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Der Orient · 1848-05-20 · Heft 21 (20.5.1848) · p. Seite 167

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 21 (20.5.1848)
Date
1848-05-20
Page
Seite 167 (sequence 13)
Language
German
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- 167 - Fluch der heiligen Schrift lalltet: „Wenn sich freut' das ganze Land, mache ich dir Betrübnis;." (Ezech. 35,15). Und doch rnfe ich mit gleicher Begeisterung: ,/Diesen Tag hat Gott gemacht, lasset unS jauchzen und uns seiner freuen." Denn es ist nicht möglich und nicht denkbar, daß es im freien Oesterreich so bleiben kann für uns, wie es im geknechteten Oesterreich war. Oesterreichs Burger würden die Freiheit nicht verdienen, wenn ste den schmählichen Druck gleicher vaterländischer Menschen dulden könnten. Sie müßten sich daun schämen, für Bekenner einer Religion der Liebeauözngeben, wenn ein solcher empörender Druck vor ihren Augen und mit ihrer Zustimmung ausgeübt werden sollte. Ein solcher Judendruck ist in feinem konstitutionellen Staate mehr, so kann er auch im freigewordcnen Oesterreich nicht bleiben. Die hochherzigen Stände des Reiches werden und können eS nicht zugeben, daß ein so gewaltiger Staat noch länger ein System der Jndcnaussangung verfolge, imb daß Anstalten, die nichts.anders sind,, als Einrichtungen zur Bedrückung des Schwachem von dem Starker», Acmter, Staatsämter - genannt werden, und mit dem glorwürdigen Wappen des Reiches prangen sollten. Eine solche -Schmach .wird sich das frekgewordcne Oesterreich dem ganzen Europa gegenüber nicht anthun. Und unser guter Landesvater, der in vielen Dingen so schlecht beratheu war, dem mau so sorgfältig die Wünsche und die Stimmung und die Bedürfnisse seiner Volker zu verheimlichen wußte, wird) so er genaue Kunde erlangt, von den elenden und schmachvollen Zuständen seiner treuen israelitischen Untcrthanen, diesen eben so abhelsen, wie er die Wünsche seiner andern Völker erfüllt hat. Die Huld und Milde unseres Beherrschers ist ja sprüchwörtlich worden, so wird er ste auch in Betreff seiner israelitischen Unterthanm nicht verläugnen. Darum können auch wir getrost einer baldigen bessern Zukunft entgegensehen, und mit einstümnen in den allgemeinen .Jubel unserer Vaterlandsbrüder. Italien. Rom, 20. April. In dem Augenblicke, wo die Judenverfolgung so überhand genommen, in dem Augenblick, wo Judenblut unfern christlichen Brüdern so sehr zum Bedürfniß geworden zu sein scheint; muß uns eine angenehme Nachricht doppelt willkommen sein. Wir hatten es für einen Fingerzeig Gottes, der uns in dieser traurigen Zeit zürnst: ,,Vertraue auf Gott, stärke und tröste dein betrübtes Herz!" Am 1?. April Abends, die Zeit, wo jeder Jude der Leiden unserer Vorfahren in Egypten stch erinnert, mit frohem Herzen und sehnsuchtsvoller Zuversicht, sitzt er da im Kreise «seiner Lieben, aus voller Brust die 7) z. D. das k. k. jüdische Verzehrungssteuer-Amt. Hymnen und Halleluja's dem Himmel.für die Erlösung sendet, in dieser Zeit wurde Krawall auf der Straße vernommen. Es dauerte nicht lange, als eine Menge mit Ae.rten bewaffneter Herren, in unser Zimmer drangen, wie konnten wir anders als vor Schrecken erzittern? wie anders alö ein baldiges Blutbad mit Resignation abwarten? wir glaubten uns von Pharaonen des 19. Jahrhunderts übersatten. — Wie groß aber war unsere Freute als diese wahren Edetlente an uns freundlich das Wort richteten und ein donnerndes: ,,Es leben die Juden" erschallen ließen. — ,,Wir sind keineswegs gekommen, euch noch mehr zu knechten, nein! wir sind gekommen zu brechen die Bande der Sklaverei, zn lösen die Fesseln der Barbarei, zu zertrümmern die Thvre des Ghetto, wir sind froh, daß der Augenblick nun gekommen ist, in dem wir euch beweisen können, daß wir euch als unsere Brüder gern aufnehmcn, daß wir euch wie unsere Brüder lieben und in jeder Noth beistehen!" — — — Mögen sich unsere christlichen Mitbürger in Böhmen, Galizien, Posen, Ungarn re. ein Beispiel nehmen und aus ihrer Engherzigkeit doch endlich heraustreten. — Es ist hohe Zeit! — — — Rom, 29» April. Die Priester flüstern dem Volke allerhand gegen die Juden ein und erzählen von ihnen unwahrscheinliche. Angriffe ans Geistliche u. dcrgl. Es ist so weit gekommen, das; ein Theil der Bürgergarde den Ghetto, nachdem die Thore gefallen, Abends mit Ketten und Wachtposten sperren will. Die Israeliten sollten auch in die Civica eintreten, und in vier Batallionen, darunter das des Fürsten Borghese, sind schon theits Anleitungen dazu getroffen, theils schon wirklich Inden ausgenommen; vier andere aber, darunter das transtcverinische,. haben heute durch eine Deputation dem Minister Galetti erklärt, entweder die Inden in den Waffen oder ste, mit ihnen zusammen würden ste nicht dienen. Und die Juden konnten es auch gar nicht, ehe sie nicht mit ihren christlichen Waffenbrüdern zusammen essen, Sonnabends Dienste thun und vor der Hostie und vorbeigetragenen Crueiflren knien könnten. (D. A. Z.) Der kirchliche Verein für alle Religionsbekenntnisse in Leipzig. II. Daö Gemeinwohl erblüht auf dem Boden der Sittlichkeit mtfc Religion. Soll Deutschlands Gemeinwohl gedeihen, so müssen wir für die Sittlichkeit und Religiosität des deutschen Volkes Sorge tragen. Sittlichkeit und Religiosität zu pflanzen und zu pflegen, ist die Aufgabe der Kirche. Die in 'verschiedene Konfessionen getheitte Kirche war bisher durch staatliche Fesseln.

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