, und davor zu warnen. — Die zweite Predigt: „dev Zweifler", gehalten am Sabbat in der Sukkot-Festwoche (oVriV), m' ^s Buch Kvhelet, oder der Pced. Salomonis in den Synagogen durchgelesen wird, ist nach des Ref. Dafürhalten die beste in der kleinen Sammlung. Der Zweifler ist kein anderer, als Salomo selbst, und zwar ein solcher, der alle Hauptphasen des Zweifels durchgehet bis er im Glauben an Gott und Lugend Beruhigung findet. Das weiset der Redner auf eine geschickte, man darf wohl sagen geniale Weise im Buche selbst nach. Gott und Natur blieb dem Kinde und dem Jüngling Solomo nicht fremd — wie aus Salomos Leben und Sch iften nachgewiesen wird — und ruhig und friedlich war sein Inneres; Alles war noch in Einklang bis allma'lig der Geist von seiner ursprünglichen Natürlichkeit frei geworden, und zu denken, zu prüfen, zu untersuchen, zu zweifeln ansing und sich auf der ersten Stufe befand, die da ist: Lebensüberdruß. S. 18.19.20. Die zweite Phase Gemüthskrankheit blieb auch nicht aus. (S. 21). Salomo aber gehörte zu den Wenigen, die den Muth haben, die enggeschlossenen Reihen der Zweifel zu durchbrechen, unter das siegreiche Panier der Religion sich zu schaaren und durch den Satz: „Gott fürchte und seine Gebote wahre", die Ruhe des Innern herzustellen und den Seelenfrieden zu erlangen" u. s. w. Nach des Redners Ansicht, der den Verfasser des Buches Koheleth als Zweifler aufsaßt, würde die rab. Stelle irn Track. Sabbat nr na "nt piro m:ro ■ood nhnp '□ wp weit schlagender gewesen sein, als die von demselben S. 18 angeführten Worte: nWö *1^ qw.qnm n W ’ODD die sich viel zu gelinde ausdrücken. Dem Ref. erschien der Urheber des philosophisch-theologischen Büchleins jedesmal als der Antique - F a u st, der überall das Glück sucht und nirgends finden kann, bis er zuletzt in der Nähe entdeckte —- in dem eigenen gläubigen Herzen — was er in der Ferne finden wollte. Es würde eine sehr dankbare Arbeit sein, wenn einer unserer der hebr. Poesie kundigen Männer ein solches — Drama bearbeiten möchte. — Die dritte Predigt behandelt einen nicht minder tntercffantcu Gegenstand: Die Erziehung der Makkabäer, gehalten an, Sabbat-Chanuka über den Text Sprw. 14; 26. Wann und Wie der Priester Mattathias seine Kinder — die Makkabäer erzogen habe? Diese zwei Fragen werden in diesem vortrefflichen Kanzelvortrage, aus den Büchern der Makkabäer nachgewiesen, genügend beantwortet. Nachdem der Verfasser tm ersten Theile dar- . gethan, wie um jene Zeit das Griechenthum durch seine Sprache und Wissenschaft, durch seinen Kunstsinn und seine üppigen Formen den schädlichsten Einfluß auf Juden und Judenthum geäußert (S. 27. 28) werden im 2. LH. die Erziehungsmitrel namhaft gemacht, durch deren Anwendung dem Hebel entgegengearbeitet und die religiöse Selbstständigkeit bei dem Sohne des Hohenpriesters gerettet und die Makkabäer — — Makkabäer, d. h. Männer von Kraft und furcht - und tadellos geworden sind. (©. 29—31.) Daß der Redner dem itzlebenden Geschlechte in u n ferm Israel ein ernstes fiat applicatio! zuruft, versteht sich von selbst. Der Vortrag schließt mit den Worten: Werdet ihr noch für Uebertreibung halten den Ausspruch des Talmuds: □'Kon ■’TD^n D’jn -6 pin MN un ’pvnn. Wer sich des Chanuka-Llchtes befleißigt, darüber nachdenkt, die Bedeutung desselben erfaßt, dessen Kinder befleißigen sich der Lehre? — Wird nicht Jeder, der im Lichte zugleich die Erleuchtung sieht, in den Makkabäern die Folge einer gottgefälligen Erziehung erkennt, diese Erleuchtung und diese Erkenntniß zum Frommen seiner Kinder anwenden?" „Unsre Kinder, m. A., mahnen uns, das Licht der Chauuka-Tage nicht erlöschen zu lassen. Die Menora ist aber in unsrer Zeit verrostet, das Oel verbraucht, das Wachs geschmolzen, das Hallel verklungen — und nur noch fremde Lichter verbreiten einen hellen Schimmer, erleuchten die jüdischen Häuser, erfreuen die Augen der lieben Jugend." Leider! tont comme chuz noüs.l Ueberall dieselben Klagen! dieselbe Nachäfferei! derselbe Mangel an Selbstständigkeit und Ehrgefühl! Es sind die eigenen Eltern, die die Kinder dem Moloch zuführen. Mam glaubt zu scherzen und zu spielen; und scherzend und spielend stürzt man die Söhne und Töchter in den Abgrund des Unglaubens, denn — Ref. hat sich nicht geschenkt, in seinen gottesdienstlichen Vorträgen öffentlich auszusprechen — die Weihnachtsbä ume in jüdischen Häusern sind — Giftbäume, die giftige Früchte tragen. „Bestreben wir uns aber das eigene Licht zu erhalten, es zu nähren und zu wahren, damit es der Jugend voranleuchte auf