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Der Orient · 1848-05-13 · Heft 20 (13.5.1848) · p. Seite 160

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 20 (13.5.1848)
Date
1848-05-13
Page
Seite 160 (sequence 15)
Language
German
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160 welches sich so musterhaft benahm, Graf Lamb erg an der Spitze, gezwungen, Feuer zu geben.; neun Menschen sollen auf dem Platze geblieben sein, darunter zwei Bürger. Die Natienalgarde benahm sich so lau, daß sie nur noch störend war; weshalb der Kommandirende sie abtreten hieß. Nur Eines bleibt uns dunkel. Der Pöbel zog ab, wüthend mit dem Racheschrei r morgen kommen wir wieder! Und dennoch zog man noch in der Nacht das Militär zurück. Nun kam der Montag Früh'! Wollte Gott, er wäre nicht gekommen, denn dieser Tag ist die Prostitution der Preßburger. Seenen wie in Fünfhaus und auf der Mariahilfer-Linie sind nichts gegen das kannibalische Raub- und Plünderungs- Gejohle dieser Scheusale und Furien! War Tags vorher der Endzweck bles Zerstörung, so ging es heute auf offenen. Raub und Diebstahl aus; und dieses eben ist die Brandmarkung der Preßburger Sicherheitsbehörde, daß man stehlen und plündern ließ von 5 Uhr früh, bis halb 11 Uhr u n unterbrochen; eS ließ sich Niemand blicken, weder Militär , noch Bürger, noch Nationälgarde; es war gerade als ob es abgekartet wäre; unbegreiflich! Nachdem doch der Pöbel Tags vorher sagte: wir kommen in der Früh wieder.-— Wir wollen sehen, ob Kossuth im Stande sein wird, die Freiheit, sei es auch die oer Juden, zur Wahrheit zu machen; ob er im Stande se.in wird, den elenden Krämer, der MO unzurechnungsfähige Bursche mit Nummern anfhetzte, gegen eine wehrlose unvorbereitete Menge zu überzeugen, daß nicht die Krämersekte das Recht habe, die Einwohner .von Haus und Hof zu vertreiben, und daß der Landtag es war, der das Wohnen in der Stadt den Inden erlaubte! Wahrlich, wäre es bles beim Zerstören geblieben , so hätten wir auch ans Paris und andere große Städte hingewiesen! Aber daS gemeine Rauben und Stehlen durch fechsthalb Stunden und das sich Passiv-Verhalten der Behörde empört jeden rechtlichdenkenden Patrioten u. s. w. Der Herr Stadthauptmann erdreistete sich sogar, einem braven Wiener Nationalgardisten, der die Menge haranguirte und beschwichtigte, mit Keckheit ins Gesicht zu sagen: ,,Jch bitte nur zu sehen, daß von der Geschichte die Journalisten nichts schreiben." Ein. Theil der Stadt Preßburg hat also aufgehört, eine europäische Stadt zu sein, sie ist in die Reihe der amerikanischen Rothhäute eingetreten! Es hat sich der Ehre verlustig erklärt, eine Stadt des edlen, hochherzigen, geist- und herzstarken Ungar!andes zu sein, und hat Gemeinschaft geschlossen mit den rohesten Kosakenhorden! Es hat nu Antlitze vom freien und gesitteten Europa die Civilisation von sich geworfen, das Christenthum geschändet, Gott in Hunderten von seinen Eben- Verlag von C. 8. Fritzsche. bildern in offigie schändlich gemißhandclt, die Menschheit mit Füßen getreten, den reineil Hermelin des glanzvollen Ungar-Namens mit dein Kehricht brutaler Verworfenheit besudelt; Preßburg hat in seinen Mauern die Juden geschlachtet, die Kran feit ans den Betten geschleift, das Hirn der Kinder an die Wände geschmettert, die Todten au 3 Den Gräbern gerifsen, das Eigellthumsrecht räuberisch geschälldet, alle Gesetze der Moral, der Humanität, der Sitte, der Meuschlichkeit, der" heiligeu Schrift, des Rechts und der öffentlichen Sicherheit mit zähnefletfchellder Bestialität entweiht und besudelt; Preßburg kann nicht mehr milzählm unter den europäischen Städten, wo Menschen mellschlich wohnen, wo Ehrfurcht vor Gesetz, wo Achtung vor Menschheit, wo das Bild der wahren Freiheit in reiner Glorie strahlt! .'Alle öffentlichen Blätter Europas werden im heiligen Interesse der Menschlichkeit und der wahren, so arg i verleumdeten Freiheit aufgefordert, ihre Entrüstung über diese Scenen aus - dem finstersten Jahrhunderte der Barbarei laut und energisch .anszusprechen; sie find es der Ehre des Jahrhunderts, der Würde der Publieität und dem Geiste der Aufklärung schuldig. Frankreich. Basel, 27. April. Die uns aus unserer elsässischen' Nachbarschaft gemeldeten I u D e n e y c esse sind leider sehr bedeutend. Irr Hegenheim suchten sich die Juden ihrer Haut zu wehren, wurden aber durch Zuzügler aus andern Dörfern überwältigt'; Letztere drangen daun in die Judenhäuser und übteli argeMishaudlungeu aus. Dell: Begehren um Truppen aus Hünin- > gen konnte der Kommandant nicht entsprechen» Die Natienalgarde wollte sich hinbegebcn, löste sich aber unterwegs auf. Die Juden flohen nach Basel-Land, wo auch gefährlich Verwundete' angekoulmerl sind. (Basl. Zeit.) I t a l i e n. Mailand 30 März. Emanzip ation der Israeliten in der Lombardei. Dekret der provisorischerr Regierung. Gehaßige AuSnahmgesetze haben bisher auf den Israeliten gelastet. Dessen ungeachtet zeigten sich diese als gute Bürger thatkrästig, indem sie mit ihrem Blute, ihrer Einsicht und ihrem Vermögen! llnsere glorreiche Revolution unterstützt haben. Es ist nun Zeit, daß dieUngerechtigkeiieu so vieler Jahrhunderte aufhörm, denn sie ist gerechten Männern widerlich, dankbaren Männern, wie wir find, unerträglich. Darunl wird hierdurch den Israeliten die volle Ausübun a ller b ürgerlich en uud pol itische n Rech te eingeräumt. Die Ehen betreffend, wird das Erforderliche durch | ein besonderes Gesetz geregelt werden, j Unterschrieben die Mitglieder der provist Regierung. Druck von I. H. Nagel.

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