Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1848)
- Date
- 1848-05-20
- Page
- Seite 164 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Glauben Ihrer Mitbrüder gerechtfertigt? Aus die schimpflichste, gemeinste, verworfenste Weise! Auf eine Weise, wie ich es nicht von dem gemeinsten rohesten Menschen erwartet hätte. Ja, möge.eö alle Welt wissen, mögen diese Blätter selbst in die entferntesten Winkel unserer Monarchie dringen, damit es offenkundig werde: Herr K u n e w a! d e r, die leucht e n d e F a ck e l deS ungarischen Judeuthuruö, der Vorkämpfer für dessen Rechte, der uneigennützige, nnspruchlose vielversprechende Herr Knnewalder hat das ihm geschenkte V.olkövertrauen dadurch konstatirt, daß er zur Zeit der größten. Schwankung, der gefährlichen Krisis der Angelegenheiten seinem Glauben und seinen Schützlingen erbtrünttig wurde» Das also war Ihr längst gefaßter Plan? Das hat Sie an die Spitze unserer Nation getrieben, damit die Christenwelt von der Verworfenheit des Anführers ans die Verworfenheit der von ihm doppelsinnig Angeführten schließen könne? Daß ist charakterlos, das ist schlecht!! — Nicht Ihr Ucbertntt verdammt Sie, im Gegentheil, ich. .finde es einigermaßen, entschuldigend, — wenn der Mensch fnr sein Interesse für den Materialismus seines physischen Lebens bedeutende Opfer bringt, wiewohl ein derartiges Opfer keineswegs mit der Charakterkonseqncnz harmonirt und seine bisherige Wcrthschätzung bei der Welt eher unterminirt als befestiget; also nicht der Uebertritt, sondern der Zeitpunkt dieses Uebertrittes verdammt Sie. Herr K. rechtfertigen Sie sich, wenn Sie können, (und was auch Ihre verfluchte Schuldigkeit wäre), warum Sie gerade jetzt diesen Schritt gethan, warum nicht früher oder später? Warum gerade jetzt, wo Sie die Hoffnung der baldigen C'mancipation bei Ihren Glaubensbrüdern, so lebhaft angeregt und der Herold und Fackelträger unserer Errungenschaft zu werden versprachen? Warumentfernten Sie sich jetzt eben wie eine feige Memme von dem Ihnen anvertrauten Posten, jetzt eben, wo Sie faktisch und praktisch hätten beweisen sollen, daß Sie wirklich der glänzende S tern sind, der so v iel L icht zu v erbr ei ten versprach. Warum thaten Sie das, Herr Kunewalder? Herr Gemeindevorsteher? Herr Dep u irrter? Warum? Weil Sie ein Irrlicht, oder prosaisch gesprochen, weil Sie ein Verräther sind, der seine Glaubensbrüder durch Spiegelfechterei schändlich hintergangen und betrogen hat, weil Sie vom gemeinsten Egoismus beseelt, blos darum das Präsidium der Gemeinde an sich rissen, um durch die Veröffentlichung Ihrer geistigen Vorzüge die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen. Was liegt auch an'den Tausenden am Narrenseile herurngezerrlen Juden? ,,Hat der Ochse dm Wagen in die Scheune gezogen, gibt man ihm Heu zu fressen!" So dachten Sie, so denken. Sie Herr Knnewalder; ich aber sage Ihnen in dürren Worten: Wenn Sie auch noch so reich an Gold.und Gut sind, an Achtung , Vertrauen und Werthschätzung sind Sie ein -Bettler geworden, und schützt Sie Ersteres auch vor physischer Noth, so werden Sie in letzterer Beziehung eines schmählichen geistigen Todes verhungern. — M. S t einig. ^l5rng, 3. Ä)kai.. Die hiesigen In d en befinden sich in einer höchst gefahrvollen Lage, und es drohen die traurige!! Seeneu des-.Mittelalters wiederzukehrcn. Der Friede, der seit dem Sturze des alten Systems anscheinend fester als je zwischen der hiesigen christlichen und jüdischen Bevölkerung herrschte, sodaß die Inden mit Freuden in die Nationalgarde ausgenommen wurden und jede Spur von Haß verschwunden schien, wurde durch die Aufwiegelungen einiger Kaufleute, die das Motiv ,,Gewcrbneid" schon lange zu den ärgsten Jndenfeinden gemacht hatte, verscheucht. Es gelang ihnen vollkonunen, durch einige Geldaustheilungen und andere Aufreizungen den Pöbel zu faniatisiren. Die Insulten gegen die Inden sind seit einigen Wochen an der Tagesordnung^ die Aufläufe nach dem sogenannten Taudelmarkte, dem Platze, wo die Juden Waaren feil haben, wiederholen sich mit jedem Tag, und kein Jude darf sich außerhalb der Jndengasse, eines der fürchterlichsten Ghettos, blicken lassen. Daswackere Stndentenkorps und die hiesige Nationalgarde suchen nach Kräften die Inden zu schützen; auch diehiesige Nationalgarde sucht nach Kräften die-Inden zu schützen; auch wurde der von mancher Seite auftauchende Gedanke, daß die Juden auö der Nationalgarde auöftheiden sollten, durch die Erklärung des Obersten der Nationalgarde, daß er unter jolchem Bcwandnisse seine Steile uiederlegen werde/ bald unterdrückt. Verblieb es bis jetzt bei den Insulten, so tchicn nun eine traurige Katastrophe eintreten zrr sollen. Frauen und Kinder liefen gestern jammerndüber die Straße, wiesen ans ihre schwarzgebrannten Hände und forderten zur Rache gegen die Juden auf,-die die Christen mit Vitriol begossen haben sollten. Man führte einige dieser Beschädigten auf das Rathhaus , und da ergab sich, wie die Boheinia berichtet, daß die vermeintlichen Vitriolflecke Schmuz von Oel und Kimruß waren! Die frühern Anstifter selbst erschrecken nun über die großen'Folgen der von ihnen angefachten Pöbelwuth, da vorauSzusehm, daß, ist man mit dm Juden'zu Ende, es über alle Begüterten gehen tverde. (L. Z.) Prerg, 1. Mai. Der erste Tag des Lenzmonds, wo sonst friedliche Bürger schaarcnweise vor die Thore hinaus in die neucrrpachle Natur eilten, hat traurig begonnen. Blut ist geflossen , Christeublut und Judenbtut. Dank Gott! ich habe zwar nicht so Fürchterliches zu berichten, wie ihr Korrespondent ans Prcßburg vor wenigen Tagen, aber das Geschehene ist fürchterlich ge-