Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 19 (6.5.1848)
- Date
- 1848-05-06
- Page
- Spalte 299-300 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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299 Studien. Ghazzati's Reiseberichte. 309 Aus diesen wenigen Proben kann der Leser auf denRcichthum der Bedeutungen schließen, die alte hebräische Wörter erhalten haben, und wir könnten dieselben vermehren — wenn wir ein Lexikon zu schreiben hätten. . Außer diesen Wörtern, die der Talmud als bloßes Lexikon darbietet, liefert derselbe aber auch Beiträge zur Exegese von vielen biblischen einzelnen Wörtern und Stellen. (Fortsetzung folgt.) Natan Ghazzati's Reis eb erichte, in deutscher UeKersetzung mitgetheilt von Dr. M. Horschetzky. (Fortsetzung.) Wir schifften den Nil aufwärts. Bei den Katarakten dieses Stromes wurden unsere leichten Fahrzeuge ausgehoben. Indem wir unsere, Reise bald zu Wasser bald zu Land fortsetzten, und die merkwürdigen Ruinen längs der West- und Ostufer des Nils besichtiget hatten , befanden 'wir uns nach 2 Monaten zu Schendi. . Schendi, das alte Saba eine Inset, ohngefahr von der Ausdehnung Siziliens, die der Nil und der Ästaboras oder Tacazzo bildet, und ehemals von Aethiopiern bewohnt wurde. Ein gelehrter Reisende der in unserer Gesellschaft war, sagte uns: „Wir stehen hier auf der merkwürdigen Stelle, wohin das einstimmige Zeugniß des Alrerthums die Wiege der Künste und Wissenschaften setzt. Hier soll die Hieroglyphenschrift erfunden worden sein, wo Tempel und Pyramiden emporstiegen noch ehe sie Egypten kannte. Hier wohnte jener gebildete Stamm der Aethiopier, der Städte bauete, Tempel und große Gebäude aufführte, Staatseinrichtungen und Gesetze hatte, und einen über die gauze Erde verbreiteten Ruf seiner Kultur besaß. Hier war der Staat von Meroe! Einst hieß die ganze Insel so wie auch die Hauptstadt selbst Saba. Als aber der wüthende Kambyses auf seinem Auge gegen die Makrobier * auch dieses Land eroberte, aber nicht weiter als bis Senaar kam, gab er dem alten Saba nach seiner Schwester den Namen Meroe." 9) Die Makrobier waren eine äthiopische Völkerschaft, die wegen ihrer ungewöhnlichen Riesengroße, Stärke, und langen Lebensdauer sich auszeichnete. In ihrem Lande war ein solcher Ueberfluß an Gold, daß ihre Gefangenen mit goldenen Ketten gefesselt wurden. Der Reichthum dieses von den Makrobiern wenig geschätzten Metalles, war eigentlich Ursache, weßhalb Kambyses gegen diese Langleber zu Felde zog. Herodot hat in seinem dritten Buche Kap. 17 bis 24 diese Geschichte umständlich beschrieben. Nachdem er dies gesagt hatte nahm ich den Propheten Jesaja hervor, und zeigte meinem Berber die Stellen, wo der unsterbliche Seher vor so vielen Jahrhunderten die Eroberung dieses großen Handelsstaates durch die Perser verkündet, und die riesigen Makrobier mit zwei Worten so treffend bezeichnet hat." ec. is*o _“inpi nnKE xw nc« n'b VTOJll n~D D’NDD1). Ich fragte unseren gelehrten Reisemann, ob er nicht noch sonst was Interessantes über dies merkwürdige Volk der Aethiopier uns mitzutheilen wüßte? Allerdings sagte er. Die Frömmigkeit und Gerechtigkeit der Aethiopier war schon in den .frühesten Zeiten den fernsten Völkern der Erde bekannt. Die Annalen der egyptischen Priester waren voll von ihnen. Sie hatten weise Gesetze, sie waren die Erfinder der Bilderschrift, die aber kein ausschließendes Vorrecht der privilegirten Priesterkaste wie in Egypten war, sondern zu dercn Kenntniß jeder im Lande gelangen konnte. Das Einbalsamiren der Tobten war auch bei ihnen Sitte. Nicht selten gelangten bei diesem Volke auch Frauen zur Regierung. Schon im grauen Alterthume bestand ein bedeutender Handel zwischen Arabien und Aethiopien. Die Karavanen führten über Azap und Axum Edelsteine und kostbare Gewürze nach Aethiopien, und brachten dafür Gold und Elfenbein zurück." - Mit gespannter Aufmerksamkeit hatte mein Berber diese Erzählung gehört. Sein'Gesicht verklärte sich; und mir kam vor, als wäre ein Lichtstrahl durch seine Seele gezogen. Natan! rief er aus, ist es nicht gewiß, daß unser Moses in der Wüste, der für alles Große erglühte, sich an einen dieser Karavanenzüge angeschloffen hat, und die frommen und gerechten Aethiopier besuchte, bei welcher Gelegenheit er auch seine zweite Ehe mit einer Aelhiopierin ri&w) einging? Sie muß ein edles Wesen gewesen sein;' der Herr hat ja diesen Bund gebilligt, und die lästernde Mirjam hart bestraftl\ Auch die Königion von Saba rote) ^6^ er, halte ich für eine äthiopische Regentin.' Eine'Araberin, wofür sie manche Forscher ausgeben" dürste sie schwerlich gewesen sein. Die arabischen Frauen hatten zu Salomo's Zeiten weder so hohe Bildung, noch waren sie so unumschränkt frei, um diesem Könige einen Besuch zu machen; wohl aber läßt sich das von einer äthiopischen Fürstin erwarten. Die Beherrscherin eines so civilisirten Volkes konnte nicht von gewöhnlicher Bildung sein, und dürfte sich angezogen fühlen, von der Weisheit eines im ganzen Morgenlande berühmten Königes sich selbst überzeugen zu wollen. Aus Arabien wurden viele Gewürze und Edelsteine nach Aethiopien gebracht. Eine Königin konnte sich deren hinlänglich verschaffen; und 120 Zentner Goldes waren ja eine Kleinigkeit im goldrcichen Aethiopien." 10) Jesaja Kap 45, V. 15. 11) Behaalotcha XU. 12) H. Philippsohn in seiner Bibelausgabe hält sie ebenfalls dafür. 13) 1. B. Könige, Kap. 10.