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Der Orient · 1848-05-13 · Heft 20 (13.5.1848) · p. Seite 157

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 20 (13.5.1848)
Date
1848-05-13
Page
Seite 157 (sequence 9)
Language
German
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157 trieden, und dem andern Glaubens-Genossen — gleichviel Jude, oder Christ— gesagt wurde, er müsse vorerst seine religiöse Uebcrzeugung gegen das Angebot politischer Gerechtsame ausgeben. Ein solcher Ansspruch wäre wahrlich dieses Hauses völlig unwürdig, und gerade umgekehrt, wollen wir künftig eben wegen seines Glaubens Niemanden mehr der politischen Rechte berauben. Lieber feilte Emanzipation, als die Befuguiß von dem Glauben des Andern einige mißliebige Satzungen auswählen und abschaffen zu dürfen. Wo um Himmelswillen bliebe da die Glaubensfreiheit, die wir festsetzen wollen? Zentner. Ich habe nicht erklärt, daß ich den Israeliten zumuthe, von ihren Dogmen abzugehen. Es handelt sich um einen großen Th eil von talmudistischen Lehren. Dieses müssen sie aufgeben, sonst paffen sie m unfern Siaatsorganismus nicht. Christ. Dies ist völlig.unwahr! Der Antrag auf Gleichstellung wird mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. Oesterreich. Wien, 26.- April. An die Ungarn! Die Zeiten haben sich geändert. Ihr wißt es, die Ihr kühn und kräftig in das' Rad derselben eingegriffen. So wißt Ihr auch, daß das freie Urtheil, ehedem der Nachwelt übcrautwortet, mm schon der Mitwelt angehört und daß die Großthat vorn gestern nicht hindern darf, über die Schcmdthat von heute zu sprechen. Ihr habt den Ruhm einer edlen ritterlichen Nation, Eure Geschichte zeugt dafür; die unter Euch begangenen Gräuel mittelalterlicher Juden-Verfolgung zeugen nicht dafür. Es gibt schlechte Juden unter Euch, wie es auch schlechte Christen unter Euch gibt. Wer wird es täugnen? Ueberliesert den Gesetzen die, welche rechtlos, .überliefert der öffentlichen-Verachtung die, welche ehrlos handeln! Aber in Preßburg erscheint die Gerechtigkeit der Nation schwer verletzt, der Adel und die Würde tief verunglimpft, denn Recht und Menschlichkeit sind mit Füssen getreten worden. Zur Zeit der Raubritter wurden auch wie jetzt zu Preßburg schuldlose friedlicheKaufleüte geplündert; nicht aber wie heute zu Preßburg vergriff man sich au wehrlosen Frauen, nicht trieb mau hilflose Kranke aus ihren Betten hinweg, nicht grub man Leichen aus, um sie zu profanireu, nicht stürmte und zerstörte man Anstalten des Heils und der Jugendpflege. Es lebt der Glaube in mir, daß kein Magyar hierbei gewesen, aber Ihr Männer von Preßburg habt es thun lassen, und ob aus Lauheit oder aus Schwäche, cs bleibt gleich schmachvoll für jedes Volk, wenn die Gerechtigkeit machtlos unter ihm geworden. Habt Ihr über die Euch zu beklagen, habt Ihr jener Euch zu rühmen, die mit Euch, ja selbst vor Euch ins Land gekommen, mit Euch es gehoben und verherrlicht haben. Aber der Schuldige wie der Unschuldige gehört seinem Richter an und dem einen geschweige denn dem Andern gebührt Schutz, das ist, kräftiger und mannhafter Schutz vor roher Raub-und Zerstörungswuth. Erwuchs es auf zum glänzenden Ruhm, daß Ihr Euch das Recht herbeigeführt, so schwindet er, wenn Ihr es nicht auch ungekränkt zu erhalten wißt. Zerreißt wen Ihr wollt und könnt, Naturalisationsbriefe, die mit edlem Blut besiegelt sind, stoßt hinaus, die so Jahrhunderte unter Euch gelebt; brecht dann mit Europäischer Civilisation und Europäischem Recht; aber —- die Ihr auch Kinder des Orients seid, vergeßt daun nicht das waltende A sy lrecht im Orient, heilig von Eueren Vätern gehalten wie von denen der Juden, als sie noch Ein Volk bildeten, und der aufgenommeue Fremde ihnen ein Bruder gleich wie der Einheimische galt. Wer ich bin, der es wagt, Euch dies zu sagen? ein Jude und wenn auch Euere und unsere barbarischen Gesetze mich nie zum Wucher- und auch nicht zum Pünkel- und Schacherjnden gemacht haben — doch ein Jude. Und wenn es mir auch gelungen, mit Gottes und edler Menschen-, zunächst Magyarenhitfe, manch Chrisienkind dem Verderben zu entziehen — doch ein Jude. Ja so ein elender verstockter Jude, daß ich glaube das dumpfe Anschlägen an meinen Püukel, wenn ich einen trüge, .wäre der Gottheit ein angenehmerer Wohlktang, als das läppische Anschlägen an ein Ritterschwert, das gegen und nicht für Wehrlose gezückt ward. Und das will ich nicht aus dem Versteck gesagt haben, weil ich denke, daß, wenn die Regierung das Chiffrekabinet eingezogen hat, wir Andere es auch thun sollen, und die, weil ich Katzen- oder Hyänenmusik für meinen Theil nicht scheue, aber den Schuldlosen davor zu wahren habe. Ja, sollten auch wirklich Hyänen in dem Lande hausen, wo ich mir immer nur Löwen dachte, ich würde mich nimmer wie heute fürchten, das Wort das mir schwer aus dem Herzen lag, mit eiugeschüchtertem Unmuth in mir geborgen zu haltet!, keineswegs aber es laut und vernehmlich, wie cs üt mir lebt mitten drin auf offenem Markt zu verkündigen. J o s e p h W e r t h e i m e r, Schultergasse Nr. 403. P>esth, 26. April. Gestern kamen hier flüchtige Jud en aus Eisenstadt und Fünfkirchen aufHolzschiffen an. Das Beispiel, welches Pesth gegeben, .wird gewiß auch in andern Städten und Ortschaften verstärkte Nachahmung sindeu. Von reichert Juden wandern viele aus, andere nehmen die Taufe. Auch der hiesige jüdische Vorsteher that letzteres. Auch in Preßburg haben neuerdings blinde VerfelgungSseenen gegen die Inden stattgehabt, wobei das Militär einschreiteu mußte. —- Wahrend so in den Städten und Marktflecken die Bürger ihrem Judenhassc Luft machen, fan-

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