Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1848)
- Date
- 1848-05-13
- Page
- Seite 159 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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159 von Mittag bis spät in die Nacht durch Wort mndThat die Störefricde mit Energie in Schranken hielt l — Heit allen Verthcidigern der Meilschenrechte l Gott verleihe ihnen die Kraft, selbe einst geltender machen zu dürfen. Pesth, 25* April. An die Gemeinde der StadL P r e ß b u r g. Nachdem ich sowohl auf amtlichen als auch aus Privatwegen dergestalten benachrichtiget bin, daß am 23. und 24. laufenden Monats' in der Stadt Preßburg die Israeliten, indem man ihre persönliche und C'igenthumö - Sicherheit auf die gcwaltthätigste Weife angriff, eben so in ihren Personen wie in ihrer Habe mit räuberischer Wildheit beschädigt worden sind, ja daß sogar von der aufgewiegelten Menge nicht einmal das Schulhauö verschont worden ist; Nachdem die Regierung es nicht ungeahndet bleiben lassen kann, daß in der Zeit der Freiheit und Rechtsgleichheit unter was immer, für einen Vorwände die Rechte einer Velksklasse niedergetreten und.sie in der Ausübung jener Rechte beschränkt werde, welche sie von der Gesetzgebung erhalten hat, die^ einzig und allein Rechte ertheilen und wegnehmen kann.; Nachdem ich Ursache habe zu glauben, daß jene skandalösen Räubereien und Gewalttätigkeiten nicht hätten ausgeführt werden flonnen, wenn die städtische Civilbehörde zu rechter Zeit und mit gehöriger Energie eiue ihrer ersten Hauptpsiichteu, die der Aufrechthaltung der Ordnung.'und der Beschütznng des Lebens und Eigenthums, erfüllt hätte; Nachdem Recht und Gerechtigkeit erheischen, verlangen, erfordern, daß derjenige, -der etwas gethan, und durch andere thun lassen, oder daß es geschah, durch seine sträfliche Versäumniß verstattet hat, dafür so wie ers verdient büße, und daß die Straflosigkeit nicht Andere ein ähnliches Wagstück zu verüben reize; So verständige ich Sie hiermit, daß ich Herrn Casimir v. Tarnoezi, Neutraer ersten Viergespann, als Reglerungs-Conunissär zu den: Ende anSgesandi habe, daß Er, seinen Wirkungskreis auf die ganze Preßburger Gespaunschast ausdehnend, ganz insbesondere bezüglich des in der Stadt Preßburg gegen die Israeliten verübten Wagstück'cs eine Untersuchung pflege, und auch in Betreff der gesetzlichen richterlichen Bestrafung der Thäter und Veranlasser die Verfügung treffe. Unter Einem wird derselbe sein Augenmerk ans das in dieser Sache stattgehabte Verfahren der Localbehörde richten, so wie auch darüber Nachforschungen pflegen, ob denn die National-Bnrgcrgarde ihre Pflicht erfüllt habe, und wenn nicht, ob zu ihrer Auflösung kein Grund da sei und sie stattflnden solle? Indern ich also laut meines Reichsamtes nicht zulassen kann, daß die persönliche ruid Eigenthums-Sicherheit "wessen immer verletzt werde, ja vielmehr es meine Pflicht ist, die gesetzliche Freiheit auf Grund der Ordnung und des erworbenen Rechtes zu beschützen und aufrecht zu erhalten, ohne personberncksichtigendcn Unterschied; so befehle und verordne ich hiermit, daß dem im Sinne der am 3. d. M. erflossenen Cirknlar-Verordnung des ministeriellen provisorischen Reichs-Komites seine Verfügung zu treffen habenden, und durch mich mit aller Vollmacht bekleideten Herrn Casimir v. T a rnoczi, Neutraer ersten Micegespann, die Stadt Preßburg und alle ihre Bewohner und Nationalgardcn Gehorsam zu leisten und auf solche Art in der Aufrechthaltung der auf die Freiheit gegründeten öffentlichen Ordnung mitzuwirken, für ihre unerläßliche Patrioten- und Bürgerpflicht erkennen sotten. Der Minister des Innern Bartholomäus v. Szemere. m. p. ■' Wien, 27. April. Hör' es Europa: Ein Theil der. Stadt Preßburg wird von der Menschheit, vom Christenthume, vorn-der göttlichen Gerechtigkeit von der Literatur und von der gestimmten Weltbildnng als „.außer dem Gesetze der Civilisatiou" erklärt. Die „Wiener Zeitung" (Abendblatt) vom 25. Apr. bringt Folgendes über Preßburg, wo am 24. die gräulichen Judenverfolgungen, Austreibung, Plünderung und Mishandlnng Statt fanden: „Sage man nicht, es war der „Pöbel," derAuswurs der Bevölkerung und was ähnliche Redensarten niehr sind. Ihr Alle seid dafür haftbar, wenn Ihr es geduldet, wenn Ihr nicht das Letzte und Aenßerste daran gesetzt habt, daß die Menschheit und der Christennamc nicht durch diese unauslöschliche Schmach geschändet werde. — Wenn Bauern, durch Jahrhunderte lange Bedrückung und Vernachlässigung in Rohheit und Vorurtheiten halbverthicrte Bauern —■ glücklicherweise ist der Bauer mit in wenigen Ländern mehr in diesem Zufjaiibc «— sich Aehnliches zu Schulden kommen lassen, dann hat der Staat, die Kirche, die Gesellschaft schamroth an die Brust zu klopfen, welche sie üt solche Verth ierung gerathen, welche mit all' ihren Lehr- und Bildnngsttlitteltt sie nicht bis zum einfachsten Begriffe und Gefühle der Menschenbrüderlichkeit zu erheben Mißten. Aber wenn solches im Schooße einer Stadt vorfällt, durch welche die ganze Strömung der Civilisation hindurch flu thete, dann ist sie allein für solche Schmach verantwortlich und steht da als ein v ervehmter Ort, bis sie durch eine Genugtuung ohne Gleichen den Schimpf gesühnt, mit dem sie sich und uns Alle, Alle, die wir Christen heißen, besudelt hat. Ich schreibe harte Worte; aber solcher Wildheit der Thai gegenüber wären zahme Worte die verächtlichste Feigheit. Ist die Kunde nicht wahr, so ist jedes Wort im Voraus auf's Freudigste zurück'gcnommen." Die Zerstörung dauerte Souutag von 5 Uhr Nachmittag, wo der Bubenzug den Anfang nahm, bis tief in die Nacht hinein; gegen 1 Uhr war das Militär,