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Der Orient · 1848-05-06 · Heft 19 (6.5.1848) · p. Seite 148

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 19 (6.5.1848)
Date
1848-05-06
Page
Seite 148 (sequence 7)
Language
German
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148 das mit Stolz die Frieden und Versöhnlichkeit' athmende Versammlung sächsischer Lehrer gesehen — Leipzig lebe hoch!" — Die ganze Versammlung war vom Geiste der Liebe beseelt., und wir hoffen, daß die innere Emaucipatiori der Israeliten allmälig erstehen werde. Dresden, 28. April. Den 16. d. M. fand in Dresden eine Versammlung der israelitischen Gemeinde statt, welche den Zweck hatte, die Gemeindemitglieder auf die Wichtigkeit des Wahlrechtes aller Konfessionen für die konstituirende Versanlmlung in Frankfurt aufmerksam zu machen und sie zum gewissenhaften Gebrauche ihres Rechtes zu ermahnen. Der Herr Oberrabbiner Dr. Z. Frankel, als Vorsitzender, sprach in einem langem populären Vortrage über den moralischen Werth, der in der Zulassung der Israeliten zur Wahl einer so hochwichtigen Nationalversammlung liege, und wie überhaupt.Rechte, welche die Ehre, die sittliche Hebung der Israeliten im Staate Herstellen, den materiellen bei-weitem an Werth voranstehcn. Er verbreitete sich dann über den neuesten Umschwung der Staatsformen, erläuterte die Begriffe von absoluter und von konstitutioneller Monarchie mit demokratischen Elementen und Republik, die nicht mit Anarchie zu verwechseln sei; setzte die verschiedenen Formen der Republik auseinander und zugleich die Gründe, aus welchen er in Deutschland die konstitutionelle Monarchie der Republik vörziehe. Zum Schluffe ermahnte er seine Gemeinde, sich lebhaft an den allgemeinen vaterländischen Interessen und an Vereinen, die solche beförderten, zu betheiligen, rieth jedoch ' die Vorsicht, vor dem Anschlüsse an einen solchen zu prüfen, ob ein wahrhaft wohlwollender und freier Geist in demselben herrsche, und gab das Kriterium an: daß der Verein, der offen und unumwunden sich für Gleichstellung aller Konfessionen auszusprechen den Muth habe, wahrhaft frei sei; wer dies nicht wage, sei Knecht des Beifalls und des Vorurtheils der Unmündigen, also unfrei. Die Versammlung hörte mit Gefallen und großer Aufmerksamkeit zu / und der zweckmäßig belehrende und ermahnende Vortrag, der höchst zeitgemäß war, wird gewiß nicht fruchtlos sein. . (Lpz. Abdbl.) Leipzig, 29* April. Die Nachrichten, die uns aus Posen zukommen, sind nicht sehr erfreulich und sie stoßen uns die lebhaftesten Besorgnisse für die Zukunft ein. Der Adel, der immer noch mit Sehnsucht in die Vergangenheit blickt, wo die-jetzt so tief gedehmüthigte Aristokratie auf dem Gipfel ihrer Macht stand, wünscht eine Umgestaltung der gegenwärtigen Verhältnisse, wünscht eine Wiederherstellung Polens, weil dies zugleich eine Wiederherstellung seiner Macht und seines Ansehens ist, wahrend der Bauer — einen eigentlichen Mittelstand hat es ja in Polen nie gegeben —- der sich unter prerrßifcher Regierung glücklicher 'und freier fühlte als je zur Zeit des Polenreiches, denn die preußische Regierung hat die, drückende Leibeigenschaft aufgehoben, den Bauer sicher gestellt gegen' freche' Uebergriffe einer despotischen Aristokratie, eine Umgestaltung der Dinge, die ihm aufs Neue zum Sklaven eines übermüthigen Adels machen könnte, nicht wünscht. Der Adel will eine Revolution und um diese zu bewerkstelligen bedarf es der Mitwir^ kuug des Volkes, denn was ist jetzt eine Revolution, die nur vom Adel ausgehet? Ein Nichts, ein Rauch ohne Flamme. Da also die Erinnerung an die Ver» gangenheit, der Patriotismus und der Haß der Polen gegen die Deutschen allein nicht hinreichend war, den Bauernstand zur Schilderhebung zu bewegen, so nahm mau den religiösen Fanatismus zu Hilfe. Priester predigten von den Kanzeln herab einen Kreuzzug gegen die (evangelischen) Deutschen und Juden, die Feinde des katholischen Glailbens, der in Gefahr schwebe. Dies Mittel war allein im Stande den stumpfsinnigen , aber bigotten, fanatischen Bauer, der die Mysterien der alleinseligmachenden Kirche gläubigen Herzens erfaßt, zum Aufstande zu bewegen. Aber der religiöse Fanatismus, einmal angefacht, kennt keine Schranken; daher ist es erklärlich, daß jeder Kampf von Seiten der Polen mit solcher Erbitterung, solcher Grausamkeit geführt wird. Der Adel, der den Aufstand organisirt, hat bereits keine Macht mehr über jene Banden , die nur den Eingebungen eines blinden Glaubenshasses folgen, und sich nt einzelne Haufen zersplittern, die nach keinem gemeinschaftlichen Plane, durchaus ohne Übereinstimmung nach eigner Willkür handeln. —• Man täusche sich nicht über die Vorgänge in Posen, sie sind nur das Vorspiel eines noch bei Weitem blutigeren Kampfes, dev. moch bevorsteht, religiöser Fanatismus läßt sich so leicht nicht dämpfen; gegen die Inden, gegen diese unglückliche, schutzlose Nation wird sich die Wuth des Pöbels wenden, gegen die Deutschen, die die Kraft der alleinseligmachenden Kirche läugnen. Möge die preußische Regierung sich endlich zu-energischen Maßregeln entschließen und der dortigen Anarchie mit kräftiger Hand ein Ende machen, wenn sie nicht den Fluch auf sich laden will, durch thörichtes Zaudern eine ganze blühende Provinz der Anarchie überantwortet zu haben. Leipzig, 29. April. Der Aufsatz eines Herrn Dr. Vogel ,,Auch ein Wort über Judettemaneipalion" im hiesigen Tageblatte äbgedruckt, hat hier die Emaueipationsftage zur Tagesfrage gemacht. Hr. Dr. Vogel, dem es durchaus an Logik und Klarheit gebricht, bekämpfte die Elnancipation mit so thörigten, unhaltbaren Gründen, daß cs der Kritik leicht wurde, ihn gebührender Maaßcn an den Pranger zu stellen. Indessen ist-cs doch nicht gu läugnen, daß der Krämergeist und der alte Zopf, der .hier in Leipzig noch die Herrschaft führt, stch gewaltig gegen Judenemancipation sträubt und im Allgemeinen nur wenig Vertreter findet, da der Haudelostand thöricht genug die Eman-

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