Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1848)
- Date
- 1848-05-06
- Page
- Seite 149 (sequence 9)
- Language
- German
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149 ckpatl'orr der Juden als den ersten Anstoß zu seinem Ruin betrachtet. O e st e r r e i ch. „Lasset uns ablegen die Sünde so uns immer anklebt und rräge macht, und lastet uns laufen in den Kampf." Mahren, 16. April. Besser viel Spreu und wenig Kern, als wenig Spreu und gar kein Kern; wir Mähren aber haberr des ersten zu viel und des letzten keines; nirgends eine Frucht, einen Segen. Alles rennet und läuft, um aus dem glühenden Schmelzofen des. lichterloh auflodernden VolkSbewußtseins das gediegene Gold der Freiheit zu erringen und zu.gewinnen, an uns aber gehet"alles dieses einfluß- und eindrnckslos vorüber, wir sind betschwesterlich ergeben, lammfromm, emsharrend bis- Gott vom Himmel auf uns Herabschaum wird und dir Studenten in Wien auch für unö was erringen, als hätten wir nicht eine ganze Litanei voll Steuern zu entrichten, als wären die Russen nicht Freihcrrn im Ver-. gleiche mit uns. — Wohl können wir nicht über Stillstand, desto mehr über Rückgang klagen; und unsere Vertreter, Leiter und Führer, unsere Rcibbinen? Der Hirsch läuft — zurück, (c daß er wieder zurücktiefel) — hat er doch mit Wichtigerem zu schliffen; muß er .nicht den Bäckern befehlen die Milchkipset eigends zu bezeichnen und den Juden die Nägel nUTO zu' beschneiden? Und die Mikwa, der Mohet und Sefcr? Auch für die Freiheit trat,' er in die Schranken irn seiner etwas geschraubten Ansprache an die christlichen Mitbrüdcr. Schade daß die Wiener nicht Böhmisch verstehen tmb Welsch nicht leiden mögen. — Die Vorsehung schien unfern freien Aufschwung zu begünstigen, indem sie den Mann heimrief, unter dessen Acgide eine geistige Erhebung undenkbar war, doch haben wir nur schlecht diesen väterlichen Wink erfaßt und genützt, wir wollten bei Hellem Tage kein Licht schauen, nun so gute Nacht, mögen wir nur zeitig genug wieder answachen, bei. klarem Sonnenlichte schauen und Belehrung voll unfern Kindern annehmen; mögen sie es ' uns in Liebe vergeben, daß wir ihnen die drückende Last der verkörperten Finsterniß und Personisizirteu Heuchelei aufgcbürdet, möge ihnen gelingen mit jugendlich kräftigem Arm die Fesseln zu sprengen, in die sie der Pietismus aus leidigem Interesse schmiedet und sie auch erkennen, daß unter den vielen Betrogenen und Bethörten auch welche imrrcn, die dieses düstere Gewebe durchschaut, deren Ruf und Rath aber verkannt und überhört wurde. — Wäre das ließet ein heimisches, wir müßten cs in Ergebung als ein göttliches Verhängniß über uns ergehen lasstm; leider daß wir nicht einmal ein solches Bewußtsein zu - unserem Tröste haben, daß es vielmehr ein selbstverschuldetes, daß wir dem Unheil in. die Arme gerannt, dnß wir ob nn- . serer Weitsichtigkeit einer, optischen Täuschung erlagen und unfern Jrrthum nunmehr schwer büßen. Sehet mit welcher innigen Hingebung und.Selbstverleugnung die geistigen Koriphäen eines jeden Volkes sein Heil herbeizuführen streben, sehet ihr den Glanbenshelden, den alten Mannheimer mit verjüngter Kraft an der Erlösung Israels rüstig arbeiten, er hat so manches gut zu machen, auch au uns eine große Schuld zu sühnen, cs wird ihm dort gelingen, aber wir? Was kümmcet sich ein Fremder, der Monate erst unter uns weilt, um unser politisches Interesse, hat er cs doch selber gesagt, er sei nicht gekommen, sich in Politik zu mengen, um so weniger, da wir nach seiner Überzeugung im Golus sein müssen, bis Haschem uns mit eigener Haild erlösen wird, vielleicht durch ihn, den sie den Messias nannten; -— doch ist sein Badefrennd der Fürst Metternich nicht mehr. — Und unfern geschulten Rabbinen, die in der Wissenschaft herangewachsen und darum wohl erkannt haben müssen welch unehrliches Spiet mit bem armen Volke getrieben wird, warum öffnen diese ihm nicht die Augen? Ja Renda ist krank, Schmied! schwach Du sch ak kränkelt und Fasset rächt, sich indem er schweigt, .wiewohl wir von seinem früher bekundeten Thateneifer erwarten durften, daß er cdelmüthig genug, mit geschickter Hand die Angelegenheiten seiner leiblichen Brüder zu leiten; denn es ist wahrlich eines intelligenten, wenn auch sonst hintangesttzten Mannes unwürdig, bei solcher Hilf- und Rathlesigkeit der Ruhe zu pflegen. Ist die Freiheit kein Opfer Werth? auch das der Eitelkeit nicht, oder ist der Mähre allein dessen unfähig? Was brauchts da erst eines Berufes oder einer Berufung, wo der Moment so dringend ruft? Bei wem Gottes Wort ist, der verkünde es in Wahrheit, und nur wer dem Volke die Wahrheit sagt, der ist sein Hohcrpriester, die Wahrheit aber ist, daß es von seinen wichtigen Hirten verfuhr^ und vcrrathen wurde und wird; die Wahrheit ist, daß eberr so unerträglich die Last, die ihm die Religion, (wie sie es nelnren) als die ihm der Staat auflegt, und Niemand sich seiner erbarmet, ihm Erleichterung verschafft, auch heute nicht, nachdem bereits das Tageslicht dm Jrrthum beleuchtet. Ist cs nicht besser, wir kasteien unfern Leib um den des Volkes zu befreien, als-daß wir, aus Sorge für unser gutes Auskommen, seinen Geist knechten? Wie lange noch soll der Krämergeist schalten im Hanse Gottes? — Es lebe der Biedersinn, die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit! Die Presse ist frei, Heil der Wahrheit! — Ein Familiant. Pesth, 11. April. Die gewaltigen Umwälzungen der Neuzeit scheinen auch dem, ans den Stürmen der Zeit mit um so Intensiver Festigkeit hervorgegangcncn, Judenthmne eine Bresche beibringen zn wollen, wie es sich hie und da, namentlich tm Ilugarlande äußert und ist die Initiative von der Negierung anSgegaugen, die die gemischte Ehe zwischen Inden und Christen gestattet,