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Der Orient · 1848-05-13 · Heft 20 (13.5.1848) · p. Seite 156

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 20 (13.5.1848)
Date
1848-05-13
Page
Seite 156 (sequence 7)
Language
German
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156 zweite Sitzung des Vereins zur W a h r u n g d e r deutschen Sache an den östlichen Gren'zen im Saale des Schützenhauses statt. Nachdem Dr. Kühne als Vorsitzender die Versammlung begrüßt und diese sich damit einverstanden erklärt hatte, daß der provisorische Ausschuß noch vor der Hand am Ruder bleiben möge, verlas Adv. Kaim seine bereits erwähnte Adresse. Diese wurde nach mehren Debatten angenommen und eine Deputation mit der'Redaktion und Absendung beauftragt. Hierauf trat ein Mitglied der nach Leipzig gesendeten Deputation des in Lissa gebildeten Vereins zur Wahrung deutscher Interessen im Großherzogthum Posen, Hr. Biberfeld, auf welcher in kurzer Rede darauf hinwies, daß die Deutschen in Posen am meisten vor dem Fanatismus besorgt sein müßten, den katholische Geistliche dadurch erweckten, daß sie den Polen einredeten: man wolle diesen die Nationalität und mit der Nationalität auch die Religion rauben. Hr. Jellinek wünschte, daß der Verein den Männern, welche in Mähren und im österreichischen Schlesien ihre deutsche Gesinnung so furchtlos bethätigcn, ein stach Brünn gerichtetes, ermuthigendes Zuschreiben sende. Die Versammlung stimmte diesem, wie demAntrage des Hm.Kaufmann, ein ähnliches Schreiben an die Deutschen nach Prag zu richten, bei, und übertrug einer Deputation die Redaktion und Absendung beider Adressen. / (D. A. Z.) Großherzogthum Baden, 22 April. (Diffkusflon der 2ten Kammer am 2. März 1848 über den gestellten Antrag: daß alle Beschränkungen politischer Rechte aus dem Grunde, daß ein Staatsbürger einer bestimmten Konfession angehöre, aufgehoben werde.) . Welker. Die religiöse Ueberzeugung jedes Menschen ist sein freiestes Eigenthum und sein Heiligthum. Darin ihm Freiheit zu geben, ist die erste Bedingung aller Freiheit. Das haben die Amerikaner, das haben die Engländer anerkannt. Ich hoffe, daß alle Leidenschaften, die sich dieser Freiheit widersctzen, verschwinden werden. Mez., Meine Herren! welch eine prachtvolle Stunde erleben tpir jetzt! jetzt ist es eine doppelte Ehre, Mitglied der badischen Kammer zu sein. Ich halte mich in diesem Augenblicke für eine Schildwache, die von ganz Deutschland ausgestellt ist, obgleich sie vielleicht an der Unrechten Gränze aufgestellt ist. Aber nicht blos im Norden und Osten, auch an der Westgränze thun freie Wachen noth, daß der Geist der Freiheit nicht verhindert werde, einzudringen. Das ist auch eine würdige Aufgabe. Immer habe ich mich für einen regen Anhänger der Religiosität erklärt, aber auch immer ausgesprochen für volle Religionsfreiheit. Es giebt nur eine Freiheit. Wir müssen sie haben, dafür bürgt mir der Geist der Zeit. .Zittel. Es handelt sich hier um eine sehr große und heilige Sache, die ich stets vertreten habe; ich habe nur die Hoffnung auszusprechen, daß bei der Berathung derselbe Geist sich anssprechen werde, wie heute. Ullrich. Ich kenne viele Israeliten, die der Emanzipation fähig sind, andere aber, die auch gar nicht emanzipirt fein wollen, so ist es namentlich der größte Theil meines Wahlbezirks (Ettingen). Dem vorigen Abgeordneten gaben meine Wähler den Wunsch mit zum Landtage, er solle ihnen lieber die Cholera heimbringen, als die Emanzipation der Jsraeltien. Brentano. Der Kampf für die Emanzipation ist ein Kampf für die Freiheit. Ich spreche es aus, der Bezirk Ettingen hat eine andere Ansicht als die eben verkündete. Jetzt, wo wir uns der Freiheit erfreuen, sollten wir unser Herz nicht auch öffnen für die Israeliten? Jetzt, wo man die Israeliten ins englische Parlament aufnimmt, und einen Israeliten unter die französische Regierung gesetzt hat? Die Stadt Karlsruhe hat in einer Bürger-Versammlung ausgesprochen, daß die Freiheit eine Freiheit für alle sein muß. Lassen Sie auch uns festhaltcn an diesem schönen Ausspruch. Buff. Wenn dieser Antrag durchginge,- so würde das Verhättniß des Staates zu der bestehenden christlichen Kirche, wenn cs staatsrechtlich und gemeinrechtlich geordnet ist, aufgehoben. Ich würde für allgemeine Religionsfreiheit sein, wenn die christliche Kirche ihre Einheit gegenüber dem Staate, wenn sie die Autonomie ihrer Wirksamkeit wie jede andere Korporation erlangen würde; da dies nicht der Fall fein wird, muß ich gegen den Antrag stimmen. Kapp. Auf solche allgemeine Dinge mag ich nicht mehr zurückkommen; wenn Stimmen aus den Gräbern der Vergangenheit hier reden. wollen, immerhin nur mögen sie nicht hoffen, beim Volke einen Widerklang zu finden. Zentner. Ich habe immer für die Gleichstellung der Israeliten gesprochen , nur müssen dann auch die Israeliten, die Bedingungen der Gleichstellungen sich gefallen lassen, sie dürfen nicht sagen, wir wollen mm emanzipirt sein, wenn man uns unsere talmudischen Bräuche Läßt. Eben sowenig will ich, daß jedem der noch auf christlichem Boden steht, ein politisches Recht um seiner Consesflon willen, verkümmert werde. Bald werden große Pflichten vom Einzelnen gefordert werden, dann wird man nicht nach der Religion fragen; so sollen wir auch jetzt nicht darnach fragen, wo es sich um die Rechte aller handelt. Christ. Die Bemerkung vom Abgeordneten Zentner, welcher sich für die Emanzipation nur unter der Bedingung erklärt, daß die Juden einzelne ihrer Satzungen aufgeben, zwingt mich, dagegen mit altem Nachdruck mich auszusprechen. Das wäre mir eine saubere Emanzipation, wenn Schacher mit dem Heiligsten ge-

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