Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1848)
- Date
- 1848-05-13
- Page
- Seite 158 (sequence 11)
- Language
- German
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158 gen auch schon die Bauern an, über die Edelleute herzufallen. In der Umgegend von Dalya haben die aufgestandcnen Bauern gräßliche Verheerungen angcrichtet. Die Husaren, welche gegen sie ausgeschickt worden, mußten einen mehrstündigen hartnäckigen Kampf bestehen, ln welchem auf beiden Seiten an öO schwer verwundet wurden. 'Der katholische Klerus, welchem der Vertust seiner unermeßlichen Güter bevorsteht > unterläßt es nicht das unwissende Volk gegen die ganze neue Ordnung der Dinge aufzuregen. Die gestürzte Partei der Petschovitschen (Conservativen), die Aristokraten überhaupt lauern nur aus eine günstige Wendung, um auch ihrerseits offen zu agiren. In dieser Beziehung bietet Ungarn den bedenklichen, Zustand dar, in welchem sich Frankreich 1789 befunden. Dazu kommt aber noch bei uns der unselige Sprachen- und Nalionalitätcnstreit, welcher die besten Kräfte sich feindselig gegenüberstellt. Erwähnen wir nun noch die Gefahr, welche auch von dem konstitutionellen Oesterreich der Unabhängigkeit Ungarns, wie dieses sie versteht, droht, so haben wir in großen Umrissen den traurigen Zustand eines Landes gezeichnet, auf welches man in Frankreich und in Deutschland bei .einem Kampfe gegen den russischen-Koloß so viel zu rechnen scheint. Die ungarische Negierung, in der größten Mnanzktemme, ohne Waffen und Munition, das ungarische Militär meist außer Landes beschäftigt, hat daher den uothwendigen Entschluß gefaßt, in möglichst kurzer Zeit einen außerordentlichen Landtag zu berufen. (D. A. Z.) '' - JSBjtcn, .28. April. Ans Anlaß der vandalischen Verfolgungsstenen, welche gegen die jüdische Bevölkerung in Preßburg vorgefalten sind, ist von den in Wien lebenden Ungarn aller Glaubensbekenntnisse folgende Eingabe an den ungarischen Justizminister Franz v. Deal' gerichtet worden: ,,Herr Minister! Von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde laufen Berichte aus Ungarn ein über vandalische, dem grauen Mittelalter ungehörige Exeeffe gegen die wehrlosen von jeher geknechteten Inden. Im Namen des dreieinigcn Gottes, der Nächstenliebe bis zum Tode lehrt, im Namen aller unserer christlichen Patrioten Ungarns, — die jeden Makel in den Blättern der Geschichte unseres Vaterlandes tief und brennend empfinden, die sich mit Abscheu von solchen Schaudthaten wegkehrcn und jede Theiluahme an denselben von fich weisen, — i m Namen Ihrer all er O r t ö b e k a unten G ere ch t i g kei t s l ie b e und Humanität fordern wir Sie ans, Herr Minister, zur Ehrenrettung aller gutgesinnten Bürger Ungarns, zum abschreckenden Beispiele für die Folge, eine strenge Untersuchung cinznleitcn, damit nicht durch Schaudthaten Einzelner die Ehre ganzer Städte und Ortschaften, ja des ganzen Landes darunter leide. Wir zweifeln nicht, daß diese unsere Ansicht bereits zur Ihrigen geworden. Im Namen vieler Ungarn." Preßburg. Die Pr. Ztg. enthält folgenden Artikel über die Judenverfolgung in dieser Stadt^Vormittag 11 Uhr ward der Magistratsbeschluß proclamirt, vermöge welchem die Israeliten binnen 2!± Stunden die Stadt zu räumen hatten, um sich auf den Schloßberg zu ziehen. Der Tumult war wohl jetzt in seinem'Fortschritte gehemmt, allein diese Wohlthat'traf, was die ärmere Klasse der Juden anbelangt, nur Bettler, denn mindestens hatte die Plünderung, vonSeiledeö rohesten Pöbels voll führt, 2 Stunden lang sortgewährt, ohne daß eine bewaffnete Macht es nur versucht hatte, derselben Schranken zu setzen. Als ich gegen 12 Uhr den Schloßberg durchwanderte, bot sich meinen Angen der herzzerreißendste Anblick dar. Hierher müßtet ihr kommen, ihr wahnergriffcnen Scheinchristen, die ihr mit eurem Judenhasse schamlos prunket, und selben als Heldenkokarde an die herzlose Brust heftet! War es Judenhaß, der diese Unglücklichen der armseligen Habe mit Frevlerhand beraubte, so daß ihnen nicht eine Spur jener kleinen Vorräthe geblieben, wodurch sie sich ihren kuminervollen Erwerb verschaffen? Nein , das war kein Judenhaß, es war rohe Ptünderungssucht. Eine Feuersbrunst war sehr zu fürchten; der rauhe heftige Nordostwind hätte sie furchtbar gemacht. Es ist nicht dazu gekommen. Wäre es aber geschehen, ihr Jndcnhaffer, müßte euch nicht der folternde Gedanke, die Urheber dieses gräßlichen Ereignisses gewesen zu sein, durchs Leben geleiten; Laßt uns Gott danken, daß es nicht so weit gekommen. Doch, daß die Verwirklichung dieser schrecklichen Secne, so grell sie die Phantasie nur immer malen kann, nahe, sehr nahe lag, 'das wird Jeder fühlen, der, wie ich, in dem Plünderungsar^riffe keinen Judenhaß, sondern Raublust sah. Wohl sah man an vielen Hausthoren das Zeichen des heiligen Kreuzes, au zahlreichen Fenstern Heiligenbilder hingepffanzt, um die Christenwohnuugcu vor dem Angriffe zu schützen, doch laßt die süße Lust des ungestörten Raubens einmal gewirkt haben und hoffet nimmer, daß bei einer ähnlichen Gelegenheit diese stummen Wächter der Religion euch schützen! — Dank, tauten innigen Dank jenen edlen Männern der Nationalgarde, der Bürger , des Adels und Militairs, die der strengsten physischen Aufopferung fast 3 Tage laug ununterbrochen.sich Preisgaben, um nach Möglichkeit die rohesten Ausbrüche des Pöbels zu dämpfen; denn als nach erfolgter Publikation des Magistratöertasses die in der Stadt wohnenden Israeliten mit ihrer Habe auf den Schloßberg zogen, selbst in dieser für die Betreffenden so anstrengenden und mit blutendem Herzen vollführten^ Arbeit suchten böswillige Schaaren die Unglücklichen noch mehr zu beugen durch mnthwillige Zerstörung der vorbeigetragenen Geräthschaften, und hier war es, wo die Nationalgarde