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Der Orient · 1848-05-13 · Heft 20 (13.5.1848) · p. Seite 155

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 20 (13.5.1848)
Date
1848-05-13
Page
Seite 155 (sequence 5)
Language
German
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- 155 - voller Seele das Wort in diesem erhabenen weihevollen Momente. Es war nicht der Tod, der sie Alle gleich gemacht die hier ruhen, sondern die Kraft des Lebens, die Macht einer Idee, die Gluth der Begeisterung, die alle Dämme und Scheidewände niederriß, welche sonst den Menschen von sich selbst, den Menschen vom Menschen scheiden. Es war die Macht einer Ueberzengnng, eine Erhebung der edelsten Gefühle und Gedanken , die jene Hingeschiedenen, deren Gedächtniß hier in so ergreifender Weise gefeiert wird, hinaustrieb in den Todeskampf; es wareil die würdigsten Ziele, für die sie gerungen, und denen sie mit Einsetzung ihres Lebens entgegengingcn, das freie Selbstbewußtst:::, die in ihrem Gebrauche ungehinderte unbeengte Kraft des Mannes, die sie dem Vaterlande erstreiten halfen. Gesegnet lvar ihr Ansgang, gesegnet sei ihr Eingang in das Reich Gottes, in das Reich des Lichtes und der Versöhnung, in das Reich der Wahrheit und Klarheit, in das Reich der Liebe und Milde. Mögen sie auö -dieser Stätte der Verklärung hinabschauen auf eine Erde, auf weicher Wahrheit und Recht, Liebe und Einigkeit, die Güter, für die sie gestritten, als eine Saat des Heiles aufwachscn, und zu einem mächtigen Baume werden, der die versöhnte Menschheit mit seiner reichen Blätterkrone beschatte. Amen» ,,Den Hinterbliebenen der Märzheldem Berlins. Ein Wort des Trostes von Dr. Zuuz. Um edle Todte trauert Berlin, trauert Deutschland, um ihre Lieben trauern die Hinterbliebenen. Die in uusereir Straßen einhergittgen unbeachtet, die in Studierzimmern dachten und in Werkstätten arbeiteten, die am Schreibtisch rechneten und in Laden feitboteu wurden plötzlich Krieger und wir entdeckten sie erst in dem Augenblick, wo sie als Sterne verschwanden. Als sie verherrlicht wurden, da verloren wir sie, und seitdem sie unsere Befreier geworden, können wir ihnen nicht danken. Doppelt trauern die verlassenen Angehörigen: wie viel sie au den Todten verloren, hat ihr schöner Tod ihnen offenbart, dem Beile gleich, das die dunkele Muschel spaltend die Perle enthüllt. Aber wie, haben wir, habet Ihr sie denn verloren? Jene, die wir für minder berechtigt gehalten, weil wir ihnen die Stelle im Leben anwiesen, nach der Etikette der Titel und nach dem Schimmer des Goldes, denen wir gteichgittig begegneten, weil , die Sonne der Macht sie nicht beschienen, oder denen wir hochmüthig Ungnade und herablassend Gnade erzeigt, je nach den eingebildeten Rangstufen der Stande, der Geburt und des Bekenntnisses, — wie haben sie über unsere Häupter sich emporgeheben, von einer ewigen Sonne widerstrahlend, hoch über Alle hinaus, die im Flitter geborgter Sonnen einhergehen l Groß und thcner sind sie uns durch ihren Tod geworden, als sie scheidend einen unermeßlichen Reichthum aus uns ansschütteten, auf uns Alle, die wir arm, sehr arm waren. Unser Haupt, einem brennenden Himmel gleich, lieferte keinen fruchtbaren Regen großherziger Gedanken, und das Herz in unserer Brust , zu Eisen geworden, ward öde an menschlicher Empfindung. Eitelkeit und Wahn waren unsere Götzen, Schein und Lüge vergifteten unser Leben, Genuß und Habsucht diktirten unsere Handlungen; eine Hölle flttlichen Elends, in alle Einrichtungen des Lebens ein fressend, machte ringSnnr den Lnstkreis glühend, bis endlich schwarze Wolken heranzogcn, das Gewitter heranstürmte im Volksdonncr und die reinigende:: Blitze in die Barrikaden und in die Lüge einschtngen. In diesem Wetter sah ich die feurigen Wagen und die feurigen Pferde, welche die für Recht und für Freiheit gefallenen Gottesmänner in den Himmel entführten; ich vernehme die Gottesstimme, welche die Namen eurer Lieben, ihr Weinende! adelt: Die freie Presse ist der Adelsbrief und unsere Herzen das Denkmal. Ein jeder von uns, ein. jeder Deutsche ist ein Hinterbliebener, ein Trauernder, und Ihr seid keine Verlasseise mehr. Groß aber wird bfic Ehre sein, die euren, die unseren Todcn erzeigt lvkrd. Denn das Reich der Freiheit wird erstehen: das auf Nationalwillen gegründete Gesetz, die in freiwilligem Gehorsam bestehende Ordnung, die Anerkennung des Menschen unbehelligt vom Unterschiede der Sekten und der Stände, die Herrschaft der Liebe als Zengniß der Erkenntnis Gottes. Das wird die Menschheit aufzubauen haben, und die Gefallenen, die dieses Vermächtnis) uns hinterlassen, werden als die Gründer dieses schönen neuer: Lebens in unvergänglichem Ruhme strahlen. Ihre Grabstätte wird das fruchtbare Feld, aus welchem du unverletzliches Recht, ein Gesetz der Freiheit emporwächst; unsere Thränen werden ein Strom von Liebe, der allen Glaubenshaß forttre:bend auf seinen Flnthen dcrs Vaterland in stolzer Sicherheit trägt. So lasset uns denn ein Gesetz machen gleich für Alle, und ein Herz bewahren, warm für alles Edle. Entfernen wir jede Einrichtung, die einzelne Schichten der Gesellschaft hiuteucmsttzt, die einzelne Klassen drückt und verwundet, bleiben wir einig, werden wir wahrhaft: so wird das Vaterland bald Festkleider anlegen, den Helden, die es feiert zu Ehren: so müsset auch Ihr, Hinterbliebene, getröstet sein, die Ihr in uns, in enern Brüdern, die Eurigen wiedergefnnden. so richtet euch empor, und nehmet uns heute schon aus, die wir Euch nahen mit Liebeswortcn, mit Kuß und Thräne! Wir wollen Euch Weiser, Brüder und Söhne sein und für Euch sterben, wie eure Lieber: für uns gestorben. Trocknet eure Thräneri an den Flammen der Liebe, die wir Euch bringen und versenket eure Trauer unter dem Dankesjubel der befreieten Völker und betet an die göttliche Majestät, welche die Verki'u:der des Heils unter Schauern zu sich entboten hat. Leipzig,. 28. April. Heute Nachmittag fand die 20*

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