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Der Orient · 1848-05-20 · Heft 21 (20.5.1848) · p. Seite 163

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 21 (20.5.1848)
Date
1848-05-20
Page
Seite 163 (sequence 5)
Language
German
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— 163 - Stcrcomnhinfcc sie ein ruft, sogleich wieder disponibel sein. Diejenigen Juden, die, weil sie nicht Landeöbürger sind auch nicht die ungarische Kokarde tragen dürfen, seien von der Nationalgarde ausgeschlossen. Was den zweiten Püilk't anlange, so befänden sich die Juden, welche sich im Sinne des Gesetzes von 1839-— 40 in Ungarn uiederließen, im vollkommenen gesetzlichen Rechte und konnten desselben nicht durch einen Ministerialerlaß beraubt werden, diejenigen Juden aber, welche die gesetzlichen Vorschriften wirklich zu umgehen wußten, sollten dm verfassungsmäßig bestimmten Strafen anheimsallen. Seit dem 15. April erscheint hier der ,,Ungarische Israelit," eine deutsche Wochenschrift zur Beförderung des politischen, socialen und religiösen Fortschritts unter den israelitischen Juden, redigirt vom Rabbinatskanditaten I. Einhorn. Aus dem Programm dieses Blattes entnehmen, wir folgende, besonders hervertretende Stelle: ,,Dem Worte der Emancipation muß die That auch würdig zur Seite stehen l DaS Aufhörer: des Schacherer-, Trödler- und Wucherergeschlcchtes, die Verbreitung des Handwerkes und Ackerbaues, die Verbreitung des ungarischen Elementes und Geistes wie die innigste Vaterlandsliebe unter unfern ungarischen Glaubensgenossen, Verbreitung der nationalen Bildung bis in die untersten Schichten der israelitischen Bevölkerung, vor Allem aber Verbrüdenirrg und Einigung mit unfern andersgläubigen Mitbrüdem im Leben und Sterben, das ist das hohe Ziel, nach welchem Jeder von uns ringen muß, das sind die Aufgaben, welche zu erfüllen die Verpflichtung eines jeden ungarischen Israeliten ist." Pesth, im April. Herr I. Kunewalder, Vorsteher der Jsracliten-Gemeinde zu Pesth. (Äritijcfye Beleuchtung seines Übertrittes zum Christcnthume am 5. April 1848.) Als mir vor Kurzem die Nachricht zu Ohren kam, Herr Kunewalder sei zur katholischen Kirche übergetreten, hielt ich dieselbe für ein vages Gerücht und erklärte rechtliche unbescholtene Männer für Verleumder und Lästerer, so unbegreiflich und unwahr erschien mir dieses Ercigniß. Es ist aber dem doch so! Es ist traurig wahr, daß der Mann, der Jahre lang die vollste Achtung, das größte Vertrauen seiner Glaubensbrüder genoß, sich sogar dieser Bevorzugthcit im strengsten Sinne des Wortes würdig gezeigt hatte, daß dieser Mann sage ich, plötzlich in jener bedeutenden Crisis, wie sie gegenwärtig den Jstcieliien beversteht, einen solchen mißliebigen Schritt begehen konnte. Abgesehen von dem, daß Herr K. keine triftigen Motive zur Beschönigung seiner That anführen könnte, ohne dm Verdacht des Egoismus und der Selbstsucht auf sich zu laden, brechen noch folgende Umstände, die ich nachfolgend wahrhaft zu beleuchten versuche, vollends dm Stab über seine Handlungsweise. Um aber dies desto besser in Ausführung zu bringen, sehe ich mich ge-! nöthigt, Hrn. K., dm. ich gerne als gar keine Person betrachten würde für kurze Zelt als zweite Person anzusehen, dem ich das große Sündenregister unter die Augen halten will, wenn sie nicht eben so sehr geblendet sind, wie er seine Glaubensbrüder Jahrelang geblendet hat. Herr K., Sie waren Vorsteher der hiesigen Jsraelitengcmemdc, durch Ihre Intelligenz und scheinbare Rechtlichkeit hatten Sie sich so weit emporgeschwungen, daß der größere Theil dieser Gemeinde Ihnen mit voller Zuversicht sein Vertrauen schenkte, und IhremRathe als wohlgemeint, blindlings folgte. Die große politische Erschütterung, welche beinahe ganz Europa durchbrausend, auch uns erreichte, bot Ihnen die glänzendste Gelegenheit, Ihre Errungenschaft bei unserer Nation im klarsten Lichte darzustellen, denn als nun die Sprache auf die- Petition wegen der Judenemancipation kam, wen hätte man eher zum Präses der Deputation an den Landtag wählen sollen oder wollen, als Sie Herr K., den vielfach erprobten und bewährten Patrioten und Glaubenöbruder, der es an tausendfachen Betheuerungen Alles für das Wohl der Israeliten auszuopfern, und Ihr eigenes Ich, der Befreiung der Nation hintanzusetzen, nicht fehlen ließ. Von den Segenswünschen einer auf Sie zählenden Menschenmenge begleitet, sahen wir Sie Ihrer Heiligen Bestimmung nacheilen, und die Menge blickte Ihnen mit Stolz nach, und in jedem thränenfeuchten Auge perlte das freudige Gefühl: ,,Seht unfern theueren und treuen Vorkämpfer, der Gut und Blut für -unser Heil für unsere Zukunft hinzugeben bereit ist, seht ihn an, diesen Matador unserer Auserlesenen , und Jung und Alt theilte die süße Hoffnung einer baldigen Verbesserung der Jndeuzustände und diese Hoffnung bastrte sich auf Ihre Aufrichtigkeit, Ihre Energie und rechtliches Betragen. Von Prcßbnrg aus belogen Sie die Ihrer Fürsprache Vertrauenden mit der fingirten Nachricht, daß hinsichts der Emancipation der Juden das Beste zu Hoffell sei, und ermahnten auch nach Ihrer Rückkehr die Israeliten in einem gedruckten Circular, sie mögen sich nur immer ruhig verhalten, ihre Angelegenheiten haben die beste Wendung genommen. Alles verstummte. Man fand Ihre Mahnung väterlich, Ihren Rath weise und. Ihre Worte prophetisch. Freilich gab es da einige Intelligente, welche spöttisch auedefcii: ,,Seht diese Schafsköpfe von Juden, die da blindlings dem Glockenschall ihres Leithammels folgen, und der sie Gott weiß in welchen Sumpf irre fuhren wird;" allein diese Zahl war zu gering, um nicht voll der überwiegenden hinters Licht geführten Menge übcrtäubt zu werden, und der Glaube an Ihre Trclie wurde nur noch fester begründet. Und wie haben Sie Herr K. diesen anhänglichen

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