Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 20 (13.5.1848)
- Date
- 1848-05-13
- Page
- Spalte 307-308 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Kritiken. Wiener Katalog- 308 lilerärischvn Gchätze der Vergangenheit, als der MlcnkfiÄnz^eiAs Größen ^Herrschers würdig sind, ist zugleich eins der schönsten typographischen Denkmale derStacüsdruckerei, aus dem dieses Buch hervorgegangen ist. Es darf sich diese Anstalt kühn ihrer berühmten Schwester betImprimerie royale in Paris zur Seite stellen. Was aber vielleicht eben . so erfreulich ist als die schöne .Ausstattung, ist der Umstand, daß die kaiserliche Bibliothek in der neuern Zeit auch einige werthvolle Handschriften durch Kauf sich angeeignet hat, was die meisten Bibliotheken, die Oxf o r d er und P a r iser ausgenommen, seit 2 Jahrhunderten unterlassen haben. Wir finden den Namen des berühmten Verfassers der Gri se ld'is, des Adepten und anderer dramatischen Werke, (Ist entschieden ein Anderer. Red.) welcher seit kurzer Zeit als erster Custos der kaisert. königl. Bibliothek verstehet, in Verbindung mit diesem schönen Systeme, der Vermehrung der jüdischen Schätze. Alle erkauften Bücher sind unter der Direktion desselben der Bibliothek zugekommen. Und wenn der Verfasser des Katalogs denselben dem berühmten Dramatiker widmete, so ist dies nur ein wohlverdienter Tribut der Dankbarkeit, welchen der Verfasser Namens der hebräischen Literatur darbrachte. Wenn wir hier dem Leser endlich noch sagen, daß Herr Deutsch die Medaille für Kunst und Wissenschaft erhielt, so gcschiehet dies blos, weit wir dieses als ein schönes Zeichen betrachten,.daß hierdurch die Ebenbürtigkeit der hebräischen Literatur mit ihren Schwestern in Europa und Asien von einer Seite ausgesprochen ist, wo man es bis jetzt nicht berechtigt zu erwarten war. Dieses Zeichen der Anerkennung der Verdienste eines Einzelnen wird nicht ermangeln, auf die allgemeine Stellung der hebräischen Literatur den günstigsten Einfluß zu üben. Dieser Katalog ist in 23 Abheilungen geordnet, so daß die Bücher nach verschiedenen Fächern der Wissenschaften, welchen sie angehören, dem Leser vorgeführt werden , und dann ist immer dabei bemerkt, in welcher Handschrift sich das Werk befindet. So angenehm für den Leser diese Einrichtung ist, so hat dieselbe doch auch zugleichihr Unangenehmes. Der Leser muß, wenn er ein Buch erwähnen will,, immer den ganzen Artikel dmchschen, um zu erfahren, welche Rr. das Buch trägt. Da aber der Wortheit dieser Einrichtung überwiegend ist, so darf man dieses nicht als Vorwurf betrachteil. Die erste Abtheilung (S. 1—24) enthält die Bibel. Die zweite Abtheilung (S. 25—26 enthält die Kritik des Textes -(miDD). Die dritte Abtheilung (S. .27—30) enthält die Targumi tu. Der Verfasser macht aufmerksam, daß sich auch Fragmente des Targnm Irr u sch a l ut i in einer Handschrift befinden. Auch die Pariser Bibliothek besitzt Fragmente davon (Nr. 57 ancien Fonds gcf(o).1 Wir können über diese Abtbeituilgen flüchtig hiirwegeiten. Die vierte Abtheilung (S. 30—42) enthält Aus- Legungen der heiligen Schrift (c^P’D).' Hier begegnen wir außer den bekannten Kommentarien von Rafehl und Jbn Efra einen Kommentar derjelligen Gelehrten Frau kr ei ch s,. die unter den Namen der 'byZ niDDin bekannt sind. Diese Sammlung ist jedoch von derjenigen verschieden, die in Livorno im vorigen Jahrhundert erschienen ist. Diese Salnmlnngen gewähren in Hinsicht manches Interesse. Die Pariser Bibliothek besitzt eine ähnliche Sammlung (Nr. 102 ancien Fonds 4. Papier 188 Seiten stark, gut geschrieben). * , Die Wiener Sammlung bietet in dieser Abtheilmlg noch das mm nnD von den Karäer Ahron ben Elia, dar. Wir haben dieses Werk auch in Leyden durchgetesen, es ist sehr interessant. Die fünfte Abtheilung (S. 42—43) enthält Legenden (^mO), worin übrigens nur ein Buch des TiD Nm sich befindet.; Die nDD bw min hätte füglich in die Rubrik „Liturgie" gesetzt werden sollen. Die sechste Abtheilung (S. 43—51) enthältU e b erliefe rullg ("lM^n). Hier verdient die Tosefta (r^N2Orn) erwähnt zu werden, welche selterr handschriftlich vorkommt. Ferner 'btytä bw hnDD von Raben u Nissi'm, welches jüngst von Dr. Goldenthal aus dieser Handschrift herausgcgeben wurdet Es sind 1) Wir werden über diese Handschrift bei einer andern Gelegenheit Näheres mittheilen. Hier bemerken wir blos, daß dieselbe den Targum allein obne den Text enthält. Dieser Band enthält den Targum zum Pentateuch, zu den ersten und letzten und. zu den 12 kleinen Propheten. 2) Dieselbe trägt als Ueberschrift die Worte mm. DNN nrnL zu Ende derselben lesen wir die Worte jpj njDN3 ntyo mim ip’oym nsia 'L'iNN lp'Dyni. — Darauf folgt ein kleines Gedichtchen, dessen Anfangsbuchstaben pTn jnDn pw gebm. Auch über dieses Werk werden wir später eine eigene Nociz mittheilen. 3) Dieses Werk ist ebenfalls sehr schon ausgeftattet und ebenfalls aus der k. k. Staatsbuchdruckerei hcrvorgegangen. Dieses Werk, obwohl es rein talmudisch ist, bietet doch manches Lehrreiche für die Literaturgeschichte überhaupt dar. So z. B.'S. 13 a wo derselbe die Geschichte von n'DlN HDD (BerachotS. 8) giebt mit der Bemerkung nn u an toKMmmT ©npn mn iwnn uid nih n'JiK.in ni3U£/nn im.sv tinüd d.d rpnrh Wpm pmD. — Man sieht hieraus , wie Hr. G o ld e n t ha l richtig bemerkt, daß die Stelle im Talmud eine spätere Einschaltung ist. Man sieht hieraus auch, daß gewisse Erzählungen, worauf im Talmud hingedeutet wird, mündlich überliefert wurden. Wir haben auch anderwärts (vergl. unsere Einleitung zu S. 44 Note 15) bemerkt, daß die Erzählung auf die im Talmud (Kidduschim S. 80) angespielt wird, sich in Petronins findet, und durch Lafon-