Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 20 (13.5.1848)
- Date
- 1848-05-13
- Page
- Spalte 315-316 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Studien. Die Volksbibel des Rabb. Sachs. 316 315 Auch du meine Schwester! wenn dir auch kein bleibendes Zeichen des Bundes mit Gott geboten ist, weil dein weiches Gemüty empfänglicher ist für einen frommen Glauben, weil die Gelegenheiten zum Abfalle von Gott, zur Vergessenheit an die heiligen Pflichten , bei dir seltener, und weil deine Obliegenheiten, deine Verpflichtungen nicht so vielseitig sind denen zu diesem Zwecke kein Mittel zu niedrig erschien, thaten dieses, gingen in stiller Nacht durch die Gassen und schrien: O Himmel! sind wir nicht eure Brüder!? haben wir nicht Alle-Einen' Vater, nicht Alle dieselbe Mutter? Was sind wir denn anders als jede andere Nation? Warum leget ihr gerade uns solche unerträgliche harte Pflichten auf? — Sogleich wurde dieses strenge Gesetz zurückgenommen, und der Tag, an dem dieses geschah, wurde von ihnen zum Festtag gemacht. — Ferner wird erzählt: Einmal untersagte auch die römische Herrschaft die Beschneidung, und um diese Zeit wurde gerade der in der Folge so berühmte Rabbi Jehuda Ha.-Kadosch — der Heilige — genannt, geboren. Da sagte sein Pater, Rabbi Schimon, Sohn Glmaliels, damaliger Nasi— — Fürst oder Vorsteher des jüdischen Volkes — Gotr hat uns die Beschneidung anbefohlen und diese Tyrannen verbieten sie uns: Sollten wir Gottes Gebot übertreten, des Befehles der Tyrannen wegen? und ging hin und beschnitt seinen Söhn. Als der Landesverweser dieses,hörte, schickte er sogleich um ihn, und sagte zu ihm: Warum Haft du das Gebot unseres Kaisers übertreten, und deinen Sohn beschnitten? —„Mir hat es so mein Gott befohlen" war die standhafte Antwort des frommen Rast. Da sagte Jener: Ich habe wohl Rücksicht gegen dich, weil du das Haupt deiner Nation bist; aber da wo du gegen den ausdrücklichen Befehl des Kaisers gehandelt, kann ich dich nicht verschonen. „Was willst du nun"? fragte ihn Rabbi Schimon. Ich will dich nun zum Kaiser Hadrian nach Rom schicken, der soll mit dir machen, wie es ihm gefällt. — „Nun denn, so verfahre mit mir, wie du willst" erwiederte Rabbi Schimon. — Sogleich nahm der Landesverweser die Mutter und das Kind und führte sie nach Nom. Nach der ersten Tagreise kamen sie in-das Haus des Antoninus — nachmaligen Schwiegersohns des Hadrian und Kaisers — um da zu übernachten. Gerade um diese Zeit aber war auch Antoninus geboren worden. Als nun die Mutter des Antoninus die Frau des Rabbi Schimon nach der Ursache dieser Reise und dieser Begleitung fragte, erzählte sie ihr den ganzen Vorgang. Gerührt hiervon, sagte die edle Wirthin zu ihr: Wenn es das ist, dem können wir schon abhelfen. Nimm du indeß mein Kind und das deinige laß mir, dadurch wirst du dich und das Kind retten. Die betrübte Mutter nahm mit innigster Dankbarkeit dieses sie überraschende Anerbieten an. Bei ihrer Ankunft in Rom eilte sogleich der Verweser zum Kaiser, um seine Klage vorzubringen. Die Mutter mußte nun mit dem Kinde erscheinen, um es besichtigen zu lassen. Da aber der Kaiser dasselbe unbeschnitten fand, zürnte er ob dem Ankläger sehr und entließ friedlich die Mutter und das Kind. — Als sie bei ihrer Rückkehr zur Mutter des Antoninus, die beiderseitigen Kinder austauschten, sagte diese: Weil dir nur durch mich und mein Kind eine solche Rettung zugekommen, so müssen auch unsere beiden Kinder Freunde, werden. Und so waren auch Rabbi Jehuda und Antoninus, wiewohl letzterer die Kaiserwürde erlangte, in der Tbat die innigsten Freunde bis zu ihrem Tode. — — auch du darfst dich nicht ausgeschlossen wähnen aus^ diesem Bunde, auch du mußt hier erkennen die Höhe-Bestimmung, die hohe Würde des Weibes, das fähig, das berufen ist-, die Stammmutter-großer Nationen zu werden, selbst Könige in ihrem Schooße zu tragen. Auch du sollst rein halten den Namen, -er dir, gleich der Mutter Sara, von Gott und durch Gott aus heiliger Statte gegeben wird. Auch du sollst immer des göttlichen Segens würdig verbleiben, und dein Lohn wird um so größer sein, je weniger sinnliche Zeichen dich an deine erhübe Bestimmungen erinnern. — Werden deine Kinder meinem Bund halten, Achten das Gesetz, das ich ihm gelehrt; So wird dereinst auch ihrer Kinder Walten . Ein Reich sich gründen, das für immer währet. (Psalm 132—12.) 9? e u n und vierzigstes Kapitel. Jakobs Segen, Lob und Tadel und Vorausbestimmüng der Lebensverhältniffe seiner Kinder. ' 1 —32. Dannn rief Jakob seine Söhne und sprach (in feierlicher Begeisterung): Versammelt euch und ich will euch verkünden, Was einst in spätern Tagen euch begegnen wird; Vereinet euch, und höret Söhne Jakobs, Hört auf Israel, euren Vater! Reuden, mein Erstgeborner du, .. Vorzug gebührte dir an Hoheit und Vorzug an Macht; Doch wie Gewässer war dein Leichtsinn, Drum kein Vorzug dir! Du hast bestiegen deines Vaters Lager, Entweiht das mir geweihte Bett. Sinn:' Dir gebührte wohl als dem Erstgebornen das Recht der Erstgeburt, das da besteht in dem Vorzüge an Hoheit, das ist Priesterwürde und im Vorzug an Macht, das ist Oberherrschaft über die Brüder; allein dein Leichtsinn, mit dem du mein Bett entweihtest, hat dich dessen unwürdig gemacht. — Der Vorzüglichste muß auch der Beste, der Makelloseste, Tugendhafteste sein. Schimon und Lew! — ein Brüderpaar, Des Frevels Werkzeug befestigt ihren Bund; In ihren Rath — nie komme dahin meine Seele Mit ihrer Rotte — eine sich nie meine Würde; Denn hingeschlachtet haben siie in ihrem Zorne —Männer, Gelähmt in ihrem Uebermuthe —■ Stiere (die guten und starken Leute von Schchem) Verflacht ihr Zorn, denn er ist heftig, Ihr Grimm — denn hart ist er; Vertheilen will ich sie in Jakob, Zerstreuen sie in Israel! Sinn: Da sie in ihrer Vereinigung Unheil gestiftet, sollen sie von einander getrennt und unter die übrigen Völker zerstreuet werden, zum ewigen, abschreckenden Beispiel, was auch in der That geschah; denn der Stamm Lew: hatte gav keine Besitzungen, sondern nur zerstreute Wohnsitze im Lande- Kanaan und Schimon machte nie einen bedeutenden Stamm in Israel aus: . Doch du Jehuda, erhaltest deiner Brüder Lob, ' Denn deine Hand — des Feindes Nacken trifft sie immer